Gesundheitswesen

SP-Traum vom Krankenhaus Schleswig wohl ohne Patienten aus Nordschleswig

SP-Traum vom Krankenhaus Schleswig wohl ohne Patienten aus Nordschleswig

SP-Traum vom Krankenhaus Schleswig wohl ohne Patienten aus Nordschleswig

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Vejle
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In Apenrade wird gebaut – in Flensburg bald auch, aber man tauscht sich nicht aus. Foto: DN-Archiv

Die beiden großen Blöcke im Regionsrat Süddänemarks finden die Sina-Vision gut – nur die Umsetzung stößt da auf praktische Probleme.

Der Vorschlag von Dirk Sina von der Schleswigschen Partei (SP), grenzüberschreitend weit mehr zusammenzuarbeiten im Gesundheitsbereich mit einem „Krankenhaus Schleswig ohne Mauersteine und Grenzen“, wird von den beiden großen Parteien im Regionsrat Süddänemarks nicht gleich abgeschossen. Venstre und Sozialdemokraten nehmen die Visionen positiv auf. Aber ein Krankenhaus Schleswig mit Patienten wird es kaum geben.

SP-Regionsratskandidat Sina meint, dass man dabei auf beiden Seiten der deutsch-dänischen Grenze mit Problemen eines Randgebiets kämpft. Expertise verschwindet zum Leidwesen der Patienten.

„Rekrutierung von Fachpersonal und guten Führungskräften, Ökonomie oder Technologie können Herausforderungen sein, wenn die Grenze uns zu Randgebieten macht und nicht als eine fantastische Möglichkeit aufgefasst wird“, so Dirk Sina der sich eine grenzenlose Gesundheitsregion Schleswig vorstellt: „Wo man in Zentren zusammenarbeitet, Funktionen fusioniert, wo dies Sinn macht – und wo man Patienten auf höchstem Niveau behandeln kann mit deutscher Gründlichkeit und dänischem Neudenken.“

Es macht eben einen Unterschied, ob man Gesundheitspolitik macht oder diese nur verwaltet.

Dirk Sina

Er, so Sina, erlebe als Arzt mit Erfahrung aus drei verschiedenen Ländern immer wieder, dass Dynamik, Wissensteilung und Synergie entstehen, wenn man aufeinander zugeht – wenn man sich öffnet.

„Das ist ein schwieriger Prozess, aber es macht eben einen Unterschied, ob man Gesundheitspolitik macht oder nur verwaltet. Wir brauchen, dass man positive Geschichten über Europa erzählen kann. Es wurden Versuche gemacht, aber wir sollten es wieder versuchen – im Kleinen, wo es Sinn macht. Beispielsweise könnte die Flensburger Urologie nordschleswigschen Patienten und dem Krankenhauswesen hier sehr viel bringen. Als ich 1990 nach Nordschleswig kam, war die Grenze wie eine Berliner Mauer. Man wusste nicht, was auf der anderen Seite passierte. Das ist vielfach weiterhin so. Es gibt meines Wissens keine grenzüberschreitenden Foren im Gesundheitsbereich, wo man sich regelmäßig oder überhaupt austauscht. Und warum sollten wir nicht Patienten austauschen können, wo dies sinnvoll ist? Die Menschen haben ja längst mit den Füßen abgestimmt, wenn es um den Grenzhandel geht. In Flensburg hört man fast mehr Dänisch als Deutsch. Die Stadt ist als natürlicher Mittelpunkt der Grenregion akzeptiert worden. In Flensburg wird gerade ein neues Großkrankenhaus geplant. Wir sollten da mit am Tisch sitzen. Wir müssen akzeptieren, dass Flensburg in der Zusammenarbeit mit dem nordschleswigschen Krankenhaus der Große ist. Aber wir können auch viel beisteuern und sollten dies gegenseitig nutzen zum Wohle der Patienten“, so Sina.

Vision gut, aber...

Dialog ja, aber Patienten nein, so der Tenor der Reaktion des Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses der Region Süddänemark, Poul-Erik Svendsen. Der sozialdemokratische Spitzenkandidat bei der anstehenden Regionswahl stellt fest, dass Vejle erst jüngst in Sachen Strahlenbehandlung in konkretem Dialog war mit Kiel über einen Austausch von Patienten. „Dabei ist nichts herausgekommen. Wir haben in der Region vier Krankenhauseinheiten mit insgesamt 14 spezialisierten Standorten, verteilt in ganz Süddänemark. Da muss man schon mal auch von Nordfünen nach Sonderburg fahren zur Behandlung.

Wenn wir Patienten wegnehmen von Nordschleswig und über die Grenze schicken, dann höhlen wir die eigene Patientengrundlage aus. Aber ich bin jederzeit bereit zu einem Dialog über die Visonen der SP, denn natürlich sollen wir uns öffnen und zusammenarbeiten, wenn es Dinge gibt, wo dies Sinn macht. Es darf nur nicht unsere Patientengrundlage und damit unsere Krankenhausstruktur aushöhlen.

Ob es überhaupt Foren gibt im Gesundheitsbereich, wo man sich grenzüberschreitend austauscht, weiß ich nicht. Ich werde das untersuchen, denn natürlich sollen wir uns die Möglichkeit, Mehrwert zu schaffen, nicht durch die Lappen gehen lassen“, so Svendsen, der den vierten Anlauf macht, um Regionsvorsitzender zu werden. Sein Venstre-Kollege, der Vorsitzende des Ausschusses für deutsch-dänische Zusammenarbeit, Hans Philip Tiejte aus Behrendorf, ist da eher nüchtern: „Die Idee der SP ist ansprechend, aber wir kennen ja die Krankenhausstruktur in Deutschland. Auf dänischer Seite können wir politisch bestimmen – das geht auf deutscher Seite nicht.

Bisher ist es daher nicht geglückt, deutsche Patienten nach Dänemark zu schicken zwecks Behandlung. Sollte das gelingen, wäre das super. Aber ich glaube nicht dran. Die Vision ist gut – aber sie hängt etwas weit oben in der Luft.“

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