Fachkräftenachwuchs

Berufsausbildung stößt auf wenig Interesse

Ritzau/hm
Kopenhagen
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Eine Reform sollte 2015 mehr junge Leute für eine Berufsausbildung begeistern anstelle einer gymnasialen Ausbildung. Doch der Trend zeigt in eine andere Richtung.

Seit der Berufsschulreform im Jahr 2015 ist die Zahl der dortigen Schüler stark gesunken, berichtet die Zeitschrift „Information“ und beruft sich dabei auf Zahlen des Bildungsministeriums. Diese zeigen, dass in den Jahren 2014 bis 2017 27 Prozent weniger Schüler eine Ausbildung begannen. Ziel der Reform war es, mehr junge Leute für eine Berufsausbildung zu begeistern. Peter Koudahl, Wissenschaftler am nationalen Forschungs- und Analysezentrum für Wohlfahrt (VIVE) blickt voller Sorgen auf diese Entwicklung; er untersucht in einem Forschungsprojekt des Bildungsministeriums die Wirkung der Reformen. Zu Information sagte er, die Zahlen sollten ein Weckruf für die Politiker sein, die die Reform beschlossen hatten.

Im Frühjahr hatten sich 0,9 Prozent mehr Schülerinnen und Schüler nach ihrer basalen Schulausbildung für eine Ausbildung entschieden. Der zuständigen Ministerin Merete Riisager (Liberale Allianz) und dem Staatsminister Lars Løkke Rasmussen nach war damit die negative Entwicklung gestoppt. Peter Koudahl widerspricht dem. Die Steigerung sei nahezu unbedeutend.

Die Anforderungen in den Fächern Dänisch und Mathematik wurden im Zuge der Reform erhöht. Dies sollte mehr Schüler dazu bewegen, statt einer gymnasialen Ausbildung eine berufliche zu wählen. Dies sei nicht gelungen, resümiert Lars Kunov, Direktor der dänischen Berufsschulen und Gymnasien. Seinen Worten nach hat es teilweise gar keine Bewerbungen aus Schulen, die Basiswissen vermitteln, gegeben, zudem habe es zu viele gegeben, die an den Anforderungen scheiterten.

Bildungsministerin Merete Riisager räumt in Information ein, einige der jungen Leute hätten nach der Reform die Möglichkeit, eine Berufsschule zu besuchen, verworfen. Im Ganzen betrachtet habe man aber die Aufgabe gelöst, auch wenn es noch viel zu tun gebe.

Dem widerspricht die Einheitsliste. Deren bildungspolitischer Sprecher ist der Auffassung, dass viele junge Leute die Anforderungen nicht erfüllen können. Die Regierung müsse nun diese aufheben und den praktischen Teil einer Ausbildung in einem Unternehmen garantieren.

Mitte September will die Regierung einen Vorschlag präsentieren, der mehr junge Leute in eine Berufsausbildung bringen soll.

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