Fit und aktiv im Alter

Gut in den dritten Akt starten

Gut in den dritten Akt starten

Gut in den dritten Akt starten

Kopenhagen
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Wie viel Zeit möchte man miteinander verbringen? Das ist eine der Fragen, die sich kommende Rentner und Rentnerinnen beantworten sollten. Foto: Christian Lindgren/Ritzau Scanpix

Mit dem Übergang in die Rente beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Für einige Menschen ist dieser Übergang leicht, andere tun sich damit schwerer. In ernsten Fällen kann es zu Depressionen kommen.

Wer den Arbeitsmarkt verlässt, der zieht sich auch aus dem Leben zurück. Diese Vorstellung vom Rentnerdasein trifft man auch heute noch in unserer Gesellschaft an.

Doch das ist eine verkehrte Sicht der Dinge, meint Aske Juul Lassen, Lektor am Zentrum für Humanistische Gesundheitsforschung an der Universität Kopenhagen. Er befasst sich vor allem mit der Frage des Alterns.

„Es knüpft sich immer noch eine Verfallserzählung an den Übergang in die Rente. Doch hat sich das Leben als Rentner in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Ich nenne diesen Lebensabschnitt den ‚dritten Akt‘, und dieser unterscheidet sich von den anderen durch größere Freiheit“, sagt er.

Das wichtigste ist, dass man überlegt, von welchem Seniorenleben man träumt, und dann einen Plan dafür macht, wie man dieses Leben erreicht.

Anna Sophie Deibel

Schwieriger Übergang ohne Freizeitbeschäftigung

Er meint, dass man diese Periode in höherem Maß als eine Entwicklung zu etwas Neuem auffassen sollen.

Sechs Ratschläge für einen guten Übergang

Ædresagen empfiehlt, sich folgende Fragen vor der Pensionierung zu beantworten :

Gesundheit

Wer sich bewegt und gesund isst, der hält auch den Geist fit. Dabei sollte man sich für die körperliche Betätigung etwas suchen, dass Spaß macht. Dabei soll ich bedenken, dass schon ein wenig Bewegung guttut.

Gute Beziehungen und Netzwerk

Möchte wir als Paar die Ehe zur „Vollzeitbeschäftigung“ erklären, und wie soll sie in dem Fall gestaltet werden? Oder gehen wir weiterhin jeweils eigenen Dingen nach?

Welche Erwartungen habe ich an Freunde und Familie? Und welche haben diese?

Welche neuen Kontakte möchte ich knüpfen und welchen Aktivitäten nachgehen?

Ökonomie

Wie sehen die Finanzen aus? Kann man sich das Seniorenleben leisten, dass man sich wünscht?

Rentenkassen und Banken können beraten.

Wohnsitz

Hat das Haus oder die Wohnung die richtige Größe? Liegen sie am richtigen Ort? Kann man sie sich leisten? Und was ist mit dem Sommerhaus?

Auch das sollte ich mit der Partnerin oder dem Partner besprechen.

Freizeit

Sei aktiv und neugierig. Suche neue Erlebnisse auf. Dann hast du auch etwas zu erzählen.

Wem das Vereinsleben liegt, der findet leicht sinnvolle Betätigung.

Die letzten Jahre der Arbeit

Gehe ich von einem Tag auf den anderen? Oder ziehe ich mich schrittweise zurück?

Möchte ich in der Rente noch einige Stunden arbeiten?

Und welche Vorstellungen hat der Partner oder die Partnerin?

Doch nicht allen fällt dieser Weg leicht, weiß Juul Lassen aus seiner Forschung.

„Es ist sehr unterschiedlich, wie gut Menschen den Übergang in das Rentnerdasein schaffen. Die, die nichts außer der Arbeit in ihrem Leben haben, tun sich am schwersten“, sagt auch der Psychologe Jørn Laursen. Er hat sich mit Lebenskrisen befasst, und bei einigen Menschen löst der Übergang eine solche Krise aus.

Fünf Jahre früher planen

Der Seniorenverband, Ældresagen, teilt diese Einschätzung. Von hier lautet die Empfehlung, man solle sich rechtzeitig vorbereiten.

