Klimawandel

Regierung: Küstenschutz bleibt Privatsache

Regierung: Küstenschutz bleibt Privatsache

Regierung: Küstenschutz bleibt Privatsache

Kopenhagen
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Klimaforscher rechnen mit zunehmenden Sturmfluten an den Küsten Europas – auch in Dänemark. Foto: Scanpix

Im Gegensatz zu Deutschland müssen dänische Küstenbewohner Schutzmaßnahmen aus eigener Tasche zahlen. Einen Fonds lehnt die Regierung ab.

Im Gegensatz zu Deutschland müssen dänische Küstenbewohner Schutzmaßnahmen aus eigener Tasche zahlen. Einen Fonds lehnt die Regierung ab.

Wenn Hochwasser droht, müssen die Bewohner Dänemarks selbst dafür sorgen, dass ihre Häuser vorbereitet sind. Das hat Umweltminister Esben Lunde Larsen (Venstre) nun erneut unterstrichen.

Nach der Sturmflut vom 4. Januar, die auch in Nordschleswig für eine Ereignisreiche Nacht für die Bereitschaftsmitarbeiter sorgte, war die Debatte darüber, wie der Küstenschutz in Dänemark geregelt ist, wieder aufgeflammt. Einheitsliste und Alternative haben nationalen Fonds vorgeschlagen – unterstützt wurden die beiden Fraktionen dabei vom Verband der dänischen Kommunen, KL.

Wer sich an der Küste niederlasse, der kenne doch das Risiko

In deren Verbandszeitschrift "Kommunen" spricht sich der Minister jedoch strikt gegen eine solche Regelung aus. "Ich habe einen schnell arbeitenden Ausschuss in Gang gesetzt, der unter anderem vorurteilsfrei Finanzierungsmodelle untersuchen soll und vor den Sommerferien fertig sein soll. Es wird aber der einzelne Grundstücksbesitzer bleiben, der bezahlen muss, und auch zu einem Küstenfonds sagt die Regierung Nein", sagt Larsen.

Seine Begründung: Ein solcher Fonds würde nur unnötig Bürokratie mit sich bringen. Wer sich an der Küste niederlasse, der kenne doch das Risiko, so der Minister.

Esben Lunde Larsen
Umweltminister Eben Kunde Larsen (Venstre) sperrt sich gegen einen Küstenfonds. Foto: Scanpix

...zu einem Küstenfonds sagt die Regierung Nein.

Die Niederlande geben 24 Mal so viel für Küstenschutz aus

75 der 98 dänischen Kommunen haben Küstenabschnitte – besonders an den nördlich und westlich ausgerichteten Küsten schreitet derzeit die Erosion voran, Hochwasser werden häufiger.

Andere Länder zeigen sich mit ihren Küstenbewohnern deutlich solidarischer. In Deutschland, den Niederlanden und Goßbritannien leistet der Staat seinen Teil, um sicherzustellen, dass größere Werte nicht verlorengehen. In Dänemark ist einzig der Schutz der Westküste staatliche Aufgabe.

Dieser Unterschied wird in Zahlen deutlich: Die Niederlande mit deutlich weniger Küstenlinie als Dänemark geben jedes Jahr rund 2,4 Milliarden Kronen für den Küstenschutz aus – im dänischen Haushalt sind dafür rund 100 Millionen Kronen vorgesehen.

Kommunen wollen den Fonds und Koordinierung

Larsens Parteifreund Jørn Pedersen, Chef des Technik- und Umweltausschusses bei KL, hält das für problematisch. "Wir brauchen große und zusammenhängende Projekte, das hat auch das Küstendirektorat in seinem Bericht aufgezeigt. Ansonsten verschiebt man das Problem nur zum Nachbarn oder das Wasser kommt von hinten herum, wie wir es auch schon erlebt haben", sagt er. Ein Küstenfonds, meint Pedersen, könnte hier dafür sorgen, dass Projekte angeschoben werden.

KL wünscht sich überdies eine höhere Verantwortung des Staates. Hier müsse koordiniert und priorisiert werden. Der Minister zeigt sich gesprächsbereit. "Ich tue mich schwer damit, zu verstehen, weshalb zwei Kommunen nicht einfach miteinander sprechen können, aber wenn da Bedarf besteht, wird der Staat über das Küstendirektorat gerne Gesamtlösungen erstellen, wenn die Kommunen dies wünschen", sagt er.

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