Gymnasien

Kein Internet mehr bei schriftlichen Prüfungen – Opposition verärgert

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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An Dänemarks Schulen wird fast ausschließlich digital gearbeitet. Foto: Scanpix

Dänemarks Unterrichtsministerin hat entschieden, dass Gymnasiasten ihre schriftlichen Prüfungen künftig offline schreiben müssen. Damit soll Betrug ausgeschlossen werden. Opposition und Schülerverband sind verärgert.

Unterrichtsministerin Merete Riisager (Liberale Allianz) will den Internetzugang bei Prüfungen an den Gymnasien sperren – und so eine „Autobahn für Betrug“ sperren, wie sie der Tageszeitung Berlingske sagt. Annette Lind, unterrichtspolitische Sprecherin der Sozialdemokraten, spricht von einer altertümlichen Einstellung der Ministerin.

„Das ist nicht der richtige Weg. Es gibt viele andere Möglichkeiten, gegen Betrug vorzugehen“, sagt sie. Die Parteien, die sich fraktionsübergreifend im sogenannten Gymnasialvergleich auf eine gemeinsame Politik in dem Bereich geeinigt haben, hätten das Problem möglicher Schummelei bereits mitgedacht. Diese Maßnahmen hätten es verdient gehabt, ihre Wirkung zu zeigen.

„Unter anderem kann man mit der niedrigsten Note, minus drei, strafen. Und man kann Schüler von der Schule verweisen“, sagt sie. „Wir sollten uns daran erinnern, dass es hier um eine Größenordnung von einem Promille geht, die betrügen“, so Lind, die sich auf Zahlen des Schülerverbandes Danske Elever beruft.

„Egal, was die Liberale Allianz und DF über das Internet denken, es ist gekommen, um zu bleiben und wir brauchen selbstverständlich Prüfungsformen, die die Wirklichkeit abbilden“, so auch die unterrichtspolitische Sprecherin der Radikalen Venstre, Lotte Rod, in einem schriftlichen Kommentar.

Die Schüler selbst schlagen der Ministerin vor, lieber die Ursachen für Betrugsversuche anzugehen. „Es liegt ein großer Fokus auf Noten und darauf, abzuliefern – wenn man das aus dem Fokus nimmt, werden auch weniger betrügen“, sagt Jens Philip Yazdani vom Schülerverband Danske Elever. Auch bei den Lehrern im Gymnasialverband sieht man die Internet-Sperre bei Prüfungen kritisch: „Natürlich muss die Betrugsproblematik gelöst werden, aber es ist zu lasch und zeugt nicht von Ehrgeiz, wenn die Antwort sein soll, eine effektive Prüfungsform abzuschaffen, nur weil man den Verdacht hat, dass ein Tausendstel der Schüler bei den schriftlichen Prüfungen betrügen“, sagt Anne-Birgitte Rasmussen.

Riisager kann aller Kritik zum Trotz die Regeln für die Prüfungen ändern, ohne dafür die Genehmigung des sogenannten Vergleichskreises einzuholen.

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