„Das wichtigste ist, dass man überlegt, von welchem Seniorenleben man träumt, und dann einen Plan dafür machen, wie man dieses Leben erreicht“, sagt Anna Sophie Debel, Beraterin bei Ældresagen.

Einige stürzen sich auf tausend Sachen und müssen sich dann eingestehen, dass sie das nicht schaffen. Andere wiederum fallen in ein tiefes Loch der Passivität und erleben eine Identitätskrise.

Aske Juul Lassen / Lektor, Universität Kopenhagen

Diese Überlegungen sollten spätestens fünf Jahre vor dem zu erwartenden Beginn der Rente beginnen.

Schwierige Übergangszeit

Unter anderem ist es wichtig zu bedenken, dass viele der sozialen Kontakte im Arbeitsleben stattfinden. Wer daneben auch einem Hobby nachgeht, Sport treibt oder in einem Verein aktiv ist, tue sich leichter, erläutert Psychologe Laursen.

„Es ist wichtig, dass man nicht glaubt, dass man den Übergang einfach im Handumdrehen schafft, denn ist nicht bei allen der Fall. Daher soll man sich rechtzeitig vorbereiten und eventuell neue soziale Kontakte aufbauen“, meint er.

Es ist vor allem die Übergangszeit, die vielen Menschen zu schaffen macht, berichtet Aske Juul Lassen.

„Einige stürzen sich auf tausend Sachen und müssen sich dann eingestehen, dass sie das nicht schaffen. Andere wiederum fallen in ein tiefes Loch der Passivität und erleben eine Identitätskrise“, sagt der Forscher.

Risiko einer Depression

Letzteren empfiehlt Jørn Laursen, offen mit ihren Problemen umzugehen, mit Freunden, Kollegen und dem Partner darüber zu sprechen.

„Das schlechteste, dass man tun kann, ist, sich in eine Ecke zu setzen und darauf zu hoffen, dass es vorübergeht, denn das tut es nicht so einfach. Es besteht dann das Risiko, dass man keinen Sinn im eigenen Leben mehr erkennt. Im schlimmsten Fall kann das zu einer Depression mit Selbstmordgedanken führen“, erklärt der Psychologe.

Das „American Journal of Epidemiology“ hat eine neue Studie veröffentlicht, die zeigt, dass im Zusammenhang mit der Pensionierung ein erhöhtes Risiko einer Depression besteht. Das schreibt der Newsletter von „Faglige Seniorer“.

Mit der Familie abstimmen

Juul Lassen empfiehlt, dass man daran arbeitet, mit der größeren Freiheit im dritten Akt umzugehen, um so den neuen Lebensabschnitt zu gestalten.

Dabei sei jedoch auch wichtig, mit der Familie zu besprechen, welches Seniorenleben man sich vorstellt, lautet der Ratschlag von Ældresagen.

„Es ist wichtig, dass man die Erwartungen untereinander abstimmt, damit keiner enttäuscht wird oder ein schlechtes Gewissen bekommt. Man sollte zum Beispiel mit seinem Partner oder seiner Partnerin besprechen, wie viel Zeit man gemeinsam verbringen möchte“, sagt Anna Sophie Debel.

Auch mit Kindern und Enkeln sollte ein angehender Pensionär sprechen.

„Einige von den Senioren, mit denen ich gesprochen habe, wollen möglichst viel Zeit mit Kindern und Enkeln verbringen, aber diese haben vielleicht nicht die Zeit. In anderen Fällen haben die Kinder die Erwartung, dass Oma und Opa regelmäßig auf die Enkel aufpassen, obwohl die Großeltern eigentlich andere Pläne haben“, berichtet Juul Lassen.

Aske Juul Lassen hat im Herbst 2020 das Buch „Livets 3. Akt“ veröffentlicht. Er hat auch einen Podcast mit zehn Geboten für die Rente veröffentlicht.

Jørn Laursen hat unter anderem das Buch „Eskistentielle livskriser“ geschrieben.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Vertrauen besser als Image“