Politik

Pind zum Abschied: Jugendliche sind keine Produktionsapparate

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Søren Pind in seiner Ministeruniform, die er nach eigener Aussage für 40.000 Kronen hat anfertigen lassen. Foto: Mads Claus Rasmussen/Scanpix 2018

Er gehörte zu den debattierfreudigsten Politikern Dänemarks. Mit 48 Jahren hat sich Søren Pind jetzt abgemeldet: Rücktritt als Minister, Abschied aus der Politik. Er sei „leer“, sagte er – und will verhindern, dass es dem Nachwuchs ähnlich ergeht.

Nach 17 Monaten als Ausbildungs- und Forschungsminister hat Søren Pind von der rechtsliberalen Venstre am Mittwoch die Politik verlassen. Es sei ein wehmütiger Abschied, für den es jedoch Zeit gewesen sei, sagte Pind bei der Übergabe des Ministeriums an Tommy Ahlers.

„Ich habe die Zeit im Ausbildungs- und Forschungsministerium sehr genossen. Ich habe es nie geglaubt, aber man kann tatsächlich satt werden. Ich hätte es nicht gedacht, weil ich fast wie Hamsun den großen Hunger als ewigen Begleiter hatte“, so Pind, gekleidet in einem Maßgeschneiderten Ministeranzug für 40.000 Kronen.

Der Unternehmer und Fernseh-Promi Tommy Ahlers (Venstre) wird Pind, der sich selbst als „Zukunftsminister“ bezeichnete, ablösen. Der Liberale verlässt die dänische Politik mit einer letzten Warnung: „Wir dürfen die jungen Menschen nicht als Produktionsapparate sehen, die sich selbst zur Verfügung stellen sollen, um den Wohlfahrtsstaat zu finanzieren.“

Ein Reagan-Zitat für Ahlers

Ausbildung, das hatte er während seiner Ministerzeit immer wieder unterstrichen, solle schwer sein. „Wir müssen einen Rahmen setzen, in dem sich die jungen Leute wiederfinden können“, so Pind. Als traditionelles Geschenk an seinen Nachfolger überreichte er Ahlers ein kleines Schild mit einem Zitat des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, der sein großes Vorbild ist.

„Es gibt keine Grenzen dafür, zu was ein Mann imstande ist, wenn es ihn nicht schert, wer das Lob dafür einheimst“, steht (auf Dänisch) auf dem Schild.

Der neue Ausbildungs- und Forschungsminister Tommy Ahlers war früher Mitglied der Konservativen Jugend – trat aber am Dienstagabend bei Venstre ein, nachdem er Regierungschef Lars Løkke Rasmussen (Venstre) zugesagt hatte, das Ministeramt anzunehmen. „Ich war immer bürgerlich und stehe vollständig zum Parteiprogramm“, so Ahlers. Er meint, es müsse „eine Welt geschaffen“ werden, „in der mehr Verantwortung übernehmen“.

Abschied in Uniform

Pind, der als eigenwillig bis verschroben gilt, hat sich eigens eine Ministeruniform anfertigen lassen, wie sie in Dänemark bis 1909 getragen wurde. Damals haben die Parlamentarier der sozialliberalen Radikale Venstre dafür gesorgt, dass die Minister seither in Zivil auftreten. Danmarks Radio sagte Pind, er wolle die Demkratie ehren und die Uniform zum Abschied tragen, allerdings nicht beim Treffen mit der Königin, da dies kein Gala-Termin sei.

Sein ursprünglicher Plan war es, die Leitung des Königlichen Theaters zu übernehmen – doch das entschied sich kürzlich stattdessen für Kasper Holten. Nun, sagte Pind DR, wolle er stattdessen Bücher lesen, Zeit mit den Kindern verbringen und „spazieren gehen und meine Freundin an der Hand halten“.

    Søren Pind

    • Folketingsmitglied für Venstre seit 2005
    • Minister für Entwicklungshilfe 2010 bis 2011
    • Minister für Flüchtlinge, Einwanderer und Integration und Minister für Entwicklungshilfe März bis Oktober 2011
    • Justizminister 2015 bis 2016
    • Ausbildungs- und Forschungsminister 2016 bis 2018
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