Tierschützer

Hunderte Anrufe wegen einsamer Robben

Hunderte Anrufe wegen einsamer Robben

Hunderte Anrufe wegen einsamer Robben

Kopenhagen
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Robbe
Ein Jungtier am Strand von Grenen, nördlich von Skagen. Foto: Peter Marling / Biofoto / Ritzau Scanpix

Der dänische Tierschutzbund meldet fast 300 Anrufe besorgter Bürger wegen Robben alleine im Juni. Doch nur Tiere mit offensichtlichen Verletzungen bräuchten wirklich Hilfe, so Dyrenes Beskyttelse.

Das Notruftelefon beim dänischen Tierschutzbund Dyrenes Beskyttelte klingelt in letzter Zeit besonders häufig. Oft sind es besorgte Bürger, die eine einsame Robbe am Strand sichten und zum Telefon greifen.

Im Juni alleine riefen 297 Menschen wegen Robben bei den Tierschützern an, im Juni und Juli 2018 waren es insgesamt 249 Anrufe. Schon jetzt also ein Anstieg um 19 Prozent, teilt Dyrenes Beskyttelse mit.

Robben in Ruhe einander finden lassen

Besonders häufig rufen Bürger an, die einzelne Robben gesehen haben und sich Sorgen machen. Doch das bräuchten sie nicht, sagt der Biologe Michael Carlsen, der bei Dyrenes Beskyttelse angestellt ist.

„Das Beste, was man tun kann, um diesen Jungtieren zu helfen, ist es, so weit weg zu gehen, bis man sie nicht mehr sehen kann“, sagt er.

„Wenn Leute sich bei ihnen aufhalten oder sich in ihrer Nähe befinden, ist es nicht sicher, dass die Mutter kommt, weil sie sich vorsehen würde, zurückzukehren, wenn Menschen in der Nähe sind“, so Carlsen.

Fatale Folgen, wenn die Aufzucht gestört wird

Robbenjunge liegen häufig alleine an der Küste, weil sie von ihrer Mutter getrennt wurden. Wenn sie nicht wieder zueinander finden, werden die laut rufenden Jungtiere „Heuler“ genannt.

Doch in den meisten Fällen würden Mutter und Nachwuchs wieder zueinander finden, sagt Carlsen. Dann zumindest, wenn sie nicht von Menschen gestört werden.

„Ein Robbenjunges wird nur für drei, vier Wochen von seiner Mutter betreut und es kann in dieser Zeit sein Gewicht verdoppeln oder gar verdreifachen“, sagt Carlsen. Wenn es in dieser Phase von der Mutter getrennt wird, könne das fatale Folgen haben.

Laut Dyrenes Beskyttelse gaht es bei den allerwenigsten Telefonanrufen um Tiere, die tatsächlich in Not sind. Nur, wenn offensichtliche Verletzungen vorliegen, brauche eine Robbe Hilfe.

Die Tierschützer sind dann unter der Notfallnummer 1812 im dänischen Netz zu erreichen.

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