Gesundheitsreform

Reaktionen: „Bürokratisches Monster“, „nicht realistisch“, „seriöser Vorschlag“

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Kopenhagen
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Die Regierung will weniger Behandlungen in den Krankenhäusern für chronisch Kranke. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Die Regierung hat am Vormittag die Gesundheitsreform vorgestellt. Die Reaktionen von Regionsratsvorsitzenden und Organisationen ließen nicht lange auf sich warten. Es hagelt Kritik – und vereinzelt Lob.

Stephanie Lose (Venstre), Ratsvorsitzende der Region Süddänemark: „Durch Løkkes Plan werden es in höherem Maße Amtsträger und Vorstände, die den Bürgern die Wirklichkeit diktieren, und ich kann nur davor warnen. Ich glaube an die Arbeit der Volksvertreter. Es (die neue Struktur, d. Red.) ist eine verschlungene Konstruktion mit vielen Ebenen. Es wird schwerer für den Bürger zu durchschauen, wer eigentlich die Verantwortung für was hat. Und an wen man sich wenden soll. Es ist der verkehrte Weg.“

Jesper Petersen, Parlamentsmitglied der Sozialdemokraten aus dem Wahlkreis Hadersleben: „Løkkes Vorlage führt zu mehr Zentralisierung, zu mehr Undurchsichtigkeit und weniger Einfluss der volksgewählten Vertreter. Gelinde gesagt bin ich nicht gerade beeindruckt und ich kann nicht sehen wie das den Menschen in Süddänemark und Nordschleswig zugutekommen soll. Im Gegenteil riskieren wir, dass der Kontakt zum Bürger weniger wird. Das brauchen wir nicht. …

In Nordschleswig ist das Krankenhaus Hadersleben bereits geschlossen worden. Ich kann es schon vor mir sehen, dass die Bürokraten, die in Zukunft zentral im Gesundheitswesen sitzen werden, herausfinden werden, dass man noch mehr in Apenrade zentralisieren kann und man beispielsweise auf das Krankenhaus in Tondern verzichtet.“

Sophie Hæstorp Andersen (Soz.), Ratsvorsitzende der Region Hauptstadt: „Wir haben das drittbeste Gesundheitssystem Europas, und die Regionen haben konstant niedrigere Wartezeiten und eine erhöhte Überlebensrate nach Krebs- oder Herzoperationen geliefert. Wie sollen 21 Gesundheitsgemeinschaften weniger regionale Unterschiede in der Zukunft schaffen? Das hier ist eine Vorlage zur Wahl – und die Wahl sieht klar aus. Wollen wir den größten Bereich unserer Wohlstandsgesellschaft unter direkter demokratischer Beeinflussung belassen oder versteckt hinter einer geschlossenen staatlichen Gesundheitsverwaltung mit dem Risiko einer stärkeren Privatisierung in Zukunft?“

Pia Olsen Dyhr, Vorsitzende der Volkssozialisten: „Mit Løkkes neuem bürokratischen Monster riskieren wir, dass die Angestellten schneller laufen müssen und die Bürger eine schlechtere Behandlung erhalten.“

Pernille Skipper, Sprecherin der Einheitsliste: „Das Allerletzte in der Welt, was unser Krankenhauswesen benötigt, sind noch mehr lange Treffen und Diskussionen über den Verlauf von Entscheidungen und Umstrukturierungen. Die Angestellten brauchen mehr Kollegen und mehr Zutrauen, damit sie sich ordentlich um die Patienten und deren Angehörige kümmern können. Ich befürchte wirklich, dass dies hier unsere Krankenhäuser auf Jahre lähmen wird und dass es die Patienten richtig hart trifft.“

Christian Freitag, Vorsitzender der Organisation der Praktizierenden Ärzte (PLO): „Wir sind vollauf zufrieden damit, dass es 100 neue Stellungen für Allgemeinärzte geben wird. Das ist meiner Meinung nach ein seriöser Vorschlag, um das Ungleichgewicht, das wir leider seit Jahren zwischen den Allgemeinmedizinern und den Krankenhäusern erleben, auszugleichen. Es ist an der Zeit und politisch sowohl mutig als auch ein klares Signal.“

Mona Strib, Verbandsvorsitzende der Gewerkschaft FOA: „Ich finde, Lars Løkkes Vorlage für die Gesundheitsreform stellt die richtigen Fragen, gibt aber die falschen Antworten. Wie kriegen wir genug fachliches Personal, um die großen Aufgaben innerhalb des Gesundheitswesens zu lösen, die in Folge der demografischen Entwicklung auf uns zukommen? Zum Beispiel sind 500.000 Krankenhauskontakte weniger bis 2025 nicht realistisch. Was liegen sonst noch für Luftschlösser in Løkkes Plan?“

Thorkild Olesen, Vorsitzender von Danske Handicaporganisationer: „Wirklich eine sehr schlechte Idee, die Spezialangebote für behinderte Menschen an die Kommunen zu übertragen. Ich fürchte, dass die gut funktionierenden Angebote (jetzt in den Regionen) für Menschen mit spastischen Lähmungen oder Entwicklungsstörungen verschwinden werden.
Die Kommunalreform hat zu einer Despezialisierung im Behindertenbereich geführt. Wie ein Experte vor der Reform sagte: Die Menschen mit Behinderung werden die Verlierer der Reform. Sollen wir denselben Fehler denn noch einmal machen?“

Nis Peter Nissen, Direktor von Alzheimerforeningen: „Gute Nachrichten zur Gesundheitsreform: Die Regierung will verbindliche Forderungen an die Qualität der kommunalen Behandlung stellen. Das war aber auch an der Zeit.“

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