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Angriff auf Regierungschefin: Ex-Nachrichtendienst-Chef fordert öffentliche Aufarbeitung

Ex-Nachrichtendienst-Chef fordert öffentliche Aufarbeitung

Ex-Nachrichtendienst-Chef fordert öffentliche Aufarbeitung

Ritzau/hm
Kopenhagen
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Regierungschefin Mette Frederiksen und die EU-Parlamentsabgeordnete Christel Schaldemose (beide Soz.) bei einem öffentlichen Auftritt in Viborg (Archivfoto). Foto: Bo Amstrup/Ritzau Scanpix

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Vor gut einer Woche versetzte ein Mann auf offener Straße Regierungschefin Mette Frederiksen einen Schlag. Zum Tathergang hat Ex-Geheimdienstchef Bonnichsen fragen.

Hans Jørgen Bonnichsen, ehemals Chef des polizeilichen Nachrichtendienstes PET, wundert sich darüber, wie es zu dem Angriff auf die Regierungschefin am Freitagabend vor gut einer Woche kommen konnte. Dies berichtet die Nachrichtenagentur „Ritzau“. 

Mette Frederiksen war auf offener Straße auf dem Kultorvet in Kopenhagen von einem Mann angegriffen worden, der offenbar unter Drogen- und Alkoholeinfluss stand. Der mutmaßliche Täter gab an, sehr benommen gewesen zu sein. Er könne sich an die Tat nicht erinnern.

Bonnichsen stellt Frage

Der Mann versetzte Frederiksen einen Schlag auf den Oberarm. Nun wundert sich der ehemalige PET-Chef nicht nur darüber, wie der Mann der Regierungschefin so nah kommen konnte, sondern auch darüber, warum nicht über den Tathergang gesprochen wird. 

Gegenüber „Ritzau“ stellte Bonnichsen die Frage: „Wie war es überhaupt möglich, dass der Beschuldigte der Staatsministerin so nah kommen konnte?“

Diese sei, so Bonnichsen, von gut trainierten Leibwächtern bewacht, die 24 Stunden lang an 365 Tagen des Jahres das Undenkbare denken sollten. Er weist darauf hin, dass der Mann hätte bewaffnet sein können – mit einer Schusswaffe oder einer Handgranate.

Bonnichsen, der nach eigener Aussage mit der Regierungschefin fühlt, betont aber auch, die Regierungschefin habe das Recht, selbst zu bestimmen, wie nah die Leibwächterinnen und Leibwächter sie beschützen sollen. 

Der Angriff wirkt bei Frederiksen offenbar nach. Sie hatte nach der Tat die Öffentlichkeit gemieden und hat ihr Programm auf dem Volkstreffen auf Bornholm gekürzt. 

Sie will auch mehr von zu Hause aus arbeiten. Zudem will sie prüfen, wie sie zukünftig auf größeren Veranstaltungen auftreten will. 

Bonnichsen regt öffentliche Aufarbeitung an

PET hat keinen Kommentar zu der Angelegenheit. Auch das Staatsministerium sowie der Justizminister Peter Hummelgaard (Soz.) schließen Kommentare aus. 

Bonnichsen plädiert aber dafür, die Geschehnisse sehr gründlich und öffentlich aufzuarbeiten. „Es gibt Sachen, die man aus der Angelegenheit lernen kann, aber das erfordert auch eine ehrliche Aufarbeitung.“ Es dürfe nichts unter den Teppich gekehrt werden, es müsse auf den Tisch kommen, was vorgefallen sei, es gehe um die Sicherheit Dänemarks, so Bonnichsen.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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