Wahlkampf-Chaos

Parteien hängen bereits Folketingswahl-Plakate auf

Parteien hängen bereits Folketingswahl-Plakate auf

Parteien hängen bereits Folketingswahl-Plakate auf

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Sie hatten die „richtigen“ Plakate dabei: Radikale Wahlkampfhelfer in Kopenhagen. Foto: Tariq Mikkel Khan / Ritzau Scanpix

Die Folketingswahl ist noch gar nicht ausgeschrieben. Doch weil der Wahlkampf ums Europaparlament bereits begonnen hat, haben einige Wahlkampfhelfer auch gleich schon Plakate von Løkke und Co. aufgehängt. Auch Anne Sina ist bereits zu sehen.

Die Parteien in Dänemark stehen in den Startlöchern für den Wahlkampf. Den Folketings-Wahlkampf wohlgemerkt. Denn der überstrahlt die Europawahl am 26. Mai deutlich – obwohl noch gar nicht feststeht, wann genau gewählt werden soll. Klar ist nur: Spätestens am 17. Juni.

Wahlplakate dürfen noch nicht aufgehängt werden. Doch schon am Wochenende waren mancherorts die Konterfeis von Folketingskandidaten zu sehen. Zum Beispiel das von Regierungschef Lars Løkke Rasmussen (Venstre) und dessen Parteifreund Jacob Jensen an Laternenpfählen in Fårevejle Kirkeby auf Seeland.

Es habe sich um einen „menschlichen Fehler“ gehandelt – und am Sonntagmittag seien die Plakate wieder abgenommen worden, versichert Kai Hansen, Vorsitzender des Venstre-Wählervereins im Bereich Odsherred.

EU-Wahl als Platzhalter für Folketings-Plakate

Auch weniger Prominente Folketing-Kandidaten haben einen Fehlstart hingelegt. So war das Gesicht von Samira Nawa von der linksliberalen Radikale Venstre an Bäumen und Laternenpfählen auf Nørrebro in Kopenhagen zu finden. Die meisten der Plakate sind derweil mit der Rückseite nach außen aufgehängt und auf die sichtbaren Rückseiten sind mit Filzstift Botschaften geschrieben. Allerdings waren einige Plakate auch richtig herum angebracht. Die sollten so aber noch gar nicht hängen und werden umgedreht, versicherte Nawa am Sonntag.

Die Plakate, die jetzt Botschaften zum Thema EU zeigen, sollten dann umgedreht werden, wenn die Folketingswahl ausgeschrieben wurde, so Nawa.

Experte: Wähler nehmen es nicht so genau

Am Sonnabend um 12 Uhr durften die Kandidaten für die Europawahl ihre Plakate aufhängen – die Folketingskandidaten müssen sich aber noch gedulden, bis die Wahl ausgeschrieben ist. Den Wählern sei es aber herzlich egal, ob sich alle an die Regeln halten, sagt Anders Dybdal, Experte für politische Kommunikation. „Es gibt wenige Leute, die sich dafür entschieden haben, für ein Mandat zu stimmen, die dann ihre Meinung ändern, wenn sie entdecken, dass diese Person die Wahlplakat-Regeln nicht eingehalten hat“, sagt er.

Zugleich könne es eine günstige Wirkung haben, wenn die Plakate länger hängen, glaubt er. „Das gibt kurz vor der Wahl eine bessere Sichtbarkeit, weil man die besseren Plätze abbekommt“, sagt er.

Die guten Plätze sind laut Dybdal die, an denen viele Menschen vorbeikommen – zum Beispiel an Bushaltestellen und Schulen, besonders jenen, die zu Wahllokalen werden. Das Verhalten von Samira Nawa nennt er jedoch „unsportlich“. Es sei nicht die Absicht gewesen, die Europawahl dazu zu nutzen, „die besten Plätze mit Plakaten für die Folketingswahl zu blockieren“.

Anne Sina mit besonderem Trick

Die aus der deutschen Minderheit stammende Folketingskandidatin der Sozialdemokraten in Taastrup bei Kopenhagen, Anne Sina, ist auch bereits auf Wahlkampfplakaten zu sehen. Und zwar neben dem Kandidaten für die Europawahl Jakob Thiemann, berichtet TV2 Lorry. Der Kreisvorsitzende der Sozialdemokraten, Per Gravgaard Hansen, erklärt das damit, dass Sina ihren Parteifreund im Europa-Wahlkampf unterstützt. Die Partei habe sich auf einen parallelen Wahlkampf für Europa- und Folketingswahl vorbereitet, weil lange damit gerechnet wurde, dass der Regierungschef die Folketingswahl zum 26. Mai ausrufen würde – was er jedoch nicht tat.

Eine weitere Masche hat sich der Sozialdemokrat Malte Larsen ausgedacht: Er macht bereits Wahlkampf, indem er Bürger auf Plakaten zu Veranstaltungen einlädt und die Plakate dann immer wieder neu in einer der 54 Gemeinden in der Kommune Randers aufhängt.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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