Wirtschaft

Dänische Wirtschaftsweise: Rasche Erholung in Sicht

Dänische Wirtschaftsweise: Rasche Erholung in Sicht

Dänische Wirtschaftsweise: Rasche Erholung in Sicht

Kopenhagen
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Carl-Johan Dalgaard ist Wirtschaftsprofessor an der Universität Kopenhagen und Vorsitzender des Rates der Wirtschaftsweisen. Foto: Niels Ahlmann Olesen / Ritzau Scanpix

Der Sachverständigenrat „Det Økonomiske Råd“ erwartet nach BNP-Minus von 4,5 Prozent 2020 im kommenden Jahr ein Plus von 5,5 Prozent. Bei Zahl der Arbeitslosen erwarten Experten einen Rückgang von 150.000 in diesem Jahr auf 116.000 im Jahr 2021.

Der Rat der Wirtschaftssachverständigen, Det Økonomiske Råd, der laufend die Finanzpolitik von Regierung und Folketing unter die Lupe nimmt, hat angesichts der Folgen der Coronakrise ein Gutachten zu den wirtschaftlichen Konsequenzen in Dänemark erarbeitet. Angesichts der relativen geringen Verbreitung der Coronaviren gehen die auch als Wirtschaftsweisen bezeichneten Fachleute des Gremiums nach dem plötzlichen wirtschaftlichen Einbruch in diesem Frühjahr bereits im kommenden Jahr von einer deutlichen Erholung in Dänemark aus.

Negative Wirkung auf Arbeitsmarkt bis 2021

„Wir kommen zur Einschätzung, dass es eine reelle Möglichkeit gibt, dass die dänische Volkswirtschaft sich nach dem gewaltigen Einbruch relativ rasch erholt. Die Wiederöffnung läuft gut und der Konsum erholt sich auch schnell. Dennoch gehen wir von einer negativen Wirkung auf den Arbeitsmarkt bis ins Jahr 2021 aus – und wahrscheinlich noch länger“, so der „Oberweise“ Carl-Johan Dalgaard. Es könne allerdings auch zu einem ungünstigeren Verlauf kommen.

Laut Prognose erwarten die Sachverständigen ein Minus beim dänischen Bruttonationalprodukt (BNP) in diesem Jahr in Höhe von 4,4 Prozent. Im kommenden Jahr 2021 könnte der Verlust schon ausgeglichen werden, mit einem erwarteten BNP-Wachstum in Höhe von 5,5 Prozent. Bei der Arbeitslosigkeit gehen die Fachleute von 150.000 ohne Job in diesem Jahr aus. Im kommenden Jahr wird ein Rückgang auf 116.000 erwartet.

Bei negativem Verlauf bis zu 232.000 Arbeitslose

Bei einem negativeren Verlauf könnte es in diesem Jahr bis zu 232.000 Arbeitslose geben und 7,5 Prozent Negativwachstum. In einem solchen Fall würde die Erholung 2021 ebenfalls weniger intensiv sein. Kritisch bewerten die Wirtschaftsfachleute, dass die Regierung und die meisten Parteien im Folketing bereits vor Auslaufen der diversen Hilfspakete Maßnahmen zur Ankurbelung des Privatkonsums ergreifen.

Minus in öffentlichen Finanzen

Das Antikrisenengagement der öffentlichen Hand wird laut Expertenvotum in diesem Jahr zu einem Defizit der öffentlichen Finanzen in Höhe von 8 Prozent des BNP. Im kommenden Jahr könnte das Minus noch 1,7 Prozent des BNP erreichen. Carl-Johan Dalgaard erklärt, dass sich Dänemark die Hilfspakete leisten könne. Jetzt bewähre sich, dass man auf gesunde Staatsfinanzen gesetzt habe. Die vorzeitige Auszahlung von bisher „eingefrorenem“ Urlaubsgeld begrüßen die Sachverständigen.

Nein zu Mehrwertsteuersenkung

Sie lehnen Maßnahmen wie eine zeitweilige Mehrwertsteuersenkung, Vorziehen öffentlicher Investitionen und Ankurbelung der „grünen Umstellung“ aktuell ab. Belastet werde die dänische Volkswirtschaft durch einen Rückgang der Exporte in diesem Jahr um 12 Prozent. Bei einem umstrittenen Thema, gemeinschaftlichen Schulden der EU-Staaten, heißt es von den Wirtschaftsweisen, dass ein solches Vorgehen Dänemark nützen könnte, da damit hart von der Coronakrise betroffene Länder rascher wieder auf die Beine kommen könnten.

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