Gymnasialreform

Verteilung der Jugendlichen per Los wird fallengelassen

Verteilung der Jugendlichen per Los wird fallengelassen

Verteilung der Jugendlichen per Los wird fallengelassen

Ritzau/nb
Kopenhagen
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Bislang sollten die Schülerinnen und Schüler in einigen Fällen im Losverfahren auf die Gymnasien verteilt werden. Stattdessen soll jetzt die Fahrzeit das entscheidende Kriterium sein (Archivfoto). Foto: Keld Navntoft/Ritzau Scanpix

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Künftig soll die Fahrzeit zum Gymnasium das entscheidende Kriterium bei der Verteilung der Schülerinnen und Schüler auf die Gymnasien sein. Auf eine bislang geplante Auslosung der Plätze wird verzichtet. Das Einkommen der Eltern soll in bestimmten Teilen des Landes jedoch weiterhin eine Rolle spielen.

Statt per Losverfahren soll künftig die Fahrtzeit das entscheidende Kriterium sein, anhand dessen die Verteilung der Schülerinnen und Schüler an Gymnasien festgelegt wird.

Das ist das Ergebnis einer Zusatzvereinbarung, die die hinter der Absprache zu den Verteilungskriterien für den Zugang zum Gymnasium stehenden Parteien getroffen haben.

„Die Transportzeit wird wesentlich mehr Gewicht bekommen, als das bisher der Fall war. Das bedeutet unter anderem, dass die Losziehung, die Bestandteil der bisherigen Vereinbarung war, nicht mehr angewendet wird“, sagt die Kinder- und Unterrichtsministerin, Pernille Rosenkrantz-Theil (Soz.).

Die Transportzeit wird wesentlich mehr Gewicht bekommen, als das bisher der Fall war. Das bedeutet unter anderem, dass die Losziehung, die Bestandteil der bisherigen Vereinbarung war, nicht mehr angewendet wird.

Pernille Rosenkrantz-Theil (Soz.), Kinder- und Unterrichtsministerin

Mehr räumliche Nähe

Zugleich werden Bewerberinnen und Bewerber, die keinen Platz auf ihrem Wunschgymnasium erhalten, künftig einen Platz an einem Gymnasium bekommen können, das dichter an ihrem Wohnort liegt, als es in der bisherigen Vereinbarung vorgesehen war.

Heutzutage beträgt die maximal zugelassene Fahrtzeit für die Jugendlichen 60 Minuten. Mit der Zusatzvereinbarung wird sie auf 45 Minuten reduziert.

Sofern eine künftige Gymnasiastin oder ein künftiger Gymnasiast nicht eine ihrer bzw. eine seiner vier Prioritäten erfüllt bekommt, kann sie oder er deshalb einen Platz an einem Gymnasium erhalten, das bis zu 45 Minuten entfernt vom Wohnort liegt.

Mehrheit für Absprache war in Gefahr

Die Absprache darüber, die Schülerinnen und Schüler auf die Gymnasien anders als bislang zu verteilen, war im Juni vergangenen Jahres zwischen den Sozialdemokraten, Volkssozialisten, Radikalen, Christdemokraten, der Einheitsliste, Dänischer Volkspartei und Alternative geschlossen worden.

Die Dänische Volkspartei hatte ihre Zustimmung zu der Absprache jedoch vor einiger Zeit zurückgezogen. Nachdem die Radikalen dann eine Änderung an zwei Punkten forderten, wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen.

Die Idee der Losziehung kommt nicht von uns. Wir haben außerdem fortlaufend die Kritik aufgegriffen, die es zu den beiden Elementen gegeben hat. Deshalb haben wir jetzt mit Nachdruck Änderungen gefordert.

Anne Sophie Callesen, ausbildungspolitische Sprecherin der Radikalen

Zufriedenheit bei den Radikalen

Die jetzt beschlossenen Vorgaben freuen die ausbildungspolitische Sprecherin der Radikalen, Anne Sophie Callesen.

„Die Idee der Losziehung kommt nicht von uns. Wir haben außerdem fortlaufend die Kritik aufgegriffen, die es zu den beiden Elementen gegeben hat. Deshalb haben wir jetzt mit Nachdruck Änderungen gefordert“, sagt sie.

Einkommen der Eltern auch weiterhin relevant

Jedoch ist der Teil der Absprache, der die Verteilung kommender Gymnasiastinnen und Gymnasiasten nach der Höhe des Einkommens ihrer Eltern regelt, nicht geändert worden.

Deshalb gilt weiterhin, dass Aspirantinnen und Aspiranten in den Teilen des Landes, in denen es eine ungleiche Zusammensetzung der Schülergruppen gibt, anhand des Einkommens ihrer Eltern gemischt werden.

