Corona-Hilfen

Urlaubsgeld und Rentnerscheck sollen Wirtschaft beleben

Urlaubsgeld und Rentnerscheck sollen Wirtschaft beleben

Urlaubsgeld und Rentnerscheck sollen Wirtschaft beleben

Ritzau/Walter Turnowsky
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Nicolai Wammen (Soz.) und die Parteien stellen des Sommerpaket vor. Foto: Philip Davali/Ritzau Scanpix

In der Nacht zum Montag hat eine breite Mehrheit ein sogenanntes Sommerpaket beschlossen.

Vorstellungen und Wünsche gab es genug, als die Parteien von Sonntagnachmittag bis spät in die Nacht hinein darüber berieten, wie die Wirtschaft am besten wiederzubeleben sei.

Nicht alle Wünsche konnten in Erfüllung gehen, und dies wäre wohl auch nicht sinnvoll gewesen.

Von vornherein stand so gut wie fest, dass ein Teil des eingefrorenen Urlaubsgeldes freigegeben werden sollte. Das Urlaubsgeld für ein Jahr wurde beim Übergang zum neuen System, das nach den Sommerferien gelten soll, eingefroren. Das Geld ist von den Arbeitnehmern selbst eingezahlt worden.

Der Betrag hat Kraft genug, den privaten Konsum zu beeinflussen.

Chefökonom Jeppe Juul Borre, „Arbejdernes Landsbank“

„Wir haben uns auf eine Reihe Initiativen geeinigt, die die Wirtschaft beleben sollen. Die drei Urlaubswochen die ausgezahlt werden, entsprechen 60 Milliarden Kronen“, sagt Finanzminister Nicolai Wammen (Soz.).

So viel Urlaubsgeld gibt es

Um Urlaubsgeld ausgezahlt zu bekommen, muss man vom September 2019 bis August dieses Jahres eine Anstellung gehabt haben.
Hier ist eine ungefähre Berechnung wie viel Geld man ausgezahlt bekommt:

  • Jahreseinkommen (unversteuert) 100.000 – Auszahlung: 4.500 Kronen (versteuert).
  • Jahreseinkommen (unversteuert) 200.000 - Auszahlung: 9.000 Kronen (versteuert).
  • Jahreseinkommen (unversteuert) 300.000 - Auszahlung 12.600 Kronen (versteuert).
  • Jahreseinkommen (unversteuert) 400.000 - Auszahlung 16.800 Kronen (versteuert).
  • Jahreseinkommen (unversteuert) 500.000 - Auszahlung 21.000 Kronen (versteuert).
  • Jahreseinkommen (unversteuert) 600.000 - Auszahlung 19.200 Kronen (versteuert).
  • Jahreseinkommen (unversteuert) 1.000.000 - Auszahlung 32.400 Kronen (versteuert).
  • Bei Einkommen über 531.000 Kronen zahlt man den Spitzensteuersatz (topskat). Dies hat daher Einfluss auf die Auszahlung des Urlaubsgeldes.

Quelle: Danske Bank

Beachtliche Summe

Dies ist eine Summe, die durchaus imstande ist, der Wirtschaft einen deutlichen Schub zu geben.

„Es geht um einen Anteil des Bruttoinlandsproduktes von 2,6 Prozent, welches eine bedeutende Summe ist. Der Betrag hat Kraft genug, den privaten Konsum zu beeinflussen“, meint Chefökonom Jeppe Juul Borre von „Arbejdernes Landsbank“.

Nach Einschätzung von „Danske Banke“ wird ungefähr die Hälfte des Betrages für Konsum ausgegeben werden.

Es sind Empfänger der staatlichen Rente (folkepension), Personen mit Behinderung, Sozialhilfeempfänger und Familien in Armut. Für die sind 1.000 Kronen extra eine große Summe.

Pernille Skipper, Einheitsliste

19.000 Kronen

Das Urlaubsgeld soll so schnell wie möglich ausgezahlt werden. Aus technischen Gründen kann es jedoch bis zum Oktober dauern. Dies ärgert wiederum Juul Borre, denn es schwächt den Effekt ab.

„Die dänische Wirtschaft wandert momentan auf dem schmalen Grat vom Abmildern des Rückschlages zur nachfolgenden Wiederbelebung. Der gleitende Übergang kann durch die späte Auszahlung relativ lang und uneben werden“, lautet seine Einschätzung.

