Bericht der Gesundheitsbehörde

Gesundheitsreform: Zentrales Ziel basiert auf unsicheren Zahlen

dodo
Kopenhagen
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Foto: Philip Davali/ Ritzau-Scanpix

Staatsminister Lars Løkke Rasmussen hat bei der Präsentation der Gesundheitsreform angekündigt, dass eine große Zahl der Behandlungen und Aufenthalte in Krankenhäusern künftig in die kommunalen Praxen verlagert werden soll. Dokumente der Gesundheitsbehörde sorgen allerdings für Zweifel, dass das angestrebte Ziel erreicht werden kann.

500.000 Behandlungen und 40.000 Aufenthalte weniger in den dänischen Krankenhäusern soll die neue Gesundheitsreform bringen. Das hatte Regierungschef Lars Løkke Rasmussen (Venstre) als eine der zentralen Themen bei der Präsentation angekündigt. Diese Zahlen sollen allerdings sehr zweifelhaft und unsicher sein, berichtet nun die Zeitung Jyllands-Posten und stützt sich dabei auf Dokumente der Gesundheitsbehörde, in die die Zeitung Akteneinsicht hatte.

In den Unterlagen steht unter anderem, dass „keine systematischen Überprüfungen für das Potenzial einer verstärkten Aufgabenlösung außerhalb der Krankenhäuser durchgeführt wurden und es deshalb wahrscheinlich keine soliden Beweise gibt, auf die man sich stützen kann“.

„Vorsichtige Schätzung“

Trotzdem gab die Gesundheitsbehörde eine „vorsichtige Schätzung“ über den prozentualen Anteil von Krankenhausbesuchen ab, die bei den fünf am häufigsten vorkommenden Volkskrankheiten von den Krankenhäusern in die Kommunen verlegt werden könnten. Diese Schätzung machte die Regierung anschließend zum handfesten Ziel bis 2025.

Professor Kjeld Møller Petersen von der Süddänsichen Universität nennt die Dokumente „eine ehrliche Aussage der Gesundheitsbehörde“ und kritisiert die Regierung: „Sie wissen nicht sehr viel darüber, welches Potenzial es für eine Verlagerung der Aufenthalte überhaupt gibt. Die Zielsetzung der Regierung ist reines Wunschdenken. Die Zahlen sind absolut unsicher“, so Petersen zur Nachrichtenagentur Ritzau.

Gesundheitsministerin Ellen Trane Nørby (Venstre) weist die Vorwürfe zurück. Dies sei eine politische Zielsetzung, die auf fachlicher Grundlage basiere, so die Miniserin.

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