Diese Woche in Kopenhagen

„Monologe statt Antworten“

Monologe statt Antworten

Monologe statt Antworten

Kopenhagen
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Kopenhagen-Korrespondent Walter Turnowsky ist zwar nicht Dr. Grenzland, aber dennoch „der mit den Grenzfragen“. Diese Woche kam er jedoch mit seinen Fragen ebenso wenig dran wie die junge Reporterin von „Børneavisen“.

Am Mittwochvormittag geht alles plötzlich ganz schnell. Nachdem die Parteien am Vorabend bis in die späte Nacht über die Wiedereröffnung verhandelt haben, kommt bereits nach zwei Stunden Verhandlung die Pressemitteilung: Es gibt ein Ergebnis, „Doorstep“ mit dem Gesundheitsminister, dem Justizminister und der Unterrichtsministerin in einer halben Stunde.

Schnell eine erste Eilmeldung verfasst, und dann ab durch die langen Gänge der „Burg“ zur Tür des Landstingssaals. Verwunderung unter den Christiansborg-Journalisten: diesmal keine Mette-Pressekonferenz?

Zurück ins Büro, dabei daran denken, den Laptop wieder mitzunehmen und dann die Eilmeldung aktualisieren: Schulen in Nordschleswig dürfen nicht weiter aufmachen.

Dann kommt doch die Ankündigung einer Pressekonferenz mit der Staatsministerin, wie üblich am frühen Abend zur besten Sendezeit. Sie will schließlich möglichst viele Menschen erreichen.

Ich mache etwas früher Schluss, damit ich zu Hause vor der Pressekonferenz (PK im Journalistenslang) noch eine Verschnaufpause einlegen kann.

Bevor ich mich wieder auf das Rad schwinge, bereite ich schon einmal den Artikel vor. Man will schließlich nach Beginn der PK schnell sein. Auch die Überschrift – und ich hoffe, liebe Leserinnen und Leser, diese Information kann unter uns bleiben – schreibe ich bereits „Mette F.: Wir müssen noch durchhalten“. Ich brauchte sie nachher nicht zu ändern.

Dann noch eben beim Schnelltestzentrum vorbei, denn das ist deutliche Empfehlung in der Pressemitteilung.

Ich warte noch eben das Test-Ergebnis ab und gehe dann ins Staatsministerium. Die Pressekonferenzen laufen jetzt wieder über Videoschaltung. Wir werden – das kennen wir schon – in einen Gang unterhalb des Spiegelsaals geführt. Im Raum mit der Kamera befinden sich die Journalisten, die die ersten Fragen stellen werden. Im Gang davor eine Reihe Stühle mit dem Abstand von zwei Metern. Nachdem ein Kollege gefragt hat, rücken alle einen Stuhl vor.

Wir, die zuletzt angekommen sind, landen in einer Kantine. Wir sind mehr als fünf Personen.

„Wirst du zur Grenze fragen?“, kommt es von einem Kollegen. Ich bin zwar nicht Dr. Grenzstein (Er schlägt sich derzeit mit den Regeln für Impfungen und Tests bei Grenzpendlern rum), aber eben doch „der mit den Grenzfragen“.

„Schon möglich“, lautet meine Antwort. Schließlich sind am Nachmittag die Reiseregeln bis nach Ostern verlängert worden, am Tag nachdem die EU-Kommission eben diese Regeln kritisiert hat. Aber auch die Frage, wann alle Kinder in Nordschleswig wieder in die Schule dürfen, ist interessant. Ich entscheide mich meist erst im Lauf der PK.

Eine Pressemitarbeiterin des Staatsministeriums kommt in die Kantine. Die PK ist auf eine Stunde begrenzt, und es seien 22 Journalisten gekommen. Wir sollten uns also bitte kurzfassen.

40 Minuten lang dauerten die Beiträge der Regierungschefin und ihrer vier Gefolgsleute. Da blieb für Fragen nur wenig Zeit. Foto: Jens Dresling/Ritzau Scanpix

Nur hatte sie scheinbar vergessen, dies den Regierungs- und Behördenvertretern auch zu sagen. Die agierten eher nach dem Motto, je weniger Inhalt, desto mehr Worte. Denn sämtliche zentralen Informationen waren ja bereits am Vormittag bekannt gegeben worden.

Es sind 40 Minuten der Stunde vergangen, als der Direktor des Serum Instituts, Henrik Ullum, als Letzter mit seinem auch nicht gerade kurzen Beitrag fertig wird. In meinem Artikel ist lediglich vermerkt, dass er anwesend war.

Der Konsens in der Kantine: Wir werden nicht mehr drankommen.

Brian Weichert von „Ekstra Bladet“ darf die letzten zwei Fragen stellen.

„Ich möchte nur sagen, hinter mir sitzen noch sehr viele Journalisten“, bemerkt er. 13, um exakt zu sein. Weichert lässt die Staatsministerin bei seiner zweiten Frage sich eine von zwei Fragen aussuchen, da ja nun nicht mehr alle Fragen beantwortet werden könnten. Sie wählt die leichtere.

Die Reporterin von „Børneavisen“ ist eine von denen, die bei der „Staatsministerin der Kinder“ nicht drankamen. Dabei hatte das junge Mädchen vor der PK ihre Fragen noch einmal gründlich geübt.

Doch man sollte schon Verständnis dafür zeigen, dass die Staatsministerin keine Zeit hat, in aller Ewigkeit lästige Fragen von Journalisten zu beantworten. Sie hat viel um die Ohren. Zum Beispiel muss sie neue Facebook-Einträge darüber schreiben, womit sie ihr Schwarzbrot belegt. Wir sind schon gespannt, ob es wieder Makrele in Tomate ist, oder nächstes Mal doch „trestjernet spegepølse“.

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