Energiepreise

Gas-Stopp: Einige Familien würden ernsthafte Probleme bekommen

Gas-Stopp: Einige Familien würden ernsthafte Probleme bekommen

Gas-Stopp: Einige Familien würden Probleme bekommen

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Steigende Preise, zumal für Heizkosten, könnten gerade in Nordschleswig für manche problematisch werden, so ein Bericht der Finanzdienstleistungsbranche (Symbolfoto). Foto: Henning Bagger/Ritzau Scanpix

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Preisanstiege: Die meisten dänischen Haushalte sind gerüstet, auch deutlich teurere Energiekosten zu verkraften. Doch sollte Russland den Hahn zudrehen, würde das auch in Nordschleswig für manche kritisch werden, heißt es aus der Finanzdienstleistungs-Branche.

Finans Danmark, der Verband des dänischen Finanzdienstleistungsgewerbes, hat den schlimmsten Fall durchgespielt und kommt zu dem Schluss: Die große Mehrheit der Familien in Dänemark ist gut auf steigende Preise vorbereitet. Doch es gibt neben der großen Mehrheit eine kleine Gruppe von Haushalten, der die Ersparnisse schnell ausgehen würden.

Manche Familien laufen demnach sogar Gefahr, in echte Zahlungsprobleme zu geraten.

In der Analyse wird über ein Szenario spekuliert, in dem Russland die Gaslieferungen an die EU vollständig abstellt und wo der durchschnittliche Gaspreis im kommenden Jahr um weitere 35 Prozent steigt.

Darüber hinaus berücksichtigt das Szenario einen Anstieg der Verbraucherpreise um bis zu 8 Prozent bis 2023.

Demnach würde der großen Mehrheit der Familien eine zusätzliche Rechnung von 500 bis 3.000 Kronen pro Monat ins Haus stehen.

Manche Familien müssten monatlich 5.000 Kronen mehr aufbringen

Finans Danmark schätzt, dass die meisten Familien gut gerüstet sind, um mit einer solchen zusätzlichen Rechnung umzugehen. Das liegt daran, dass viele auf Ersparnisse zurückgreifen können und großzügige Spielräume im monatlichen Budget haben.

Allerdings gibt es auch Familien, die mit zusätzlichen Kosten von mehr als 5.000 Kronen pro Monat rechnen müssen, wie die Analyse zeigt.

Die höheren Lebenshaltungskosten bedeuten demnach, dass fast 4 Prozent der Familien Schwierigkeiten haben werden, über die Runden zu kommen.

Außerdem läuft laut Finans Danmark etwa ein Prozent der Familien Gefahr, in echte Zahlungsschwierigkeiten zu geraten, zum Beispiel wenn sie keine Ersparnisse mehr haben.

Niels Arne Dam
Niels Arne Dam Foto: Finans Danmark

Wer aufs Auto angewiesen ist, muss aufpassen

Laut Niels Arne Dam, Chefvolkswirt bei Finans Danmark, sind vor allem Familien gefährdet, die wenig finanziellen Spielraum haben. „Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sie ein Auto haben, mit dem sie viel unterwegs sein müssen. Dann treffen die Benzinpreise schwer.“

Hart werde es auch, „wenn sie noch einige der alten Heizquellen zum Beheizen ihres Hauses haben. Zum Beispiel sind Gasheizungen deutlich teurer geworden“.

Die Analyse zeigt, dass vor allem in West- und Südseeland, auf Lolland, Falster, Fünen und teilweise in Nordschleswig viele Familien Gefahr laufen, aufgrund der steigenden Preise in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten. Ganz oben auf der Liste stehen Kommunen wie Stevns, Faxe, Holbæk und Sorø, wo das rund 5 Prozent der Familien betreffen dürfte.

Tipp: Abos kündigen, Wärmeversorgung wechseln

Der Chefökonom von Finans Danmark sieht zwei Gründe, warum gerade in diesen Gebieten des Landes die Familien besonders gefährdet sind.

„Das trifft in den Landesteilen zu, wo wir relativ viele Familien mit relativ wenig Spielraum im Budget haben und wo viele Menschen Gas- oder Ölöfen im Vergleich zum Rest des Landes haben“, sagt Dam.

Sein Aufruf an bedürftige Familien lautet, sich einen Überblick über ihre Finanzen zu verschaffen, um zu sehen, wo sie sparen können. Zum Beispiel Abos zu kündigen, die nicht mehr so oft genutzt werden.

Er fordert auch diejenigen, die eine Öl- oder Gasheizung haben, auf, nach Möglichkeiten zu suchen, beim Heizen zu sparen oder komplett auf eine billigere und umweltfreundlichere Alternative wie Fernwärme oder eine Wärmepumpe umzusteigen.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version dieses Artikels hieß es „Darüber hinaus berücksichtigt das Szenario einen Anstieg der Verbraucherpreise um bis zu 8 Prozent bis 2022.“ Es geht selbstverständlich um einen entsprechenden Anstieg bis 2023.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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