Energie

Zukunft der dänischen Ölförderung in der Nordsee unsicher

Zukunft der dänischen Ölförderung in der Nordsee unsicher

Zukunft der dänischen Ölförderung in der Nordsee unsicher

Ritzau/hm
Kopenhagen
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Die Plattform „Monarch" auf dem Dan-Feld in der dänischen Nordsee. Nach dem Rückzug des Konzerns Total aus der 8. Lizenzvergaberunde hat die Diskussion über die Ölförderung nach 2050 wieder an Fahrt aufgenommen. Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix

Der französische Ölkonzern Total hat sich aus der laufenden Lizenvergaberunde für die zukünftige Öl- und Gasförderung verabschiedet. Die Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Vergaberunde nimmt damit wieder Fahrt auf, schließlich will Dänemark auf grüne Energie umstellen. Doch Öl und Gas sorgen auch für Steuereinnahmen und schaffen Jobs.

Die dänische Öl- und Gasförderung in der Nordsee könnte der Nachrichtenagentur „Ritzau" zufolge den Todesstoß erhalten haben. Kürzlich hatte der französische Ölkonzern Total mitgeteilt, sich aufgrund der bestehenden Unsicherheit aus der laufenden 8. Lizenzvergaberunde (udbudsrunde) zurückzuziehen. Total ist der größte Erdölproduzent in der dänischen Nordsee mit einer Lizenz, die es dem Konzern ermöglicht, bis 2046 Nordseeöl zu fördern und hatte das Ölgeschäft 2018 von Mærsk übernommen.

In der 8. Vergaberunde geht es um das Recht, bis 2055 Öl zu fördern. Nach bisheriger Praxis könnte ein Unternehmen mit einer Genehmigung in der 8. Vergaberunde eine Lizenz erhalten, um sechs Jahre lang Öl oder Gas zu suchen und um danach 30 Jahre lang zu fördern – insgesamt also maximal 36 Jahre. Mit der abgeschlossenen 7. Lizenzvergaberunde besteht für die beteiligten Unternehmen die Möglichkeit, bis 2052 zu fördern.

Nach Total haben sich nun zwei weitere Interessenten zurückgezogen. Sodass am Freitag ein einziger zurückblieb - Ardent Oil aus Großbritannien. Nun ist laut Energieministerium eine „beträchtliche Unsicherheit" entstanden, ob es mit der 8. Lizenzvergaberunde weitergeht, und ob Dänemark Erdölproduzent bleiben wird.

Stützparteien lehnen Ölförderung nach 2050 ab

Ob und wie es weitergeht, will die Regierung nun mit den Folketingsparteien erörtern. Die Stützparteien lehnen eine Ölförderung nach 2050 ab. Signe Munk, klimapolitische Sprecherin der Sozialistischen Volkspartei SF, sieht in dem Verhalten von Total einen „Wink mit dem Zaunpfahl“, sich aus der Ölförderung zu verabschieden. Die Investition scheint ihr für das Unternehmen Total zu unsicher zu sein.

Auch die Partei Radikale Venstre meint, die Entscheidung Totals müsse nun für die Regierung entscheidend sein. Der Ölpreis ist nach Auffassung der Partei so gefallen, dass die historisch geringeren Steuereinnahmen für Dänemark aus dem Ölgeschäft in keinem Verhältnis zu der grünen Führungsrolle Dänemarks stehen.

Die Parteien, die gegen eine 8. Vergaberunde sind, erhalten Unterstützung vom dänischen Klimarat. Dieser hatte empfohlen, die 8. Vergaberunde abzublasen, um ein Signal auszusenden, welches lautet: Grüne Investitionen sollen nicht durch die Jagd nach fossilen Brennstoffen in den Hintergrund gedrängt werden.

Regierung zurückhaltend

Die Regierung teilte unterdessen mit, die Verhandlungen sollten einerseits das Ziel haben, einen verlässlichen Rahmen für die Gewinnung von Öl und Gas aufzuspannen, andererseits sollten sie Rücksicht auf das Klimaziel des Folketings nehmen.

Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen (Soz.) gab im Zuge der Eröffnungsdebatte im Folketing eine zweideutige Antwort auf die Frage, ob sie die Gelegenheit zum Stopp der Erdölförderung ergreifen werde. Zwar wünsche man, dass Dänemark im Jahr 2050 auf fossile Brennstoffe verzichtet, doch müsse man auch daran denken, dass das Nordseeöl große Bedeutung für den Arbeitsplatzerhalt an der Westküste habe – insbesondere in Esbjerg.

Energieminister Dan Jørgensen wollte der Nachrichtenagentur „Ritzau" vor dem Wochenende keinen Kommentar zu Sache geben.

Die Förderung fossiler Brennstoffe bescherte dem dänischen Staat solide Einnahmen. Von 1972 bis 2018 spülte die Steuer auf die Gewinnung von Kohlenwasserstoffen insgesamt 515 Milliarden Kronen in die Staatskasse. Nach dem Rekordjahr 2008 mit 36,5 Milliarden fielen aber die Einnahmen stark. 2016 waren es nur 2 Milliarden, 2018 dann wieder 8,4 Milliarden. Grund für die sinkenden Steuereinnahmen sind sowohl die fallende Fördermenge als auch der seit längerem niedrige Ölpreis.

Martin Næsby, geschäftsführender Direktor des Branchenverbandes Olie Gas Danmark, drängt auf Klarheit. Es gebe weiterhin einen Bedarf an Öl und Gas, zudem müsste die CO2 Lagerung im Untergrund (CCS) entwickelt werden.

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