Landwirtschaft & Umwelt

Tierhaltung für Großteil der Schwefelemissionen verantwortlich

Tierhaltung für Großteil der Schwefelemissionen verantwortlich

Tierhaltung für Großteil der Schwefelemissionen verantwortlich

Kopenhagen
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Foto: Ryan Song / Unsplash

Autos und Kraftwerke – sie gelten als die großen Klimasünder. Doch neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Tierhaltung in Dänemark für einen Großteil der Schwefel-Emissionen steht. Auch wenn erst jetzt entdeckt, werde das Problem bereits längst angegangen, heißt es von einem der Wissenschaftler.

Wenn es darum geht, wie Dänemark seine Schwefelemissionen eingrenzen kann, geht es meist zuerst um den Straßenverkehr und um Kraftwerke. Doch Wissenschaftler der Uni Aarhus haben jetzt herausgefunden, dass verdampfender Schwefelwasserstoff aus Tierdung in dänischen Schweine- und Kuhställen für bis zu einem Drittel der vom Menschen verursachten Schwefelemissionen in Dänemark verantwortlich ist. Das teilt die Uni Aarhus mit.

Anders Freiberg vom Institut für Ingenieurswissenschaften an der Uni Aarhus schränkt im Gespräch mit der Zeitschrift Ingeniøren zwar ein, dass es bei der Zahl von einem Drittel eine gewisse Unsicherheit gebe – doch seien die Forscher sich sicher „dass die Landwirtschaft für einen wesentlichen Beitrag“ verantwortlich sei. Deshalb, so Freiberg, „wäre es gut, wenn mehr Messungen vorgenommen werden würden, auch in anderen Ländern mit anderen Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft und unter anderen klimatischen Bedingungen“.

Die Studie aus Aarhus beruht auf tage- und wochenlangen Messungen vor allem aus Schweinezuchtbetrieben zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten aus den Jahren 2009 bis 2015. Demnach steht die landwirtschaftliche Tierhaltung für 33 Prozent des Schwefelausstoßes in Dänemark – die Schifffahrt nicht einberechnet. Die Forscher hatten ursprünglich gar nicht nach diesem Ergebnis gesucht – eigentlich sollten mit den Messdaten lediglich Aussagen über die Geruchsbelästigung durch Landwirtschaftsbetriebe getroffen werden.

Die neuen Erkenntnisse könnten nun weitreichende Folgen in der Klima- und in der Landwirtschaftspolitik haben. Freiberg fordert deshalb eine weltweite Ausweitung der Messungen, um vergleichen zu können.

Wissenschaftler arbeiten bereits an Lösungen

In bisherigen Klimamodellen und Emissionsberichten heißt es laut Uni Aarhus, dass die Landwirtschaft „nicht zum Schwefelinhalt der Atmosphäre beiträgt“. Doch wie die Wissenschaftler in ihrem in „Nature Communications“ veröffentlichten Bericht schreiben, wandelt sich der im Dung enthaltene Schwefelwasserstoff in der Atmosphäre zu Schwefeldioxid. Dieser verbindet sich mit anderen Stoffen zu gesundheitsschädlichen Partikeln.

An der Uni Aarhus werde derzeit bereits daran geforscht, Technologien zu entwickeln, mit denen die Luft aus Ställen gereinigt werden kann und mit deren Hilfe das Verdampfen von Schwefelwasserstoff minimiert werden kann. Ein erster wichtiger Schritt dahin sei bereits unternommen worden, sagt Freiberg in der Mitteilung der Uni Aarhus. Schließlich sei der Einsatz von Ammoniak in der dänischen Landwirtschaft reduziert worden – und es bestünden eine Reihe von Initiativen, die Nährstoffe im Tierdung besser zu nutzen. „Auch die Gülleversauerung, die ebenfalls genutzt wird, um den Ammoniak-Verlust zu reduzieren, hat große Auswirkungen auf die Reduktion der Schwefelwasserstoffbildung“, sagt Freiberg.

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