Grenzwerte überschritten

Neue Pestizidfunde alarmieren dänische Wasserwerke

Neue Pestizidfunde alarmieren dänische Wasserwerke

Neue Pestizidfunde alarmieren dänische Wasserwerke

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Apenrade/Aabenraa
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Symbolbild Foto: dpa

Auch in Nordschleswig brachte eine zusätzlich eingeleitete Prüfung auf das Spritzmittel Desphenyl-Chloridazon Grenzwertüberschreitungen ans Licht. Die Umweltbehörde warnt allerdings vor einer Hysterie.

Pestizide: Altlasten und aktuelle Gefahren

Das Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat war in den vergangenen Jahren auf der Tagesordnung. Das Mittel ist – mit Unterstützung der dänischen Regierung – von der EU erneut zugelassen worden – trotz Zweifel an der angeblichen Ungefährlichkeit.

Die staatlichen dänischen geologischen Untersuchungen (geus) haben bei Wasserproben zwischen 2014 und 2016 nach 43 Stoffen Ausschau gehalten. Acht Pestizide und deren Abbauprodukte wurden bei Überschreitung des Grenzwertes aufgespürt. Glyphosat gelangt offenbar bei Schneeschmelze ins Grundwasser.

Vor über einem halben Jahr gab es in Nordschleswig zunächst Entwarnung. Die staatliche Umweltbehörde Miljøstyrelsen foderte die Wasserwerke zu Überprüfungen auf, ob es in ihren Trinkwasserbrunnen Grenzwertüberschreitungen bei Resten des Spritzmittels Desphenyl-Chloridazon gibt. Das ist bereits seit 1996 verboten, nachdem es seit den 1960er Jahren gegen Unkraut in Rübenfeldern und Gemüsekulturen angewendet worden war.
Nun berichtet das auf kommunale Themen spezialisierte Magazin Kommunen.dk von katastrophalen Ergebnissen, nachdem immer mehr Proben die vor allem für Kinder gefährlichen Pestizidreste, die auf das Hormonsystem einwirken, aufweisen.

Einen zu hohen Wert über dem zulässigen Grenzwert weisen die Proben aus aktuell 113 von 2.500 Wasserwerken landesweit auf. Eine von Kommunen.dk veröffentlichte Karte zeigt Grenzwertüberschreitungen in kleinen Wasserwerken im Raum Hadersleben, z. B. Aarösund und Jägerup auf, während sonst nur das Wasserwerk Jeising mit zu hohem Wert aufgeführt wird.

Umweltbehörde warnt vor Hysterie

Bei der staatlichen Umweltbehörde wird vor Hysterie gewarnt, da man sehr große Mengen Wasser mit Desphenyl-Chloridazon trinken müsse, bevor es zu Gesundheitsgefahren kommen könnte.

Beim Verband der Wasserwerke (Danva) sorgt der neuerliche Pestizidalarm jedoch für Unruhe: „Es ähnelt einer Katastrophe für die Wasserversorgung, daran gibt es keinen Zweifel“, so der Kommentar des Biologen bei Danva, Claus Vangsgaard, weil man mit mehr Pestizidfunden rechnen müsse. Anlass für die Sorge ist, dass es in einigen Brunnen sehr extreme Grenzwertüberschreitungen gegeben hat, um bis zum 90-Fachen des zulässigen Wertes – und das bei einem seit über 20 Jahren verbotenen Stoff.

Naturschutzbund besorgt

Beim Naturschutzverband Danmark Naturfredningsforening (DN) weist deren Präsidentin Ella Maria Bisschop-Larsen auf den Umstand hin, dass offenbar in Dänemark weiterhin immer noch illegale Pestizide im Einsatz sind. Immerhin haben Kontrollen der Umweltbehörde 2016 bei jedem fünften dänischen Landwirtschaft- oder Gärtnereibetrieb nicht zulässige Mittel registriert. Viele der Mittel seien importiert worden.

Zu den jüngsten Funden von Desphenyl-Chloridazon dürfte die Liste der belasteten Wasserwerke länger werden, weil viele Wasserwerke noch nicht überprüft sind.

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