Wildschweinzaun

Dänischer Boden ist dänischer Boden

Helge Möller
Helge Möller Journalist
Kopenhagen
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Foto: dpa

Was wäre, wenn ein Wildschwein, an afrikanischer Schweinepest erkrankt, am geplanten Wildschweinzaun stirbt, der auf dänischem Grund errichtet wird. Avisen spielt den Gedanken einmal durch.

In den kommenden Monaten wird ein bis zu 1,5 Meter hoher Metallzaun an der deutsch-dänischen Grenze errichtet, der Wildschweine von dänischem Territorium fernhalten soll. Diese übertragen die afrikanische Schweinepest und gefährden so den Exportmarkt des Königreiches für Schweinefleisch. Doch selbst wenn der sogenannte Wildschweinzaun infizierte Tiere abhält, könnten diese der Zeitung Avisen zufolge die Landwirtschaft in eine Exportkrise stürzen. Grund dafür ist der Zeitung nach die Tatsache, dass der Zaun auf dänischem Boden steht, an einigen Orten nicht nur zwei, drei Meter nördlich der Grenze, sondern einige 100 Meter, weil Moore und Seen ein grenznahes Aufstellen unmöglich machen.

Das Gedankenspiel, das ein totes, infiziertes Tier einen Meter hinter der Grenze großen wirtschaftlichen Schaden anrichten könnte, bekräftigt auch der Vizechef der Lebensmittelbehörde Stig Mellergaard gegenüber der Zeitung. Werde ganz Norddeutschland infiziert und ein deutsches Wildschwein wandere auf dänisches Territorium, bevor es auf den Zaun trifft, habe man offiziell einen Ausbruch der afrikanischen Schweinepest in Dänemark. Damit so Mellergaard weiter, sei Dänemark verpflichtet, den Exportmärkten mitzuteilen, dass Dänemark betroffen sei. „Sollte man ein infiziertes, totes Wildschwein am Zaun finden, müssen wir das den Behörden mitteilen. Wir können Deutschland nicht zur Verantwortung ziehen, selbst wenn es deren Wildschwein ist.“ Mellergaard rechnet in einem solchen Fall mit einem kurzzeitigen Einfuhrstopp der dänischen Exportländer, wenn man diesen Ländern den Fundort erklären könnte – aus dänischer Sicht vor dem Zaun. Eine Garantie gebe es aber nicht.

Sollte ein Ausbruch bekannt werden, werden Exporte außerhalb der EU unmöglich. Dem Umwelt- und Nahrungsmittelministerium nach könnten Verluste von bis zu 11 Milliarden Kronen im Jahr die Folge sein. Die Interessenorganisation Landbrug & Fødevarer sieht jedoch das beschriebene Gedankenspiel als unwahrscheinlich, den Zaun aber als notwendig an.

Unterdessen ist der Viehbestand eines dänischen Schweinezüchters in Litauen mit der afrikanischen Schweinepest trotz Sicherheitsmaßnahmen infiziert worden; 20.000 Schweine wurden getötet.

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