Dansk-tysk med Matlok

Das Geheimnis: Warum die St. Petri Schule so erfolgreich ist

Das Geheimnis: Warum die St. Petri Schule so erfolgreich ist

Das Geheimnis: Warum die St. Petri Schule so erfolgreich ist

DN
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Journalist Marc-Christoph Wagner im Interview bei Journalist Siegfried Matlok Foto: DK4

Der Vorsitzende der St. Petri-Schule in Kopenhagen, Marc-Christoph Wagner, spricht im DK4-Interview über Wachstum mit Freuden und Problemen.

Marc-Christoph Wagner

Marc-Christoph Wagner, 1970 in Berlin geboren, hat in Aarhus und Kopenhagen studiert und ist zurzeit tätig als Projektleiter im Louisiana Museum of Modern Art. Im Interview äußert sich der bekannte Journalist sowohl über die Veränderungen im Dänemark-Bild in den deutschen Medien und als auch über das Deutschland-Bild in den dänischen Medien.

Die St. Petri-Schule in Kopenhagen schwimmt nach den Worten ihres Vorsitzenden Marc-Christoph Wagner erfolgreich gegen den Strom. Sie erlebt keinen Mangel an Interesse – im Gegenteil: Schulkommission, Schulleitung und Lehrer kämpfen mit großen Platzproblemen. Das jetzige Schulgebäude sei etwa 1890 erbaut worden – damals für 110 Schüler, doch Anfang 2019 zählte St. Petri bereits 630 Schüler. In einem Interview in der Sendereihe „Dansk-tysk med Matlok“ im Fernsehsender DK4 verwies Wagner, der als Journalist 25 Jahre lang Skandinavien-Korrespondent der ARD gewesen ist, darauf, dass die Schülerzahl 2005 noch bei 250 gelegen habe. Inzwischen habe die Schule doppelt so viele Anträge von Schulanfängern wie sie verkraften kann.

„Wunderbar, aber wir haben jetzt die Herausforderung, in einem alten Gebäude zu unterrichten; mitten in Kopenhagen nahe der St. Petri-Kirche, eine Platzierung, die wir – auch wenn wir keine kirchliche Schule sind – beibehalten wollen.“ Aufgabe von Schulkommission, Schulleitung und Lehrern sei es, jedem Kind den Platz zu geben, den es braucht, „und deshalb haben wir neue Räumlichkeiten bis 2024 angemietet“.

Ein Treffpunkt deutscher und dänischer Kultur

Die Schule – dansk-tysk skole, deutsch-dänische Schule – hat nach seinen Worten den Auftrag, ein Treffpunkt deutscher und dänischer Kultur zu sein. Journalist Wagner, der mit einer Dänin verheiratet ist – das Ehepaar lebt in Kopenhagen mit seinen zwei Kindern – macht darauf aufmerksam, dass seine Arbeit als Vorsitzender der Schulkommission seit Juli 2014 „faszinierend aber auch herausfordernd ist“. „In der 0-Klasse gibt es 24 Schüler, Eltern, die einen deutsch-deutschen Hintergrund haben, wo beide Elternteile aus Deutschland kommen und nur geringe Dänemark-Kenntnisse mitbringen, und dann gibt es deutsch-dänische Elternteile – so wie in meinem Falle. Das ist etwa die Hälfte, wo zu Hause mit den Kindern beide Sprachen gesprochen werden. Außerdem haben wir auch rein dänische Eltern, aber wir möchten eben auch ein Fenster nach Deutschland sein für jene, die sich für Deutschland interessieren und für unser Bildungsangebot offen sind, also Schüler mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen.

Das erfordert einen ganz besonderen Einsatz, um sie fachlich auf ein Niveau zu bringen, damit sie in der 3. oder 4. Klasse beide Sprachen können“, so Wagner über den Schlüssel zum deutsch-dänischen Erfolg der 1575 gegründeten Schule mit königlichem Patronat. St. Petri ist die zweitälteste Privatschule Dänemarks aber auch gleichzeitig die älteste deutsche Auslandschule unter insgesamt 140.

Das bringt auch administrative Herausforderungen. „In Dänemark ruft man direkt im Unterrichtsministerium an, um Fragen zu klären, in Deutschland muss man erst herausfinden, wen man überhaupt anrufen kann – u.a. wegen der unterschiedlich geregelten Kulturhoheit. Da gibt es die Mischung aus Auswärtigem Amt, Kulturminister-Konferenz und der Zentralstelle für Auslandsschulen, also wesentlich komplizierter für St. Petri.“
Der Erfolg der Schule liegt nach Wagners Auffassung darin, als gute Schule anerkannt zu sein, und es besteht in Kopenhagen ein steigendes Interesse an Deutschland und deutscher Kultur.

Schreien nach Mitarbeitern mit Deutschkentnissen

Es gibt immer mehr, die in der Fähigkeit zur deutschen Sprache auch die Chance für ein künftigen Arbeitsplatz sehen. Viele dänische Unternehmen schreien regelrecht nach Mitarbeitern mit Deutschkenntnissen . „Unsere Schüler sind ja die besten deutsch-dänischen Botschafter, denn sie kennen beide Kulturen. Ein großes Problem im deutsch-dänischen Alltag besteht ja darin, dass manche Dänen glauben, dass man nach Deutschland fahren kann und sich dann so verhält wie hier im Lande – und umgekehrt. Wir sind ein Groß-Lieferant an Schülern, die diese Unterschiede verstehen.“

Die St. Petri-Schule hat eine Forscherkommission unter der Leitung von Professor Per Øhrgaard gebildet, die sich mit der Frage der eigenen Vergangenheit befasst muss. Er sei dankbar für die Kritik an einer mangelnden Vergangenheitsbewältigung in der Nazi-Zeit gewesen, die Schule hat eine Geschichtsschreibung, die von jenen geschrieben wurde, die selbst beteiligt gewesen sind – auch von einem früheren Rektor, der Mitglied der Nazi-Partei war. „Ob er ein guter Mann war oder nicht, weiß ich nicht, aber eine Institution wie wir kann mit einer nicht-unabhängigen Geschichtsschreibung nicht leben“, so Wagner.

Die Schule hat den Wunsch, den Abgangsschülern 2021-2022 ein Buch über die Geschichte der St. Petri-Schule zu schenken, „das wissenschaftlich in Ordnung ist – ohne Wenn und Aber“.

Mehr lesen