Diese Woche in Kopenhagen

„Die lästigen Minks“

Die lästigen Minks

Die lästigen Minks

Kopenhagen
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Kommenden Donnerstag wissen wir, wie eine Kommission die Verantwortung für die illegale Tötung aller dänischen Minks verteilt. Es gibt scharfe Kritik, aber die Regierung wird es wohl überleben, so die Einschätzung von Walter Turnowsky. Außer es kommt doch alles anders.

Hoppla, was war das, was da vor der Pressekonferenz über die Gänge des Staatsministeriums huschte? Ich habe es nur aus dem Augenwinkel gesehen, aber mir kommt vor es war ein Mink (auch Amerikanischer Nerz oder Neogale vison genannt).

Dabei sollten die doch alle tot sein. Das hatte Mette Frederiksen bereits vor eineinhalb Jahren, am 4. November 2020, gesagt: alle Minks totmachen.

Aber irgendwie wollen die sich anscheinend mit dem eigenen Tod nicht so recht abfinden. Kaum hatte man sie in einem militärischen Übungsgelände verscharrt, drangen sie schon wieder an die Oberfläche und verbreiteten üble Gerüche.

Bericht am Donnerstag

Seither sind sie immer wieder zu den ungelegensten Zeitpunkten aufgetaucht und haben die gute Stimmung in den Regierungskontoren gestört. Schon nervig, mit diesen Biestern.

Und die untoten Minks werden am kommenden Donnerstag Justiz-, Nahrungsmittel- und Staatsministerium in stärkster Aufstellung wieder heimsuchen. Da wird uns nämlich eine Kommission erklären, wie es zum Minktöten kam, ohne dass man das so richtig durfte. Zumindest hat sie versucht, der Sache auf den Grund zu gehen.

Daher huschen die Minks bereits jetzt wieder durch die Gegend, und einige von ihnen haben offenbar Journalisten von „Weekendavisen“ den größten Teil des Entwurfs des Kommissions-Berichts zugetragen.

Demnach schreibt die Kommission: „Das Staatsministerium hat bei dem Vorgang sehr kritisierbar (meget kritisabel) gehandelt, welches zu grober Täuschung (grov vildledning) der Minkzüchter und der Öffentlichkeit und zu der eindeutig illegalen Anordnung der Behörden in Zusammenhang mit der Pressekonferenz am 4. November 2020 führte.“

Scharfe Kritik ganz oben angesiedelt

Wer mit Kommissions-Dänisch nicht ganz vertraut ist, der solle wissen, dass „meget kritisabel“ und „grov vildledning“ auf der Kritik-Skala ziemlich weit oben angesiedelt sind. Noch weiter oben ist „særdeles kritisabel“, und die Zensur soll das damalige Umwelt- und Nahrungsmittelministerium laut „Weekendavisen“ bekommen.

Allerdings musste der damalige Nahrungsmittelminister (Mogens Jensen heißt er, falls jemand das vergessen haben sollte) keine zwei Wochen nach der famosen Pressekonferenz zurückgetreten, weil die Unterstützerparteien die Reißleine gezogen hatten.

Und weil man jemanden nicht nach seinem Rücktritt auch noch kündigen kann, sind die Minks jetzt immer häufiger im Staatsministerium anzutreffen. Die Juristinnen und Juristen der Kommission kommen auch zu dem Ergebnis, dass der Beschluss von hier aus gelenkt wurde. Und damit hätte man auch das zuständige Ministerium fragen müssen, ob man die Tötung aller Minks überhaupt anordnen darf.

Hoffen auf Unterstützung durch Unterstützer

Daher huscht es jetzt auch auf den Gängen der Unterstützerparteien. Allerdings sind es nicht Minks, sondern sozialdemokratische Politikerinnen und Politiker, die hier huschen. Sie wollen die Stützräder der Regierung überzeugen, dass Mette in gutem Glauben war, zum Besten des Landes gehandelt habe, in der Eile das Detail mit der Rechtsgrundlage übersehen habe und dass man außerdem gemeinsam noch so viel Gutes vorhat. Sprich: bitte Falschschirm statt Reißleine.

Ob das Manöver glücken kann, hängt davon ab, was im Kommissionsbericht über die persönliche Verantwortung der Chefin stehen wird. Der Teil ist nämlich nicht an „Weekendavisen“ durchgestochen worden. Allerdings dürften die Boten, die bei den Unterstützern unterwegs sind, meinen, dass die sprichwörtliche rauchende Pistole im Bericht nicht vorkommt.

Die Opposition hat ihr Pulver bereits verschossen, als sie vor gut einem Jahr für einen Bürgervorschlag stimmte, Mette Frederiksen vor ein Reichsgericht zu stellen.

Als die Støjberg-Kommission ihren Bericht abgab, forderten die Radikalen und die Einheitsliste eine Beurteilung durch Juristen, welches bekanntlich in einem Verfahren und einer Verurteilung endete. Bislang wollen sie eine solche juristische Einschätzung des Mink-Berichts nicht unterstützen.

Die politischen Wahrsagerinnen und Wahrsager sehen daher in ihren Kristallkugeln bislang kein Reichsgerichtsverfahren heraufziehen. Aber wie gesagt, die Minks haben sich bislang als deutlich zäher herausgestellt, als man annehmen sollte. Daher sollte man nichts von vorneherein ausschließen.

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