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Venstre-Basis uneins über Løkkes Zukunft

Venstre-Basis uneins über Løkkes Zukunft

Venstre-Basis uneins über Løkkes Zukunft

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Wenn zwei sich streiten: Jakob Ellemann-Jensen (links) wird von einigen Venstre Mitgliedern als Ausweg aus der Krise zwischen Lars Løkke Rasmussen (mittig) und Kristian Jensen (rechts) gesehen. Foto: Mads Claus Rasmussen / Ritzau Scanpix

Wird der Parteichef die Rechtsliberalen auch in die kommende Folketingswahl führen? Eine Umfrage in der Parteibasis lässt Zweifel aufkommen. Auch aus Tondern kommt Kritik.

Auf dem Sommertreffen der Folketingsfraktion der abgelösten Regierungspartei Venstre hatte Parteichef Lars Løkke Rasmussen den ewig als Kronprinz gehandelten Kristian Jensen – mit wortstarker Unterstützung von Partei-Urgestein Claus Hjort Frederiksen – in die Schranken gewiesen. Doch der Führungsanspruch des zweimaligen Regierungschefs bleibt auch danach in der Parteibasis nicht unwidersprochen.

Das zeigt eine Umfrage der Nachrichtenagentur Ritzau unter 293 Parteimitgliedern in unterschiedlichen verantwortlichen Posten bei Venstre.

879 weitere befragte Parteimitglieder waren angefragt, blieben eine Antwort jedoch schuldig. Damit ist die Umfrage nicht repräsentativ, sondern gibt lediglich ein Bild über die Stimmungslage bei jenen, die geantwortet haben.

110 von ihnen sagen, dass sie damit rechnen, dass Løkke auch bei der nächsten Folketingswahl als Vorsitzender der Partei fungieren wird, 108 Venstre-Politiker glauben an einen neuen Vorsitzenden bis dahin.

Allan Skjøth
Allan Skjøth Foto: Venstre

Tonderaner Stadtratsmitglied: Ellemann statt Løkke oder Jensen

Allan Skjøth, Stadtratsmitglied für Venstre in der nordschleswigschen Kommune Tondern, glaubt, dass Løkke in naher Zukunft von sich aus einen neuen Job finden wird. Die Zeit dafür sei jedenfalls reif.

„Eine neue, unverbrauchte Führung und ein frischer Zugang dazu, wie das Land regiert werden soll, wären gut. Und da ist Jakob Ellemann (Fraktionssprecher, Red.) ein guter Tipp“, so Skjøth.

Ähnlich sieht man es nordwestlich von Aarhus in der Kommune Favrskov. Michael Jensen, der dort Vorsitzender der rechtsliberalen Partei ist und der zugleich im Hauptvorstand der Landespartei sitzt, rechnet allerdings damit, dass Løkke seinen Posten behält.

Die erzeitige Lage der Partei sei allerdings „zutiefst peinlich“. „Wir haben einige wirklich starke Politiker, die jetzt gut die Chance bekommen könnten. Wir könnten in unserer Führung durchaus etwas neues Blut gebrauchen“, sagt er. Und auch er zeigt auch Jakob Ellemann-Jensen – das habe er schon lange getan.

Vergangene Woche hatte Kristian Jensen den Gedanken Løkkes an eine große Koalition mit den Sozialdemokraten eine Absage erteilt. Er zog seine Kritik später zurück, doch Venstre-Urgestein Claus Hjort Frederiksen, zuletzt Verteidigungsminister, verlangte vorübergehend dennoch die Absetzung Jensens als Parteivize.

Medienberichten zufolge wünschen sich viele in der Parteibasis derweil eine ganz neue Parteispitze – ohne Løkke oder Jensen. Der nächste Parteitag findet im November statt.

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