"Schwarzes Gold"

Dänemarks Ölabenteuer

Dänemarks Ölabenteuer

Dänemarks Ölabenteuer

Kopenhagen/Esbjerg
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Foto: dpa

Die Förderung des „Schwarzen Goldes“ in der Nordsee begann als Schritt gegen ein deutsches Unternehmen.

Anfang dieser Woche gab A. P. Møller-Mærsk bekannt, dass die Tochter Mærsk Oil an die französische Total verkauft wird. Der Kaufpreis beläuft sich auf 47 Milliarden Kronen. Mit dem Verkauf schließt sich die Geschichte dänischer Ölförderung in der Nordsee, denn schon im Mai hatte das staatliche Unternehmen Dong die Ölsparte an das schweizer Unternehmen Ineos verkauft.

Angefangen hat das Ölabenteuer Ende der 1950er Jahre als nationalistischer Versuch, deutsche Investoren von dänischem Grund fernzuhalten. Ein Unternehmen aus der jungen Bundesrepublik hatte nämlich beim dänischen Staat um die Erlaubnis gebeten, in dem Teil der Nordsee nach Öl bohren zu dürfen, der zu Dänemark gehört. Von diesem Vorhaben hörte Reeder Arnold Peter Møller. In einem Brief, den er 1960 an den damaligen Staatsminister Viggo Kampmann schrieb, bot der national gesinnte Magnat an, sich „seiner Verpflichtung gegenüber dem Staat anzunehmen“.

„Er schrieb, dass deutsche Ölbohrungen in Dänemark vollkommen unakzeptabel seien. Es dürfte nichts Deutsches auf dänischem Grund geben“, erklärt Morten Hahn-Pedersen, Historiker und Autor eines Buches über Mærsks Ölgeschäfte. Es sei allerdings erst der Sohn Mærsk Mc-Kinney Møller gewesen, der die Bohrungen dann zu einem Geschäft machte, berichtet er weiter. Der Erfolg blieb nicht aus. Ab 1972 floss das Erdöl aus der Nordsee und damit entwickelte sich eine ganze Industrie. „Die Ölgewinnung hatte eine große Bedeutung für die Technologieentwicklung im Land. Besonders in Esbjerg ließ sich eine große Anzahl Firmen nieder, die als Zulieferer für die Branche arbeiteten. Heute sind dort 30.000 Menschen beschäftigt“, so der Autor.

Thina M. Saltvedt, Nordea-Senioranalytikerin für den Bereich Öl und Rohstoffe sieht den Verkauf der Ölsparte als geschickten Schachzug des Unternehmens, denn „die Branche steht im Umbruch. Die Elektrifizierung der Transportbranche nimmt Fahrt auf und Öl wird zugunsten anderer Energiequellen immer mehr in den Hintergrund treten“, erklärt sie. Es sei ein guter Zeitpunkt, um neue Wege einzuschlagen.

Die Einnahmen aus dem Ölgeschäft sind für den dänischen Staat jedoch nicht vorbei. Zwar fallen einige Einnahmen weg, doch kommen jährlich etwa 5 bis 6 Milliarden Kronen aus der Nutzung der dänischen Felder in die Staatskassen.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Grüne Zukunft“