Diese Woche in Kopenhagen

„Von Lust und Unlust auf Christiansborg“

Von Lust und Unlust auf Christiansborg

Von Lust und Unlust auf Christiansborg

Kopenhagen
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Walter Turnowsky wirft einen leicht ironischen Blick auf die politischen Ereignisse der vergangenen Woche. Dafür, dass er an dieser Aufgabe Freude gehabt hat, entschuldigt er sich sicherheitshalber schon mal.

Arbeit darf nun doch Spaß machen, sogar jungen Menschen. Das stellte Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) klar, nachdem Äußerungen von ihr auf boshafte Weise anders ausgelegt worden waren.

Als sie auf einer Pressekonferenz bekannt gab, das Arbeitslosengeld für Studienabgänger zu kürzen, sagte sie, man solle mit dem „hartnäckigen Mythos aufräumen“, Arbeit müsse „lustbetont“ sein. Das sei nachher dahingehend übersetzt worden, dass es nicht Spaß machen dürfe, zur Arbeit zu gehen, junge Menschen ihre Träume nicht verfolgen dürften, schreibt Frederiksen auf Facebook.

Bei derartigen Übersetzungsfehlern, das muss man schon verstehen, versteht die Staatsministerin keinen Spaß und stellt richtig, zumindest manchmal darf einem die Arbeit schon Freude bereiten. Nur, und hier spielt sie wieder auf die Mythosverbreiter an, es könne halt nicht immer nur lustig sein. Und das gilt offensichtlich auch für das politische Geschäft, denn Frederiksen schreibt in der ersten Person Mehrzahl.

Løkke und sein neuer Stamm

Ob ihr Vorgänger, Lars Løkke Rasmussen, mit ihr in dieser Frage einig ist, wissen wir nicht. Wir wissen allerdings, dass er kein Kind von Traurigkeit ist und es sich gerne mal gutgehen lässt, vor allem wenn andere zahlen.

Doch nicht nur bei der Frage „Spaß bei der Arbeit“ ist ein wenig unklar, was der ehemalige Venstre-Häuptling eigentlich meint. Aber immerhin ist er nun Oberhaupt eines neuen Stammes, der sich spätestens in zweieinhalb Jahren in das Wahlkampfgetümmel stürzen wird. Bis dahin werden dann wohl auch die übrigen Krieger sowie ein Parteiprogramm aus den Verstecken aufgetaucht sein.

Unterschiedliche Erinnerungen

Ein anderes ehemaliges Mitglied des Venstre-Stammes hat derzeit gar keine Zeit, eine Politik zu formulieren. Inger Støjberg ist nämlich anderweitig beschäftigt und musste in der vergangenen Woche bohrende Fragen der Anklägerin im Reichsgericht beantworten.

Bis Ende November muss sie dort noch den größten Teil ihrer wachen Zeit verbringen. Vielleicht hat Frederiksen ja an so eine Situation gedacht, als sie schrieb: „Die meisten von uns werden Mühsal und Stöße erleben.“ Zumindest darf man annehmen, dass es für die Ex-Ministerin nicht lustbetont ist, sich anhören zu müssen, dass etliche der ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so vollkommen andere Erinnerungen haben als sie selbst.

Kein Bock auf Herning

Ob Kristian Thulesen Dahl Lust hat, am Wochenende nach Herning zum Kongress der Dänischen Volkspartei zu fahren, ist ebenfalls fraglich. Denn ganz gleich wie häufig und deutlich er ermahnt hat: Streitlustige Parteimitglieder wollen einfach nicht die Klappe halten.

Dabei hat sich der einstige Erfolg der Volkspartei auf zwei Säulen gestützt: eine harte Ausländerpolitik und eine noch straffere Parteidisziplin. Die Ausländerpolitik haben ihm andere geklaut, und in Sachen Disziplin ist man schon fast bei jener Fortschrittspartei angekommen, die Pia Kjærsgaard und Kristian Thulesen Dahl vor mehr als 25 Jahren verlassen haben, weil sie von den ewigen Streitereien die Nase voll hatten.

Spaß an der Situation können nur Personen haben, die dem zur Völkchenpartei geratenen Verein nicht wohlgesonnen sind. Da es jedoch immer genug Menschen gibt, die sich am Unglück anderer ergötzen, werden so einige schon die Popcornschüsseln bereitgestellt haben.

Die Sache mit dem Elternurlaub

Bei dem ganzen politischen Geplänkel hätte ich fast vergessen, dass in dieser Woche auch etwas verabredete wurde, das für die Menschen im Land tatsächlich von Bedeutung ist: Der Gewerkschaftsbund und die Arbeitgeber haben abgesprochen, dass zukünftig mehr Elternurlaub für die Papas reserviert wird.

Aber anscheinend haben nicht alle Papas Bock darauf, elf Wochen mit dem Nachwuchs zu Hause zu verbringen. Zumindest haben sich einige fast so lautstark zu Wort gemeldet, wie es von dem kommenden Nachwuchs zu erwarten ist. Doch vielleicht sind die Lautesten auch jene, die sich für die Fürsprecher der Papas halten.

Andere erhoffen sich, dass die Mamas mit der Absprache zukünftig häufiger Direktorinnen und Professorinnen werden, sofern sie dazu Lust haben. Wobei, und hier beziehe ich mich wiederum auf die Regierungschefin, man dem Vernehmen nach auch in diesen Jobs nicht den ganzen Tag lang nur zu lachen hat.

Ich aber habe zumindest an meinem Job, und da lasse ich mir auch von keiner Staatsministerin reinreden, mehr Spaß als das Gegenteil. Und in diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Wochenende.

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