Arbeitskraftmangel

Cepos: Niedrigere Lohngrenze für Einwanderer bringt nur wenig

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Mads Lundby Hansen Foto: Cepos

Nur rund 1.200 Menschen würden nach Dänemark kommen, wenn die Lohngrenze für die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis in dem Maße gesenkt wird, das Venstre vorschlägt. Das hat das Finanzministerium laut Denkfabrik Cepos berechnet.

Die Maßnahme, die Untergrenze für die Löhne von Nicht-EU-Bürgern von 418.000 auf 330.000 Kronen im Jahr zu senken, bringt nicht genug. Das meint der Chefökonom der bürgerlich-liberalen Denkfabrik Cepos.

Mads Lundby Hansen verweist auf Berechnungen des Finanzministeriums, laut denen so nur 1.200 Bürger aus Nicht-EU-Ländern nach Dänemark kommen würden. Und das, sogar ohne die von Venstre vorgesehene Begrenzung auf Bürger aus nur zwölf Ländern weltweit.

Kürzlich hatte Regierungschef Lars Løkke Rasmussen (Venstre) vorgeschlagen, dass die Ausnahme von 330.000 Kronen Mindestgehalt nur für Bürger aus „hochentwickelten Ländern“ wie die USA, Indien, China, Singapur, Australien, Kanada, Japan, Brasilien, Malaysia, Thailand, Mexiko und Russland gelten soll. Außenminister Anders Samuelsen (Liberale Allianz) hatte das scharf kritisiert. Vor allem solle so muslimische Einwanderung verhindert werden, sagte er in Ugebrevet A4, dies könne nicht liberale Politik sein.

Cepos will noch niedrigere Grenze – und „Efterløn“ ganz abschaffen

Die Sozialdemokraten, die Dänische Volkspartei, die Volkssozialisten und die Einheitsliste hatten zuvor die Lohngrenze auf 418.000 Kronen angehoben. Sie befürchten ein Lohndumping, wenn Nicht-EU-Bürger in Dänemark für 27.500 Kronen arbeiten dürfen.

Das Finanzministerium legt seinen Berechnungen zugrunde, dass Ausländer aus allen Ländern der sogenannten Dritten Welt zum Gehalt der Lohngrenze arbeiten würden. „Die Erwartungen an die Wirkung des Vorschlages ist deshalb noch niedriger“, so Hansen.

Er würde die Untergrenze auf 225.000 Kronen senken wollen – den Bereich, auf dem der dänische Mindestlohn in den Tarifverträgen liegt. Doch auch das würde den Mangel an Arbeitskraft in Dänemark nicht beseitigen, sagt er. „DI (Der Arbeitgeberverband Dansk Industri, Red.) schätzt, dass es circa 45.000 unbesetzte Stellen gibt. Wenn man den mangel an Arbeitskraft angehen will, muss man auf traditionelle Arbeitsmarktreformen zurückgreifen“, sagt er. Zum Beispiel solle die Vorruhestandsregelung „Efterløn“ komplett eingestellt werden. Das würde 30.000 Menschen mehr bis 2025 in Arbeit bringen, so Hansen.

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