Danmarks Radio

Kritik: DF und Regierung mischen sich zu sehr ins Programm ein

Kritik: DF und Regierung mischen sich zu sehr ins Programm ein

Kritik: DF und Regierung mischen sich zu sehr ins Programm ein

cvt/Ritzau
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Maria Rørbye Rønn Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Danmarks Radio soll künftig keine Hintergrundartikel im Netz mehr veröffentlichen dürfen. „Beunruhigend“, meint der Radikalen-Fraktionschef.

Regierung und Dänische Volkspartei (DF) werden im Zuge der Veröffentlichung des Staatsvertrages für Danmarks Radio dafür kritisiert, zu dicht an die redaktionelle Arbeit heranzugehen. Im Vertrag wird festgelegt, dass DR im Internet „sich von langen, vertiefenden Artikln fernhalten“ soll.

„Das ist ein beunruhigender Schritt, der am Vertrauen der Dänen in unabhängige und freie Medien rüttelt“, sagt der Chef der sozialliberalen Oppositionspartei Radikale Venstre, Morten Østergaard. „Dieses Machwerk müssen wir schnellstmöglich ändern“, sagt er und ruft zur „Abrechnung“ mit dem Vorgehen von Regierung und DF auf, denn „es geht um unsere Demokratie“.

„Abrechnung“ und „Bananenrepublik“

Auch die Alternative kritisiert den Vertrag als „endgültige Abrechnung mit dem Prinzip der Armeslänge“. Der medienpolitische Sprecher der Alternative-Fraktion, Rasmus Nordqvist meint zudem „die Regierung und die Dänische Volkspartei haben sich mit dem neuen Vertrag den Redakteurshut aufgesetzt.“

Jacob Mark von den Volkssozialisten (SF) meint, die Politiker hätten besser die Unabhängigkeit der Medien stärken sollen. „Denn sie sind doch das Gegengewicht zu Fake News und der Dominanz der ausländischen Giganten“, schreibt er in einem Kommentar. „Man darf nicht im Detail regulieren, wie ein Medienhaus wie DR seine Artikel zu schreiben hat. Wir leben doch nicht in einer Bananenrepublik“, so Mark weiter.

Bock verteidigt Maßnahmen

Kulturministerin Mette Bock (Liberale Allianz) bezeichnete in TV2 die Diskussion als „ewige Frage“, die Einschränkungen für lange Artikel für Danmarks Radio seien „eine klitzekleine Begrenzung“. Diese verhindere nicht, dass sich DR in den kommenden Jahren im Netz entwickeln kann. „DRs Aufgabe ist es, den Dänen Inhalte zu liefern, die nicht direkt mit dem konkurrieren, womit private Medien ihr Geld verdienen“, sagt sie. Eine genaue Definition dafür, was vertiefende Artikel sind und wie lang diese sein dürfen, wollte sie auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Ritzau nicht geben.

Zu dem Punkt, dass es laut Staatsvertrag deutlich aus dem Programm von DR hervorgehen soll, dass „unsere Gesellschaft auf Demokratie baut und seine Wurzeln im Christentum hat“ sagt sie, dass DR trotzdem weiterhin auch einen Bildungsauftrag in Bezug auf andere Glaubensgemeinschaften, die es in Dänemark gibt, habe.

DR-Intendantin Maria Rørbye Rønn sprach auf einer Pressekonferenz heute von einem „Gleichgewicht“. Einige Elemente des Staatsvertrages würden weniger Detailsteuerung bedeuten, aber in einzelnen Bereichen würde mehr gesteuert als früher. „Natürlich hätten wir das gerne anders gehabt“, so Rønn.

Private Medien erfreut über DR-Begrenzungen

Beim Verband der privaten Medien, Danske Medier, herrscht unterdessen Freude über den „klitzekleinen“ Zusatz im Staatsvertrag. „Zweifelsohne begrenzen kostenlose Online-Nachrichten den Anreiz für Bürger, für Nachrichten in den geschriebenen Zeitungen und Magazinen zu bezahlen“, so Direktor Morten Langager in einem schriftlichen Kommentar. „Es nutzt der Gesellschaft nicht, wenn Journalismus, der von Steuergeldern bezahlt wird, die privaten Medien aus dem Wettbewerb drängt“, so Langager.

Er meint, dass die Begrenzungen, die für DR eingeführt werden, auch den staatlich finanzierten Regionalsendern von TV2 auferlegt werden sollten.

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