Transportbranche

Spediteure verärgert: Aus Rastplätzen werden Parkplätze

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Rastplatz Autobahn (gekauft)
Abfahrt zum Rastplatz Bjøvlund an der Esbjerg-Autobahn. Foto: Jens Christian Top/Ritzau Scanpix

Die Hälfte der staatlichen Rastplätze soll herabgestuft werden. Undurchdacht, kritisiert der Branchenverband ITD – gut durchdacht, kontert die Straßenbehörde.

Bei den Spediteuren und Fernfahrern im Lande herrscht dieser Tage großer Unmut über die Straßenbehörde Vejdirektoratet. Der Grund: Auf 134 von 269 Rastplätzen an den staatlichen Straßen sollen sanitäre Anlagen, Bänke und andere Annehmlichkeiten entfernt werden. Dadurch, so die Behörde, könnten die übrigen Rastplätze besser in Schuss gehalten werden.

„Für die Speditionen sind Rastplätze absolut notwendige Ruheplätze an einem geschäftigen Arbeitstag. Unter anderem, weil die Fahr- und Ruhezeitgesetzgebung besagt, dass aus Rücksicht auf die Verkehrssicherheit feste Ruhezeiten eingehalten werden müssen“, sagt Lasse Kristoffersen, politischer Berater des Spediteurs-Branchenverbandes ITD.

Bereits jetzt würden viele Fernfahrer über mangelhafte Service-Angebote auf den Rastplätzen klagen, deshalb sei es ein Fehler, nun die Hälfte der staatlichen Rastplätze herabzustufen.

Kristoffersen wirft der Behörde Nachlässigkeit vor, wenn sie davon ausgeht, dass der Rückbau sich nicht bemerkbar machen werde. „Wir brauchen zukunftssichere Kapazitätspläne und durchgearbeitete Streckenanalysen des Kapazitätsbedarfes für Rastplätze entlang der Autobahnen und außerhalb des Autobahnnetzes“, fordert er. Der Lkw-Verkehr nehme schließlich rasant zu.

Behörde: Es gab ein Treffen – und generelles Verständnis

Bei der Straßenbehörde sind die Sorgen der Branche nicht unbekannt. Im November vergangenen Jahres wurden die Pläne den Interessenverbänden, darunter auch der ITD, präsentiert. „Auf dem Treffen gab es generelles Verständnis für die Logik hinter der geplanten Herabstufung. Aber selbstverständlich waren sie davon nicht begeistert“, teilt Vejdirektoratet-Abteilungsleiter Ivar Sande auf Anfrage des Nordschleswigers mit.

Die Verbände hätten sich dagegen ausgesprochen, dass die gesparten Mittel einfach von den Rastplätzen verschwinden. „Die Organisationen konnten die Herabstufungen aber unter der Bedingung akzeptieren, dass es keine Sparübung ist und dass die gesparten Mittel in die Aufwertung der übrigen Plätze gehen“, so Sande weiter.

Von der Möglichkeit, einen schriftlichen Kommentar zum Referat des Treffens beizufügen, habe die ITD damals keinen Gebrauch gemacht. Für die von der ITD geforderte Kapazitätsanalyse sieht er zudem keinen Bedarf – schließlich würden die Rastplätze nicht verkleinert, sondern lediglich in reine Parkplätze umgewandelt. Hingegen seien sämtliche Plätze auf ihre Lage hin analysiert worden, um den Service landesweit zu verbessern.

Über letzteren Aspekt freut sich der Autofahrer-Verein FDM. „Es ist gut, wenn das Geld effektiver eingesetzt wird“, sagt FDM-Sprecher Torben Kudsk zum Nordschleswiger. Doch Verständnis für die Spediteure habe er durchaus, zumal, weil viele die Fernfahrer zum Beispiel ob der Sperrzeiten für Schwertransporte nicht überall halten könnten. „Und es kann schließlich auch die Autofahrer betreffen, wenn die Rastplätze dann mit Lkws voll sind“, sagt er.

Gesetzesverschärfung bei der Parkdauer

„Das Wachstum beim Lkw-Verkehr ist in diesen Jahren deutlich. Deshalb muss und soll sichergestellt sein, dass das Gewerbe den nötigen Platz und die nötigen Einrichtungen zur Verfügung gestellt bekommt, die dafür sorgen, dass man seine Ruhezeiten einhalten kann, wenn das vorgeschrieben ist“, fordert Kristoffersen unterdessen.

Dem Rückbau vorausgegangen war unter anderem eine Gesetzesverschärfung, nach der es seit Juli in Dänemark verboten ist, dass Lkw länger als 25 Stunden auf einem Autobahnrastplatz stehen.

„Es ist nicht Aufgabe des Staates, dem Lkw-Gewerbe kostenlose Einrichtungen für den längeren Aufenthalt zur Verfügung zu stellen. Die Herausforderungen mit dem Langzeitparken muss die Branche selbst lösen“, so Dänemarks Transportminister Ole Birk Olesen (Liberale Allianz) im Juli.

Besonders ausländische Fernfahrer sollen mit dem Gesetz von Regierung und Dänischer Volkspartei (DF) getroffen werden. Der EU gefällt das Gesetz auch deshalb gar nicht: Dadurch würden EU-Ausländer und europäische Unternehmen in Dänemark diskriminiert, mahnt die EU-Kommission. Und ausländische Fahrer würden dadurch nicht genügend Ruhezeit bekommen, was sich negativ auf die Verkehrssicherheit auswirke.

Die Strafe für das Übertreten der 25-Stunden-Grenze soll von derzeit 500 auf 2.000 Kronen nach dem 1. Januar 2019 angehoben werden. Das Problem für die Branche: Die Fernfahrer müssen bis zu 45 Stunden Ruhezeit einhalten, das schreibt das Gesetz vor. Die Betroffenen müssen sich dann zwischen einer Strafe für Übertretung der Ruhezeiten und einer Strafe wegen Übertretung der Rastplatz-Zeitgrenze entscheiden. Wenn nun zahlreiche Rastplätze in reine Parkplätze ohne sanitäre und andere Anlagen umgerüstet werden, schränke dies die Möglichkeiten der Fernfahrer, ihre Ruhezeiten einhalten zu können, weiter deutlich ein, so die Kritik.

Doch die dänische Politik stellt sich quer. Auf den „staatlichen dänischen Rastplätzen bestimmen wir die Regeln“, so DF-Transportsprecher Kim Christiansen zu TV2. Laut Arbeitgeberverband Dansk Industri Transport arbeitet die Branche bereits daran, zu untersuchen, wie es möglich wäre, privatfinanzierte Rastplätze für Lkw-Fahrer zu schaffen.

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