Rücktritt

Ministerrochade, nachdem zwei V-Minister „kündigten“

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Kopenhagen
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Umweltminister Esben Lunde Larsen (V) Foto: Sarah Christine Nørgaard/Ritzau Scanpix

Die beiden Minister Søren Pind und Esben Lunde Larsen sind zurückgetreten. Gibt es ein Comeback von Eva Kjer, Holst oder Schmidt?

Nun kommt Regierungschef Lars Løkke Rasmussen um eine länger erwartete Regierungsrochade nicht mehr herum. Gestern „kündigten“ zwei seiner Minister. Løkke teilte danach am frühen Abend mit, dass er schon am Mittwochmorgen zur Königin gehen werde, um „Justierungen“ in der Zusammensetzung der Regierung vorzunehmen – um neue Minister zu benennen. Gibt es da eventuell ein Comeback für Eva Kjer Hansen aus Apenrade – oder für Carl Holst aus Rödding, die beide als Minister gehen mussten? Oder kommt Altmeister Schmidt aus Woyens wieder?

Ausbildungs- und Forschungsminister Søren Pind und Umwelt- und Lebensmittelminister Esben Lunde Larsen (beide Venstre) teilten rechtzeitig in den 18-Uhr-Nachrichten mit, dass sie ihre Ämter verlassen wollen. Pind vermeldete das zuerst und meinte, für ihn sei in der dänischen Politik nichts mehr zu tun. Vor ein paar Wochen war er schon als neuer Chef des Königlichen Theaters im Gespräch. Daraus wurde nichts.

„Ich fühle mich leer"

Pind erklärte, er wolle nun weiter – und seinem Chef Løkke die Zeit geben, rechtzeitig vor einer Wahl eine neue Mannschaft aufzustellen: „Ich fühle mich leer. Ich habe alle Jahre mit vollem Einsatz für alles gekämpft, an das ich glaube. Ich habe enorme Kräfte verbraucht – mir fehlt die letzte, hungrige Energie“, so der V-Haudegen Pind (48), der seit 2011 mehrere Ministerämter bekleidet hat und immer eines der markantesten Mitglieder der drei Regierungen war, denen er angehörte.

In der 2. Løkke-Regierung übernahm er 2015 das Justizministerium und wurde im November 2016 „degradiert“, um für den konservativen Chef Søren Pape Poulsen in der VKLA-Regierung Platz zu machen. Pind verlässt sofort die Politik. Der Jurist kam 2005 ins Folketing. Was er zukünftig machen werde, konnte er gestern nicht sagen. Er fühle sich enorm erleichtert – unter anderem sei eine Firma zusammen mit Parteikollegin und Ex-Ministerin Lykke Friis eine Möglichkeit.

Die ehemalige Klimaministerin Friis hatte auch erst vor Kurzem als Prorektorin der Kopenhagener Universität gekündigt. Der umstrittene Esben Lunde Larsen tritt weniger überraschend als Minister ebenfalls zurück – bleibt bis zur nächsten Folketingswahl, um dann nicht wieder zu kandidieren: Es sei nach 13 Jahren Politik nun Zeit für etwas Neues, so Lunde, der im Februar 2016 erstmals Minister wurde. Im August 2017 wurde seinem Ressort im Zuge des Quotenskandals die Fischerei entzogen. Lunde Larsen sitzt seit September 2011 im Folketing. Der 39-jährige Lunde löste 2016 auf Druck der Konservativen

Eva Kjer Hansen im Zuge mutmaßlicher Missinformation in Verbindung mit dem Agrarpaket als Umwelt- und Lebensmittelminister ab. Carl Holst musste nach wenigen Monaten als Verteidigungsminister im September 2015 im Zuge seines Spesenskandals gehen, der mittlerweile verpufft ist. Hans Christian Schmidt wurde zuletzt im Juni 2015 Transportminister und 2016 der VKLA-Regierung „geopfert“.

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Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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