Corona-Krise

Gesundheitsbehörde warnte am 1. März vor großem „Lockdown“

Gesundheitsbehörde warnte am 1. März vor großem „Lockdown“

Gesundheitsbehörde warnte am 1. März vor großem „Lockdown“

cvt, Ritzau
Kopenhagen
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Søren Brostrøm
Warnte vor einer Verunsicherung der Bürger: Søren Brostrøm, Direktor der dänischen Gesundheitsbehörde (Archivfoto) Foto: Philip Davali/Ritzau Scanpix

Mehr Schaden als Nutzen: Direktor Søren Brostrøm hat laut „Ekstra Bladet“ keine umfassenden Schließungen empfohlen.

Zehn Tage, bevor die Regierung Dänemarks am 11. März als Reaktion auf das Coronavirus beschlossen hat, das Alltags- und Wirtschaftsleben stark zu beschränken, hat der Chef der dänischen Gesundheitsbehörde laut „Ekstra Bladet“ vor einem solchen Schritt gewarnt.

„Maßnahmen wie die Begrenzung von Versammlungen sowie das Schließen von Unternehmen, Ausbildungseinrichtungen und Verkehrsverbindungen können schwerwiegende negative gesellschaftliche und ökonomische Auswirkungen haben“, steht der Zeitung zufolge in einer Mail Brostrøms an „zentrale Regierungsbeamte“ vom 1. März.

Brostrøm: Maßnahmen könnten unnötig verunsichern

Die Zeitung, die die gesamte Mail veröffentlicht, zitiert weiter: „Da es ein unvorteilhaftes Verhältnis zwischen schädlichen und nützlichen Wirkungen geben kann, wird die Schwelle dafür, dass die Gesundheitsbehörde umfassende Maßnahmen wie die genannten einführt, hoch sein.“

Brostrøm bezeichnet die Eingriffe in die Versammlungsfreiheit, das Schließen von Unternehmen und die Beschränkungen des Verkehrs als in moderner Zeit in Dänemark ungekannt. Sie könnten „dazu beitragen, die Verunsicherung in der Bevölkerung zu steigern und den Eindruck eines größeren Risikos vermitteln, als es in Wirklichkeit gibt“.

Am 1. März hat es vier bestätigte Corona-Fälle in Dänemark gegeben. Am 11. März, als die ersten umfassenden Regierungsmaßnahmen beschlossen wurden, waren es bereits 514 Fälle.

Regierungschefin Mette Frederiksen (Soz.) verkündete damals, dass Versammlungen von mehr als 100 Personen verboten werden sollten, dass die Studierenden zu Hause bleiben sollten, dass öffentlich Beschäftigte in „nicht systemrelevanten Funktionen“ zu Hause bleiben sollten und dass private Unternehmen ihre Mitarbeiter nach Möglichkeit im Homeoffice arbeiten lassen sollten.

„Wir sind in einer neuen Situation und deshalb nehmen wir ein paar ziemlich große Schritte die Leiter hinauf“, sagte Frederiksen damals.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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