Für einen durchschnittlichen Arbeitnehmer entsprechen die drei Urlaubswochen einer Auszahlung von 19.000 Kronen.
Im Herbst sollen die Parteien über eine mögliche Auszahlung der letzten zwei Urlaubswochen beraten.

1.000 Kronen für Rentner und Sozialhilfeempfänger

Als weiteres Element des Sommerpakts erhalten Rentner, Frührentner und andere Empfänger von Transferleistungen einen Scheck von 1.000 Kronen steuerfrei.

Dies freut die Vorsitzende der Einheitsliste, Pernille Skipper.

„Es sind Empfänger der staatlichen Rente (folkepension), Personen mit Behinderung, Sozialhilfeempfänger und Familien in Armut. Für die sind 1.000 Kronen extra eine große Summe. Nur schade, dass das Geld nicht vor den Sommerferien kommt“, meint sie.

So sieht das Sommerpaket aus

Scheck und Urlaubsgeld:

  • Drei Wochen Urlaubsgeld werden spätesten im Oktober ausgezahlt. Gesamtvolumen ist 60 Milliarden Kronen. Über die letzten zwei Wochen Urlaubsgeld wird im Herbst verhandelt.
  • Empfänger von Transferleistungen erhalten einen steuerfreien Scheck von 1.000 Kronen. Dies gilt unter anderem für Rentner.

Verlängerung und Abschaffung von Hilfen:

  • Eine Hilfe für Selbstständige und Freiberufler wird zurückgefahren. Vorläufig ist sie jedoch einen Monat bis 8. August verlängert worden.
  • Die Periode für den Empfang von Arbeitslosengeld wird weitere zwei Monate verlängert.
  • Unter gewissen Umständen können Selbstständige Arbeitslosengeld empfangen, auch wenn sie nicht mindestens 12 Monate Mitglied einer Arbeitslosenkasse gewesen sind.
  • Erweiterte Möglichkeiten für Studienanleihen (SU-lån) werden um zwei weitere Monate verlängert.
  • Frist für Ansuchen auf Kompensation für Betriebe wird bis Ende des Jahres verlängert.

Exporthilfen:

  • Zehn Milliarden Kronen werden für einen staatlichen Fonds bereitgestellt, der Exportbetrieben durch die Krise helfen soll.
  • 500 Millionen Kronen für ein Exportpaket.


Quellen: Finanzministerium, Parteien

Auch die SF-Vorsitzende Pia Olsen Dyhr spricht von einer „sozial gerechten Lösung“.

Keine Einigkeit

Erstmalig während der Corona-Krise ist bei einer entscheidenden Maßnahme keine Einigkeit unter den Parteien erzielt worden.

Die Liberale Allianz, die Dänische Volkspartei und die Neuen Bürgerlichen haben die Verhandlungen verlassen.

Es entwickelt sich zu einem Geschenkladen.

Alex Vanopslagh, Liberale Allianz

Für die beiden letzteren war entscheidend, dass auch Flüchtlinge, die Auszahlung von 1.000 Kronen erhalten. Es geht hier um Menschen die den niedrigeren Satz der Sozialhilfe (hjemsendelsesydelse) erhalten.

Als Erste verließ die Liberale Allianz die Verhandlungen.

„Es entwickelt sich zu einem Geschenkladen, wo das Geld (anderer Leute) an die Kernwähler der Parteien verteilt werden sollen“, schreibt der Vorsitzende Alex Vanopslagh auf Facebook.

V wollte Mehrwertsteuer senken

Venstre unterstützt zwar das Paket, aber ist dennoch nicht so recht zufrieden. Sie hatten eine Halbierung der Mehrwertsteuer für den Rest des Jahres vorgeschlagen.

„Unverständlicher Wiederwille gegen eine Absenkung der Mehrwertsteuer. Das würde allen mehr Geld geben und tausende Arbeitsplätze schaffen“, schreibt Parteivorsitzender Jakob Ellemann-Jensen auf Twitter.

Mehrere Wirtschaftsexperten stehen dem Venstre-Vorschlag jedoch kritisch gegenüber.

Dagegen freut sich Ellemann-Jensen darüber, dass dem Tourismusgewerbe 50 Millionen Kronen für Vermarktung zur Verfügung gestellt wird.

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