Wirtschaft

Mehrheit zieht sich vor Folkepensionsalter aus Arbeitsleben zurück

Mehrheit vor Folkepensionsalter raus aus Arbeitsleben

Mehrheit vor Folkepensionsalter raus aus Arbeitsleben

Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Besonders in Berufen der Bauwirtschaft sind viele Beschäftigte trotz moderner Technik oft körperlich stark belastet. Foto: Volker Heesch

Das Wirtschaftsforschungsinstitut AE weist auf häufigen vorzeitigen Ausstieg aus dem Arbeitsleben trotz Anhebung des Pensionsalters hin. Die Finanzierung der Altersversorgung bei steigender Lebenserwartung erfordert längere Arbeitstätigkeit.

Im Wahlkampf des vergangenen Jahres haben vor allem Politiker der heutigen Regierungspartei, der Sozialdemokraten, Erwartungen geweckt, dass Neuregelungen insbesondere während eines langen Arbeitslebens gesundheitlich belasteten Beschäftigten einen vorzeitigen Übergang in den Ruhestand ohne empfindliche finanzielle Einschnitte ermöglichen sollen.

Attest erforderlich

Fast ein dreiviertel Jahr nach den Neuwahlen zum Folketing ist die von Regierungschefin Mette Frederiksen versprochene „Seniorpension“ vom Folketing verabschiedet worden. Erforderlich sind dabei allerdings ein ärztliches Attest und eine Beurteilung der Kommune, ob bis zu sechs Jahre vor der in den kommenden Jahren auf 70 Jahre und mehr steigende Pensionierungsmarke ein Altersruhegeld gewährt wird.

Nur Seniorpension bei stark verringerter Arbeitsfähigkeit

Springender Punkt ist, dass die Anspruchsberechtigten nur noch eine Arbeitsbelastung von höchstens 15 Stunden wöchentlich meistern dürfen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut „Arbejderbevægelsens Erhversråd“ (AE) weist in einer Untersuchung darauf hin, dass im Zuge des steigenden Pensionsalters die Zahl der älteren Beschäftigten, die lange berufstätig sind, gestiegen ist.

Demografische Bürde

Aber das Ziel, durch Verlängerung des Arbeitslebens – und Beibehaltung der Zahlung von Steuern und Abgaben – die „demografische Bürde“ aufgrund steigender Lebenserwartung meistern zu können, wird dennoch nicht erreicht. Laut AE ist weiterhin ein Fünftel der möglichen Beschäftigten bereits vor Erreichen des 60. Lebensjahrs nicht mehr berufstätig.

„Arbeiterklasse“ hört früh auf

Vor allem Männer und Frauen der traditionell als Arbeiterklasse eingestuften Arbeitnehmer, aber auch 57 Prozent der als Mittelklasse eingestuften Berufe wie Lehrer oder Krankenschwestern sind bereits vor Erreichen des offiziellen Pensionsalters aus dem Arbeitsleben ausgeschieden.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut wird darauf hingewiesen, dass vor allem Beschäftigte mit guten Jobs länger berufstätig bleiben, aber vor allem Mitarbeiter mit hoher Belastung nach wie vor vorzeitig ihre Berufstätigkeit beenden.

Es wird gewarnt, dass mit der weitgehenden Abschaffung der Vorruhestandsregelung „Efterløn“ vielen Männern und Frauen eine finanzielle Abfederung eines vorzeitigen Endes ihrer Arbeitstätigkeit genommen wird. Vor allem sei absehbar, dass Personen, die keine verringerte Arbeitsfähigkeit nachweisen können, finanziell in die Klemme geraten werden, wenn sie bei immer höherem Pensionsalter vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden.

Mehr lesen

Leitartikel

Walter Turnowsky
Walter Turnowsky Korrespondent in Kopenhagen
„Legal, illegal, …“