Covid-19

Corona-Pass öffnet die Tür zur Normalität einen Spalt breit

Corona-Pass öffnet die Tür zur Normalität einen Spalt breit

Corona-Pass öffnet die Tür zur Normalität einen Spalt breit

Ritzau/nb
Kopenhagen
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Mit ausreichendem Abstand zueinander und Mund-Nasen-Schutz präsentiert die Regierung zusammen mit den Wirtschaftsverbänden „Dansk Erhverv“ und „Dansk Industri“ am Mittwoch einen Plan für einen künftigen Corona-Pass, der zur Öffnung der Gesellschaft beitragen soll. (Archivfoto) Foto: Martin Sylvest/Ritzau Scanpix

In wenigen Monaten soll Dänemark einen Corona-Pass bekommen. Wirtschaft und Reisebranche jubeln, aber eine der Stützparteien der Regierung macht sich Sorgen, dass ein solcher Pass die Menschen indirekt zur Impfung zwingt.

Die Corona-Krise hat die Tür zugestoßen zu Fußballspielen mit Tausenden an Zuschauern, Konzerten oder Reisen ins Ausland. Doch die dänische Regierung hat mit der Arbeit an einem digitalen Corona-Pass begonnen. Dabei arbeitet sie mit den Wirtschaftsvereinigungen „Dansk Erhverv“ und „Dansk Industri“ zusammen. Dies weckt Hoffnungen auf einen normaleren Sommer, als dies im vergangenen Jahr der Fall war.

Nach den Plänen der dänischen Regierung soll der Pass zunächst unter sundhed.dk liegen und damit unter der gleichen virtuellen Adresse, bei der man auch das Ergebnis seines Corona-Tests bekommt. Man wird somit nachweisen können, dass man gegen Corona geimpft ist, sofern man beide Impfdosen verabreicht bekommen hat.

App-Lösung in drei bis vier Monaten erwartet

In drei bis vier Monaten soll die technische Lösung für den Corona-Pass fertiggestellt sein, sodass dieser dann auch als App angeboten werden kann. Der genaue Zeitpunkt steht jedoch noch nicht fest.

Noch sei es zu früh, genau zu sagen, was der Pass an Möglichkeiten bieten wird, erzählt der amtierende Finanzminister Morten Bødskov (Soz.). Dies hänge vom aktuellen Infektionsgeschehen ab.

„Es geht darum, technische Lösungen zu finden, sodass wir wieder Möglichkeiten im Kulturleben und in der dänischen Gesellschaft bekommen. Und dass die, die beispielsweise aus geschäftlichen Gründen reisen müssen, dafür die Möglichkeit bekommen“, sagt er auf einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Zuversicht bei Reiseunternehmen und Wirtschaftsverbänden

Unter den Reiseunternehmen blickt man zuversichtlich auf die Möglichkeiten, die ein Corona-Pass eröffnet. Neben Reisemöglichkeiten macht sich die Branche auch Hoffnungen auf die Wiederöffnung von Messen, Events, Konferenzen und Konzerten. Weitere Erwartungen ruhen auf einer möglichen internationalen Verankerung des Corona-Passes.

Beim Wirtschaftsverband „Dansk Erhverv“ hat man eine Untersuchung zu den Erwartungen an einen Corona-Pass durchgeführt.

Demnach erhofft sich jedes dritte befragte Unternehmen, dass ein Pass die Umsätze wieder steigern kann, vor allem in Hinblick auf die vielen Unternehmen, die derzeit aufgrund der Restriktionen geschlossen sind, erklärt Direktor Brian Mikkelsen. „Dies wird etwas Hoffnung geben und Licht am Ende des Tunnels für sehr viele dänische Unternehmen.“

Skepsis bleibt

Jedoch sind nicht alle von der Idee eines Corona-Passes begeistert.

Kirsten Normann Andersen von den Volkssozialisten macht sich Sorgen, dass ein Corona-Pass dazu führt, dass sich die Bürger indirekt unter Druck gesetzt fühlen, sich impfen zu lassen. Allerdings wisse man noch nicht genau, welche Möglichkeiten der Pass eröffnen würde.

„Wenn der Pass eine Voraussetzung dafür wird, dass man ein Restaurant besuchen kann, wird das auch die Möglichkeiten begrenzen, die man hat, um ein normales Leben zu führen. Es gibt verhältnismäßig viele, die nicht geimpft werden können, und dies kann zu einer Marginalisierung führen.“

Kirsten Normann Andersen verweist unter anderem auf Schwangere, Personen mit bestimmten Erkrankungen und Kinder.

Außerdem erinnert sie daran, dass es noch immer unsicher sei, inwieweit man nach einer Impfung gegen das Corona-Virus dennoch erneut angesteckt werden kann und damit das Virus selbst weiterverbreitet, ohne dass man unter Krankheitssymptomen leidet.

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Leitartikel

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
„Der Mensch – der schlechte Freund des Hundes“