Umwelt und Natur

Ja zu mehr Trinkwasserschutz

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Kopenhagen/Tondern
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Foto: Roland Weihrauch/dpa (Symbolfoto)

Umweltminister offen für größere pestizidfreie Zonen um Trinkwasserbrunnen. Tondern setzt auf flächendeckenden Schutz.

Vor einigen Tagen hat die Meldung für Alarmstimmung unter Umweltschützern und Politikern gesorgt, dass innerhalb eines Jahres mindestens 250 Trinkwasserbrunnen wegen Grenzwertüberschreitung bei Prüfung auf Pestizidreste geschlossen worden sind. Hintergrund waren dabei meist Untersuchungen der Wasserproben auf Spritzmittel, nach denen zuvor noch nicht gesucht worden war.

Umwelt- und Nahrungsmittelminister Jakob Ellemann-Jensen (Venstre) hat am Donnerstag Bereitschaft signalisiert, der Forderung nach einer Erweiterung der Schutzzonen um Wasserwerke und Trinkwasserbrunnen nachzukommen, die bei der jüngsten Verschärfung des Trinkwasserschutzes 2017 auf einen Radius von nur 25 Metern festgelegt worden war. Ellemann-Jensen war gestern vor den Umweltausschuss des Folketings zitiert worden und musste Rede und Antwort stehen, wie man die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser sichern will. „Wenn die fachliche Grundlage steht, dann glaube ich, können wir uns darauf einigen, dass wir mehr tun müssen als heute“, so der Minister.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Technik und Umwelt im Tonderner Stadtrat, Bo Jessen (Venstre), ist prinzipiell bereit, eine Erweiterung der Schutzzonen um Trinkwasserbrunnen zu unterstützen. Doch er denkt auch an Folgen für Landwirte, deren Felder im Einzugsbereich der Brunnen liegen. „Landwirte haben Recht auf Kompensation bei größeren spritzmittelfreien Zonen“, so der Politiker und Landwirt. Er unterstreicht, dass in der Kommune Tondern seit Jahren systematisch am Schutz für die Grundwasservorkommen gearbeitet wird, die zur Trinkwassergewinnung genutzt werden. „Es sind leider nicht nur die Landwirte, die für Verunreinigung von Trinkwasser gesorgt haben“, betont er und erinnert an Fälle, wo DSB oder Privatpersonen Giftstoffe ausgebracht haben, die ins Grundwasser gesickert sind.

„Anhänger von freiwilligen Absprachen“

„Ich bin Anhänger von freiwilligen Absprachen“, so der Venstre-Politiker, der auch daran erinnert, dass die Pestizidgrenzwerte politisch festgelegt worden seien und nicht unbedingt bedeuteten, dass eine Überschreitung Menschen gefährdet. „Mitunter müssten ein paar Hundert Liter Wasser getrunken werden, bis die Stoffe negativ wirkten“, so Jessen. Der Professor am Institut für Wasser- und Umwelttechnologie an der Dänischen Technischen Universität (DTU), Hans Jørgen Albrechtsen, erklärte gegenüber der Zeitschrift Ingeniøren, dass ein Einsatzverbot für Spritzmittel im Bereich um Trinkwasserbrunnen dringend nötig sei. Es würden aber Jahrzehnte vergehen, bis inzwischen längst verbotene Stoffe aus dem Grundwasser verschwinden, in das sie über lange Zeiträume von der Oberfläche geschwemmt worden sind.

Er kritisiert auch den Weg vieler Wasserwerke, Grenzwertüberschreitungen dadurch zu begegnen, dass sie belastetes Wasser mit reinem Wasser mischten. Er schlägt vor, dass man das Trinkwasser durch Filter von Pestizidresten befreit, so wie man heute schon Mangan, Arsen oder Nickel aus dem Wasser herausholt.

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