Arbeitsmarkt

150.000 Arbeitnehmer bekommen Krisen-Lohn – ohne Jobgarantie

150.000 Arbeitnehmer bekommen Krisen-Lohn – ohne Jobgarantie

150.000 Arbeitnehmer bekommen Krisen-Lohn – ohne Jobgarantie

cvt/Ritzau
Kopenhagen/Apenrade
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Peter Hummelgaard
Beschäftigungsminister Peter Hummelgaard freut sich darüber, dass viele Unternehmen von den Hilfspaketen Gebrauch machen. Foto: Ida Guldbæk Arentsen/Ritzau Scanpix

Mehr als doppelt so viele wie erwartet sind in Folge der Corona-Krise mit vollem Lohn nach Hause geschickt worden. Die Maßnahme zeige Wirkung, loben Ökonomen. Doch es ist längst nicht sicher, ob alle Betroffenen ihre Arbeit auch nach der Krise behalten können.

Die Corona-Krise hat viele Unternehmen in Dänemark schwer getroffen. Die Möglichkeit, Angestellte bei voller Lohnfortzahlung, zum Großteil staatlich abgedeckt, nach Hause zu schicken, haben entsprechend viele Unternehmen dankend angenommen.

Wie eine Berechnung der Gewerbebehörde zeigt, sind 150.000 Jobs von dem Hilfspaket umfasst.

„Es ist wirklich stark und positiv, dass 150.000 Dänen mit vollem Lohn von der Arbeit nach Hause geschickt wurden, in einer Zeit, wo es ansonsten für sie keine Arbeit gibt“, sagt Beschäftigungsminister Peter Hummelgaard (Soz.).

Er will sich jedoch nicht festlegen, wie viele zusätzliche Jobs durch die am Wochenende beschlossene Verlängerung der Regelung vorerst gesichert werden können.

„Das ist schwer einzuschätzen, da wir uns jetzt in einer Periode befinden, in der wir uns langsam wieder öffnen. Einige werden zur Arbeit zurückkehren und andere werden beginnen, von der Regelung Gebrauch zu machen“, sagt er.

Keine Verpflichtungen für die Zeit danach

Unternehmen, die von der Lohnausgleichs-Maßnahme profitieren, dürfen im betreffenden Zeitraum keine Mitarbeiter entlassen. Doch eine Garantie dafür, was danach geschieht, gibt es nicht, heißt es seitens der Arbeitgeberorganisation Dansk Industri (DI).

„Es gibt keine Verpflichtungen zu irgendetwas danach. Deshalb kann es durchaus passieren, dass einige der Unternehmen, die Hilfe bekommen, nachher feststellen müssen, dass es leider nicht gereicht hat“, sagt DI-Vizedirektor Steen Nielsen.

Auch der Wirtschaftswissenschaftler Torben M. Andersen, Professor an der Universität Aalborg, unterstreicht, dass der Lohnausgleich keine Jobgarantie darstellt.

„Aber die Regelung hat Wirkung gezeigt, weil es die Absicht war, dass die Leute Kontakt zu ihrem Job behalten sollten, anstatt gefeuert zu werden. Selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass sie gebraucht werden, aber das ist eben nicht gesichert“, sagt Andersen.

Zahl deutlich größer als angenommen

Als die Regierung die Regelung am 15. März erstmals vorstellte, wurde damit gerechnet, dass sie 70.000 Angestellte umfassen würde.

„Es sagt etwas über die Tragweite der Krise, dass die Zahl größer ist als erwartet“, sagt Andersen. „Aber es bedeutet auch, dass die Alternative gewesen wäre, dass die meisten entlassen worden wären, mit allen Konsequenzen und der Unsicherheit, die das mit sich führt.“

Laut Beschäftigungsministerium hat es trotz diverser Hilfspakete im Zuge der Corona-Krise bisher 45.558 Arbeitslose zusätzlich gegeben.

Der Beschäftigungsminister wertet es als Erfolg, dass die Arbeitslosigkeit derzeit nicht noch weiter angestiegen ist. Doch es komme, so sagt er, eine große Aufgabe am Ende der Krise auf die Gesellschaft zu, wenn es heißt, die zusätzlichen Arbeitslosen wieder in Arbeit zu bringen.

Laut Troels Kromand Danielsen, Chefökonom der Bank Nykredit, entsprechen die 150.000 Angestellten, für die die Unternehmen derzeit Lohnausgleich beziehen, 7,5 Prozent der gesamten Arbeitnehmerschaft im Privatsektor.

Auch er sieht noch nicht alle Jobs auch längerfristig gesichert. „Selbst wenn wir in Dänemark wieder auf die Füße kommen, werden einige unserer großen Exportmärkte weiterhin geschlossen bleiben. Das bedeutet, dass Unternehmen, die exportieren, nicht wieder in Gang kommen können“, sagt er.

Maßnahmen bis 8. Juli verlängert

Am Sonnabend haben sich sämtliche Folketingsfraktionen darauf geeinigt, die existierenden Hilfspakete zur Corona-Krise zu verlängern und auszuweiten.

Die Regelung zum Lohnausgleich ist somit bis zum 8. Juli gültig. Sie sieht vor, dass Unternehmen, die ansonsten mindestens 30 Prozent der Belegschaft oder mehr als 50 Mitarbeiter entlassen würden, einen Großteil der Löhne für Mitarbeiter vom Staat ausgeglichen bekommen, wenn sie die Mitarbeiter nicht entlassen und ihnen weiterhin den vollen Lohn zahlen. Bis zu 30.000 Kronen monatlich übernimmt der Staat pro Mitarbeiter.

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