Coronavirus

Mette Frederiksen steht trotz fehlender Evidenz zur Grenzschließung

Mette Frederiksen steht trotz fehlender Evidenz zur Grenzschließung

Frederiksen steht trotz fehlender Evidenz zu Grenzschließung

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Mette Frederiksen am Sonntag im Staatsministerium Foto: Olafur Steinar Gestsson/Ritzau Scanpix

Die Gesundheitsbehörde hat die Grenzschließung nicht gewollt. Sie sei eine ausschließlich politische Entscheidung, sagt nun auch Dänemarks Regierungschefin. Kritik kommt aus der Forschung.

Die Grenzen nach Dänemark sind für Ausländer weitgehend geschlossen – und dabei handele es sich um eine politische Entscheidung. Das unterstreicht Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen (Soz.) am Sonntag.

Am Sonnabend hatte die Gesundheitsbehörde unterstrichen, dass den Grenzschließungen keine gesundheitsfachliche Entscheidung zugrunde liegt. Es gebe keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass der Coronakrise dadurch Abhilfe geschaffen werden kann, das Land für alle Ausländer zu schließen, die kein „anerkennungswürdiges Vorhaben“ in Dänemark nachweisen können.

Frederiksen ist der Meinung, dass Dänemark schnell handeln müsse, und dies auch dann, wenn es keine wissenschaftlichen Studien gebe, die die Maßnahme untermauern.

Keine Zeit für Evidenz

„Wir sind nicht in der Situation, dass wir als Regierung es uns erlauben können, uns auf Evidenz zu stützen, denn wir stehen einer neuen Krankheit gegenüber, die sich auf eine Weise entwickelt, die die Behörden nicht voraussehen konnten“, so Frederiksen am Sonntag.

„Vor wenigen Wochen gab es eine Reihe von Behörden, die meinten, dass die Infektion nicht nach Dänemark kommen würde und dass sie nicht gefährlich sei. Wenn wir auf evidenzbasiertes Wissen in Bezug auf Corona warten sollen, kommen wir ganz einfach zu spät“, meint die Sozialdemokratin.

„Lieber einen Schritt zu weit als das Gegenteil“

Die dänischen Grenzen sind vorläufig bis zum 13. April geschlossen und den Bürgern wird davon abgeraten, das Land zu verlassen. An der deutsch-dänischen Festlandgrenze sind von 13 Grenzübergängen nur noch drei für den Verkehr geöffnet. Während Ausreisende nicht kontrolliert werden, wird in Richtung Dänemark jedes einreisende Fahrzeug kontrolliert und möglicherweise abgewiesen.

Die EU-Kommission hatte die Mitgliedsländer dazu aufgefordert, die Grenzen nicht zu schließen. Auch die Weltgesundheitsorganisation und die dänische Gesundheitsbehörde haben nicht zu den Grenzschließungen geraten.

„Ich gehe lieber einen Schritt zu weit als das Gegenteil“, so Frederiksen. Die Meldung aus Italien laute: „Tut alles, was ihr könnt.“

Die gesundheitsfachliche Beratung nennt sie trotz der politischen Entscheidung „all entscheidend“.

Professorin: „Es wird keine Wirkung zeigen“

Während in Dänemark weite Teile des öffentlichen und privaten Lebens stark reguliert sind, hat zum Beispiel der östliche Nachbar Schweden einen anderen Weg eingeschlagen und sich gegen derart drastische Maßnahmen entschieden.

Die Professorin für Volksgesundheit an der Universität Roskilde, Lone Simonsen, hält die Grenzschließungen weiter für wirkungslos. Zu „Danmarks Radio“ sagte sie am Sonntag, wenn man bereits eine Epidemie habe, gehöre die Grenzschließung nicht zu den sinnvollen Maßnahmen. „Es wird keine Wirkung zeigen“, so ihre klare Ansage.

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