Ich hätte es gerne gesehen, dass die übrigen blauen Parteien ein Teil dieser Absprache wären. Aber es ist gleichzeitig völlig klar, dass keine dieser Parteien einen Wunsch hat, eine Verteilung in Abhängigkeit des Einkommens der Eltern vorzunehmen.

Pernille Rosenkrantz-Theil (Soz.), Kinder- und Unterrichtsministerin

Entfernung ersetzt Einkommen als entscheidendes Kriterium

Sofern sich innerhalb einer Einkommensgruppe zu viele Schülerinnen und Schüler befinden, sollte bislang das Los über deren Verteilung entscheiden. Dieses Kriterium wird jetzt durch die Entfernung zum Gymnasium als entscheidender Maßstab ersetzt.

Die Verteilung nach dem Einkommen der Eltern hatte unter anderem bei den bürgerlichen Parteien zu Kritik geführt, weshalb sie auch nicht Teil der Absprache sind.

Wenn wir nichts unternehmen, werden zahlreiche Gymnasien schrumpfen und in letzter Konsequenz geschlossen werden müssen.

Sofie Carsten Nielsen, Vorsitzende der Radikalen

Ohne zu handeln droht kleineren Gymnasien das Aus

„Ich hätte es gerne gesehen, dass die übrigen blauen Parteien ein Teil dieser Absprache wären. Aber es ist gleichzeitig völlig klar, dass keine dieser Parteien einen Wunsch hat, eine Verteilung in Abhängigkeit des Einkommens der Eltern vorzunehmen. Und dass trotz der Tatsache, dass wir uns in einer Situation befinden, in der die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, deren erster Wunschpriorität entsprochen wird, zunimmt, und die Fahrtzeit abnimmt“, sagt Pernille Rosenkrantz-Theil.

Das Thema war auch Gegenstand der Abschlussdebatte des Folketings am Montag. Insbesondere die Vorsitzende der Radikalen, Sofie Carsten Nielsen, zeigte sich zufrieden.

„Wenn wir nichts unternehmen, werden zahlreiche Gymnasien schrumpfen und in letzter Konsequenz geschlossen werden müssen. Das gilt sowohl für die westlichen Außenbezirke Kopenhagens als auch für die kleinen Gymnasien auf dem Lande“, sagt Sofie Carsten Nielsen.

Das sind die wesentlichen Punkte in der Zusatzvereinbarung für die Gymnasialreform

Eine knappe Mehrheit im Folketing hat sich auf eine Änderung der im Juni vergangenen Jahres getroffenen Absprache zur Verteilung der Schülerinnen und Schüler auf die Gymnasien geeinigt.

Kommende Gymnasiastinnen und Gymnasiasten sollen in Teilen des Landes auch weiterhin in Abhängigkeit von der Höhe des Einkommens ihrer Eltern auf die Gymnasien verteilt werden, allerdings wird die Entscheidung nicht mehr per Los gefällt. Stattdessen wird die Fahrtzeit zur Schule das entscheidende Kriterium.

Kürzere Fahrtzeit

Die Fahrtzeit von zu Hause zur Schule soll sich für die Jugendlichen verkürzen. Künftig soll sie nicht mehr als 45 Minuten betragen. Bislang lag die Grenze bei 1 Stunde.

Die Jugendlichen können jedoch weiterhin einen Aufnahmeantrag für ein Gymnasium stellen, das weiter entfernt liegt, sofern sie dies wünschen.

Entfernung entscheidet über die Verteilung

Wenn es mehr Bewerberinnen und Bewerber als Plätze innerhalb eines Zuteilungsgebietes gibt, ist nicht mehr das Los, sondern die Fahrtzeit das entscheidende Kriterium, das bestimmt, wer den Platz bekommt.

So war es bereits außerhalb der größeren Städte. Künftig gilt das auch für Aarhus, Odense und Kopenhagen.

Kommende Schülerinnen und Schüler können sich frei bewerben

Mit der neuen Absprache ist es weiterhin möglich, sich frei für ein Gymnasium zu bewerben. Das Ministerium schätzt, dass die meisten auch weiterhin ihre erste Priorität erfüllt bekommen. Dieser Teil der Bewerberinnen und Bewerber wird sich somit im Vergleich zu heute nicht ändern.

Die Regionen sollen Nähe mitberücksichtigen

Sofern eine künftige Schülerin oder ein künftiger Schüler keinen Platz an einem der vier gewünschten Standorte bekommen kann, sollen die Regionen zuallererst deren Fahrtzeit als entscheidendes Kriterium für die Zuteilung eines Gymnasiums heranziehen.

Quelle: Kinder- und Unterrichtsministerium

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Leitartikel

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
„Nach der Schule: Zugfahrt statt Ratschlag“