Coronavirus

Sicherheitszweifel nach Verbot der App „Smitte-Stop“

Sicherheitszweifel nach Verbot der App „Smitte-Stop“

Sicherheitszweifel nach Verbot der App „Smitte-Stop“

Ritzau/nb
Kopenhagen
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785.000 Personen in Dänemark haben die App „Smittestop“ auf ihren Smartphones installiert. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Die Angestellten im Außenministerium dürfen die sogenannte „Smitte-App“, mit der der Verbreitung von Covid-19 vorgebeugt werden soll, aus Sicherheitsgründen nicht installieren. Das Zentrum für Cybersicherheit fordert dennoch dazu auf, die App im Kampf gegen Corona weiterhin zu nutzen.

Zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus haben 785.000 Personen in Dänemark die sogenannte „Smitte-App“ des Gesundheitsministeriums auf ihrem Smartphone oder Tablet installiert.

Die App ermöglicht es, den Nutzer zu informieren, wenn dieser mit einer Person in Kontakt gewesen ist, die mit Covid-19 infiziert ist.

Sofern man selbst infiziert ist, kann man sich über seine NemID anonym einloggen und somit andere Nutzer der App warnen. Auf diese Weise erhoffen sich die Behörden, die Eindämmung des Coronavirus weiter voranzutreiben.

Außenministerium verbietet Angestellten Installation

Doch nun hat eine Entscheidung im Außenministerium zu Verunsicherung geführt. Dort wurde den Angestellten verboten, die App zu installieren. Bei der Sozialistischen Volkspartei stellt man sich die Frage, wie sicher die App ist.

„Ich halte es für sehr unglücklich, dass jetzt ans Licht kommt, dass Angestellte im Außenministerium die App nicht benutzen dürfen. Falls es Sicherheitslücken gibt, müssen diese selbstverständlich ausgebessert werden. Wir möchten schließlich gerne, dass die App genutzt wird“, sagt die IT-Sprecherin der Partei, Karina Lorentzen Dehnhardt.

Bluetooth nicht sicher

Um die App nutzen zu können, wird eine Bluetooth-Verbindung benötigt. Und hier liegt der Grund für den Beschluss des Außenministeriums.

„Bluetooth ist ein offener Kanal und deshalb für Personen, die gerne wissen möchten, was gerade passiert, relativ leicht zu hacken. Deshalb erlauben wir grundsätzlich nicht die Nutzung von Bluetooth auf unseren Telefonen“, sagt Erik Brøgger Rasmussen, Direktor im Außenministerium, gegenüber der Zeitung „Information“.

Gesundheitsministerium hält App für sicher

Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Soz.) war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sein Ministerium weist jedoch darauf hin, dass die App einen umfassenden Sicherheitscheck durchlaufen hat.

„Unsere Bewertung ist, dass die App sicher in der Anwendung ist. Als Bürger kann man die App ruhig nutzen und damit dazu beitragen, potenzielle Infektionsketten zu unterbrechen“, teilt das Ministerium „Ritzau“ gegenüber mit.

Zentrum für Cybersicherheit empfiehlt Nutzung der App

Auch vom Zentrum für Cybersicherheit, das dem militärischen Nachrichtendienst untersteht, kommt volle Unterstützung: „Wir können nur dazu auffordern, dass so viele wie möglich die App im gemeinsamen Kampf gegen Covid-19 nutzen“, sagt Direktor Thomas Lund-Sørensen.

Er macht darauf aufmerksam, dass das Außenministerium zahlreichen Formen von Cyberangriffen und Spionage ausgesetzt ist. Deshalb gebe es dort eine restriktive Sicherheitspolitik.

„Doch dies ist für Privatpersonen nicht relevant. Ich habe die App selbst, obwohl ich Teil des Nachrichtendienstes bin. Nur wenn ich im Ausland bin, schalte ich Bluetooth aus“, sagt er.

Außenministerium besonders gefährdet

Der Direktor des Außenministeriums, Erik Brøgger Rasmussen, unterstreicht, dass das Ministerium täglich Angriffen von Hackern ausgesetzt ist, die versuchen vertrauliche Informationen zu ergattern.

„Wir sind besonders gefährdet. Die Bedrohung aus dem Cyberspace geht grundsätzlich nur in eine Richtung, und zwar nach oben. Das bedeutet, dass unser Sicherheitsniveau auch nur in eine Richtung gehen kann.“

Dennoch trifft er auf Verständnis: „Ich erlebe glücklicherweise viel Verständnis dafür, dass es Unterschiede zwischen dem Sicherheitsniveau gibt, mit dem wir uns im Außenministerium schützen, und dem Niveau, mit dem man als Privatperson auf seinem Telefon zufrieden gibt. Ich glaube, dass die meisten Verständnis dafür haben, dass dies einen Unterschied macht und wir unsere Arbeitstelefone schützen müssen. Und ich hebe das Wort ,Arbeitstelefone' hervor. Wir mischen uns nicht darin ein, was unsere Angestellten auf ihren privaten Telefonen installieren“, sagt Erik Brøgger Rasmussen.

Doppelmoral

Niels Elgaard Larsen, stellvertretende Vorsitzende der „IT-Politischen Vereinigung“, kann nachvollziehen, weshalb das Außenministerium beispielsweise fürchtet, von fremden Nachrichtendiensten abgehört zu werden.

Dennoch ist er der Auffassung, dass man von einer Doppelmoral sprechen könne, wenn die Gesundheitsbehörden die Bevölkerung auffordern, die App zu installieren, während gleichzeitig eine große Organisation wie das Außenministerium seinen Angestellten die Nutzung verbietet.

„Kein System ist sicher. Auch nicht Bluetooth. Ich kann gut verstehen, wenn es Nutzer der App gibt, die verunsichert sind und sich fragen, ob die Angestellten im Außenministerium wichtiger als alle anderen sind“, sagt Niels Elgaard Larsen.

Er selbst hat die App nicht installiert und fordert alle, die die App installiert haben, auf, regelmäßig ihr Smartphone auf Updates zu untersuchen.

„Auch wenn du nicht von einem ausländischen Nachrichtendienst verfolgt wirst, kann es sein, dass du einen ehemaligen Partner hast, der besessen davon ist, herauszufinden, mit wem du Kontakt hast.“

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