Arbeitsmarkt

Dänemark arbeitet in Teilzeit

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Kopenhagen
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Es sind viele neue Jobs entstanden – doch nur die Hälfte in Vollzeit und mit voller Absicherung. Foto: Scanpix

Jeder zweite seit 2013 neu entstandene Job ist ein Teilzeitjob. Umgerechnet in Vollzeitstellen sind also statt rund 107.000 nur 70.600 neue Stellen entstanden. Gewerkschafter warnen vor Gefahren für die soziale Sicherheit.

Das dänische Mini-Jobwunder der vergangenen Jahre, es entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als problematisch, berichtet die Tageszeitung Politiken. Denn die Hälfte aller neu entstandenen Jobs seit 2013 sind Teilzeitjobs. Die meisten von ihnen sind im Service-Bereich, in Supermärkten und Kaufhäusern, entstanden.

„Es ist überraschend, dass ein solch großer Anteil der neuen Jobs als Teilzeitanstellungen entsteht“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Emilie Agner Damm von der gewerkschaftlichen Denkfabrik Arbejderbevægelsens Erhvervsråd (AE) zu Politiken. AE hat die Zahlen herausgearbeitet und festgestellt, dass es das größte Wachstum bei Jobs mit weniger als 20 Wochenstunden gibt und in Branchen, in denen besonders Freitzeitjobber aktiv sind.

Kein Problem, meint Damm, wenn die Angestellten sich für einen solchen Mini-Job entscheiden. Doch es gebe auch Nachteile: „Dein Lohn ist selbstverständlich niedriger und das kann problematisch sein, wenn du Familie hast, die von deinem festen Einkommen abhängig sind. In einigen Teilzeitjobs hat man nicht dieselben Rechte wie in Vollzeitbeschäftigung, zum Beispiel beim Krankengeld, und man bekommt weniger Unterstützung, wenn man arbeitslos wird“, sagt sie.

Per Tønnesen, Vorsitzender der Gewerkschaft HK/Handel, sagt, dass drei von vier Jobs in Supermärkten Teilzeitstellen sind. Und ihm gefällt das gar nicht: „Es kann schwer sein, von Teilzeitjobs zu leben. Und dann gibt es viele unregelmäßige Arbeitszeiten, es kann also schwer sein, Arbeit und Privatleben in Einklang zu bringen“, sagt er Politiken.

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