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Zwist um gewerbliche Honigbienen in dänischen Naturschutzgebieten

Zwist um gewerbliche Honigbienen in dänischen Naturschutzgebieten

Zwist um gewerbliche Honigbienen in dänischen Naturschutzgebieten

Aarhus
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Foto: Scanpix

In Dänemark soll mehr Ökohonig produziert werden. Biologen kritisieren, dass Wildbienen aus Natura-2000-Gebieten vertrieben werden könnten. Der Imkerverband bestreitet das.

Eine Reihe dänischer Biologen kritisiert die Initiative von Umwelt- und Nahrungsmittelminister Esben Lunde Larsen (Venstre), mehr Honigbienenstöcke in Naturschutzgebieten zuzulassen. Vor allem auch, um die Produktion von Honig mit Öko-Siegel zu steigern.

Der Biologe Prof. Carsten Rahbek warnt, dass die stärkere Nutzung von Naturschutzgebieten für die Imkerei eine Gefahr für die seit Jahren in Dänemark von drastischem Rückgang betroffenen Wildbienenarten nach sich ziehen würde. Die Nutzbienen könnten auch Insektenparasiten in die Natur tragen.

Weltweit wird über Rückgang unter den zur Bestäubung so wichtigen Insektenarten berichtet – vor allem aufgrund von Pestizidbelastungen.

Umweltminister hat Vorschriften gelockert

Im März 2017 hatte Esben Lunde Larsen die Vorschriften für die ökologische Bienenhaltung gelockert. Die Imker dürfen seit der Änderung der Vorschriften ihre Bienenvölker so platzieren, dass sie 95 Prozent des Nektars und Pollens von ökologisch bewirtschafteten Agrarflächen oder Naturflächen einsammeln. Damit hat sich die für ökologische Imkerei nutzbare Fläche in Dänemark verzwanzigfacht.

Ein Ökosiegel bei Nutzung von Agrarflächen zu bekommen, war zuvor kaum möglich, da es kaum Bereiche gibt, in denen die Bienen nicht in Berührung mit Insektengiften und Pflanzenschutzmitteln kommen.

Während Professor Carsten Rahbek dafür plädiert, das Vordringen der Nutzbienen in Naturschutzgebieten nach dem Prinzip der Vorsichtigkeit zu begrenzen, bestreitet der dänische Imkerverband, Danmarks Biavlerforening, dass die gewerblich aktiven Bienenvölker den Wildbienen Konkurrenz machen.

Sehr wenige Honigbienen in Dänemark

Der Verband weist darauf hin, dass im EU-Vergleich in Dänemark mit 115.000 Bienenvölkern sehr wenige Honigbienen gehalten werden. Im Schnitt lebten in Dänemark 2,67 Bienenvölker pro Quadratkilometer. In den meisten anderen EU-Staaten seien es bis zu 12 Bienenvölker pro Quadratkilometer. Laut Imkerverband werden in den Heiden des Nationalparks Thy nur 0,05 Bienenvölker pro Hektar gehalten. Damit liege man weit unter empfohlenen Höchstgrenzen niederländischer Behörden, die in Heiden nicht mehr als 0,25 bis 0,5 Bienenvölker pro Hektar empfehlen.

Von den in Dänemark heimischen 287 Wildbienenarten, zu denen auch die Hummeln gehören, sind 50 Arten bereits seit 1974 nicht mehr beobachtet worden. Nach Erkenntnissen der Forscher der Abteilung Bioscience der Universität Aarhus geht der Rückgang von Wildbienen in der Agrarlandschaft vor allem auf die Ausbringung von Insektiziden zurück. Auch die Beizung von Saatgut mit Neonicotinoide gegen Schädlinge dezimiere die Bienenbestände.

Negativ wirke sich auch das Verschwinden vieler Pflanzenarten im Ackerland durch Einsatz von Totalherbiziden aus, da diese Spezialisten unter den Insekten Blüten und andere Pflanzenteile als Nahrungsquelle entziehen.
Insgesamt vermindert sich in vielen Regionen Dänemarks und anderer europäischer Länder das Vorkommen sowohl von Wildbienen als auch anderer Insekten, die als Bestäuber wichtig für die Sicherung der Erträge vieler Kulturpflanzen sind. Sorge bereitet der Insektenschwund auch Vogelschützern, weil sie vielen Arten als Nahrung dienen.

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