Diplomatische Krise mit der Türkei

Erdogan verspricht harten Kurs gegen Dänemark und Europa

Erdogan verspricht harten Kurs gegen Dänemark und Europa

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cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Erdogan
Wahlkampf in der Türkei. Foto: Scanpix

Vor der Volksabstimmung in der Türkei versichert der Präsident seinen Landsleuten, sich dem Einfluss Europas nicht beugen zu wollen. Türkischstämmige dänische Politiker werden unterdessen als Landesverräter beschimpft.

Vor der Volksabstimmung in der Türkei versichert der Präsident seinen Landsleuten, sich dem Einfluss Europas nicht beugen zu wollen. Türkischstämmige dänische Politiker werden unterdessen als Landesverräter beschimpft.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Dänemark und eine Reihe anderer Länder dafür angegriffen, türkische Minister am Wahlkampf für die türkische Volksabstimmung über die Ausweitung seiner Machtbefugnisse teilzunehmen.

"Lasst sie versuchen, die Minister zu behindern. Egal ob es Deutsche, Niederländer, Österreicher, Schweizer, Belgier oder Dänen sind, so sollt ihr wissen, dass euer Präsident entschlossen ist und weiter entschlossen sein wird!", sagte Erdogan laut Al Jazeera Sonnabend bei einer Gedenkveranstaltung zum Ersten Weltkrieg.

Dänemarks Regierungschef Lars Løkke Rasmussen (Venstre) hatte einen Termin mit dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim in Kopenhagen kürzlich unter dem Hinweis auf die derzeit verwickelte diplomatische Lage ausgesetzt. Am Sonntag und am Montag hätte Yildirim Løkke besuchen und Wahlkampf für Erdogan betreiben sollen.

Unterdessen haben der sozialdemokratische Folketingsabgeordnete Lars Aslan Rasmussen und die ehemalige Abgeordnete der Volkssozialisten und jetzige politische Debatteurin Özlem Cekic zu wissen bekommen, dass sie offenbar in der Türkei als Landesverräter angezeigt wurden.

Rasmussen war im November zuletzt in der Türkei und sei dort lange aufgehalten und befragt worden. Er sei nur deshalb frei gekommen, weil er auf eine Vereinbarung zwischen der türkischen Regierung und der dänischen Botschaft habe verweisen können. "Es war sehr unangenehm und das bisher einzige Mal, dass ich in der Türkei Probleme hatte", sagt er. "Nach den Mails, die ich bekommen habe und der offiziellen Politik, dass man Leute verraten soll, habe ich für mich die Konsequenz gezogen, dass es für mich das letzte Mal war, dass ich in der Tükei war, und zwar fü sehr sehr lange Zeit", so Rasmussen, der am Sonntag in der Tageszeitung Berlingske neben zehn weiteren bekannten Persönlichkeiten über seine Erlebnisse mit dem türkischen Regime berichtete.

Rasmussen ist auch in Dänemark offen von Dänischtürken wegen seiner kritischen Haltung gegenüber Erdogan angefeindet worden. "Ich befürchte, dass ich festgenommen werde, wenn ich in die Türkei reise, und dort in den Gefängnissen könnte Folter drohen, das wissen wir und das geht auch aus Amnesty-Berichten hervor", sagt der Politiker, dessen Vater aus der Türkei stammt.

Auch Özlem Cekic ist angefeindet und bedroht worden. Die Vorsitzende des Vereines Brobyggerne (Brückenbauer) befürchtet, auf einer Art schwarzen Liste zu stehen und bei der Einreise in die Türkei festgenommen zu werden. "Ich werde in der näheren Zukunft keinen Fuß mehr in die Türkei setzen", sagt sie. "Ich befürchte, dass ich festgenommen werden könnte. Das passiert auch ausländischen Bürgern, man kann sich also nicht sicher sein, nur weil man einen roten Pass hat", sagt sie.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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