Landwirtschaft

500 Bauern drohen abzustürzen – Kreditgeber wollen Hand reichen

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Kopenhagen/Apenrade
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Foto: Johan Gadegaard/Ritzau Scanpix

Der Verband der Finanzierungsinstitute sagt Wohlwollen zu. Seges spricht von Jahrtausendkrise.

Die Landwirtschaft selbst spricht nun von einer „Jahrtausendkrise“, und nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am Montagmorgen verkündet der Verband der dänischen Banken und Realkreditinstitute, dass man den von der Dürre geplagten Bauern eine „helfende Hand“ reichen will. Was „Finans Danmark“ sich vorstellt, ist nicht ganz klar, aber man verweist darauf, dass man schon eine Mänge konstruktiver Dialoge mit betroffenen Bauern und deren Kreditinstituten führe. Es sei wichtig, dass dieser Dialog in den kommenden Wochen und Monaten fortgesetzt werde, so Direktor Ulrik Nødgaard vom Finanzverband.

In einem sogenannten Direktionsschreiben fordert der Verband seine Mitglieder dazu auf, dass man nicht nur den Dialog führt, sondern sich auch so weit wie irgend möglich „streckt“, um verantwortliche und haltbare Lösungen zu finden für ein weiterhin gesundes und tragfähiges Wirtschaften.Der Verband der Finanzierer meint, dass das Gesamtergebnis der Ernte wegen der Dürre in etwa 30 bis 40 Prozent unter dem Normalertrag liegt.
„Finans Danmark hat großes Verständnis für die schwierige Lage. Der Landwirtschaftssektor ist ein wichtiger und großer Akteur in der dänischen Ökonomie“, so heißt es im Direktionsschreiben an die Chefs des Finanzsektors. Es sei daher von entscheidender Bedeutung, dass man haltbare Lösungen finde, um die akuten Herausforderungen der Landwirtschaft im Zuge der Dürre zu lösen.

Der dänische Bauernverband hat geschätzt, dass die Dürre die dänische Landwirtschaft rund 6,4 Milliarden Kronen kosten wird – und dass hunderte Betriebe vor dem Abgrund stehen. Dabei hat man an die Kreditgeber appelliert – und auch seitens der Politik erstmal moralische Rückendeckung bekommen. U. a. hat „Landbrug & Fødevarer“ eine permanente Abschaffung der Grund- und Bodensteuern für Agrarland vorgeschlagen, was aber politisch auf Widerstand gestoßen ist, weil man wegen akuten Krise keine Steuern permanent abschaffen wolle.

Jahrtausendkrise

Derweil setzen die Experten der Landwirtschaft nun einen drauf und sprechen von einer Jahrtausendkrise. Die Berater- und Denkfabrik Seges schätzt, dass nun rund 500, bzw. doppelt so viele Vollzeitbetriebe wie vor der Dürre, ökonomisch so hart betroffen sind, dass sie selbst bei besserer Konjunktur nicht weitermachen können oder ganz, ganz erheblich geschwächt sind und sich kaum erholen werden.

Da werde die Zahl der Konkurse unweigerlich steigen, so Seges-Direktor Ejnar Schultz laut Jyllands-Posten. Allein im Zuge der Dürre sei auch die Zahl der Betriebe mit „nicht tragbarer Ökonomie“ auf insgesamt 1.700 gestiegen. Das sind knapp 20 Prozent aller Vollzeit-Betriebe. Im Zuge der Dürre seien hier auch rund 250 bisher robuste Betriebe hinzugekommen, mehrere tausend seien zudem in der Kategorie „verwundbar“.
Die Dürre sei der vierte schwere Schlag, der die Landwirtschaft im letzen Jahrzehnt getroffen habe, so Seges. Davor waren es die Finanzkrise, der Russlandboykott und die Abschaffung der Milchquoten 2015, die die Produktion steigen und die Preise einbrechen ließ.

Zudem hänge der Brexit den Bauern drohend über dem Kopf. Da könne man schon von einer Jahrtausendkrise sprechen.

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