Dansk-tysk med Matlok

„Bitte, ein Weißbier“ will der Vorsitzende nicht schlucken

„Bitte, ein Weißbier“ will der Vorsitzende nicht schlucken

„Bitte, ein Weißbier“ will der Vorsitzende nicht schlucken

DN
Kopenhagen
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Matloks Interview an ungewohnter Stelle: im Schrebergarten von Steen Bille auf Amager Foto: DK4

Vorsitzender der Gesellschaft „Dansk-Tysk Selskab“ spricht auf DK4 über 50 Jahre und weiterhin notwendige Aufklärung.

Der Vorsitzende von „Dansk-Tysk Selskab“, der Kopenhagener Schriftsteller und Dramaturg Steen Bille, hofft in Verbindung mit dem 50-jährigen Jubiläum der Deutsch-Dänischen Gesellschaft, dass er nicht der letzte Vorsitzende sein wird, sondern dass die Gesellschaft auch weitere 50 Jahre bestehen wird.

Aber er macht sich Sorgen, denn er sieht die Lebenskette für die deutsche Sprache in Dänemark bedroht.

In einem Fernseh-Interview auf DK4 verwies Bille auf das zwischen Dänemark und der Bundesrepublik 1976 vereinbarte Kulturabkommen zur Stärkung der deutschen Sprache an dänischen Schulen.

Leider besteht aber nach seinen Worten ein Unterschied zwischen feinen Tischreden und der Wirklichkeit. Während die dänische Industrie regelrecht nach deutschsprachigen Mitarbeitern schreit, haben sich in diesem Jahr nur noch 74 Studenten an den dänischen Universitäten für das Fach Deutsch entschieden.

Je weniger junge Menschen sich an den Hochschulen für Deutsch interessieren, desto weniger Interesse besteht an Deutsch, und dann endet eines Tages die Lebenskette auch für die Gesellschaft.

„Eine Schraube ohne Ende“, befürchtet der Vorsitzende, der manchen Dänen auch den Glauben raubt, wer „Bitte ein Weißbier“ bestellen kann, der könne sich schon mit Deutsch in Deutschland behaupten.

Wenn er seinen Freunden berichte, dass er die deutsche Sprache beherrsche, dann schauten sie ihn ungläubig an, so als handele es sich um eine alt-testamentarische Sprache. Für sie sei französisch vornehm, die deutsche Sprache klinge hingegen für sie hässlich und sei mit ihren grammatischen Biegungen auch so schwierig, sagt Bille, der seine Landsleute jedoch davor warnt, zu glauben, dass allein englisch als Fremdsprache ausreiche.
Für die deutsch-dänische Gesellschaft, die 1969 gegründet wurde, als „Ohren und Augen in Dänemark wieder Richtung Deutschland geöffnet wurden“, gibt es auch nach 50 Jahren noch genügend Aufklärungsbedarf.

Wenn man einen Dänen fragt, ob er einige deutsche Sätze sprechen kann, dann bekommt man zur Antwort: „Ordnung muss sein“, so wie „kæft, trit og retning“.

Kürzlich hatten ihm deutsche Freunde, die mit ihrem Wagen, mit deutschem Kennzeichen, an der dänischen Westküste Urlaub machten, erzählt, dass sie dort von Jungen mit dem Hitler-Gruß empfangen worden sind.

„Weder die Jungs noch ihre Eltern haben die deutsche Besatzungszeit erlebt, wahrscheinlich nicht einmal die Großeltern, aber es gibt leider offenbar immer noch Assoziationen, die in Dänemark mit den Deutschen und Deutschland zusammenhängen.“

Für Bille bestehe deshalb Bedarf, das Bild vom großen Nachbarn aufklärerisch zu nuancieren, wobei es in den letzten Jahren andererseits jedoch auch notwendig gewesen sei, die Deutschen davon zu überzeugen, dass in Dänemark trotz rigider Ausländerpolitik Fremde nicht bespuckt werden.

Im Interview im Programm „Dansk-tysk med Matlok“ berichtet Steen Bille über die Gründung der Dänisch-Deutschen Gesellschaft in Kopenhagen 1969 und über ihre Zielsetzung, Vorurteile nach der Nazi-Zeit abzubauen und ein Bild des neuen demokratischen Deutschlands zu vermitteln – aber auch mit Kontakten nach Ostdeutschland noch vor der Anerkennung der DDR durch Dänemark.
„Dansk-Tysk Selskab“ ist nie ein Massenverein geworden, zählt zurzeit rund 300 Mitglieder, aber seine Existenz sei auch angesichts der gewachsenen politischen und wirtschaftlichen Bedeutung Deutschlands in Europa weiterhin notwendig. Um dies zu unterstreichen, verleiht Dansk-Tysk Selskab zusammen mit dem Dänisch-Deutschen Industrie-und Handelsklub jährlich einen Deutsch-Dänischen Preis.

In diesem Jahr wurde im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich des 50-jährigen Bestehens eine Frau für ihren besonderen Einsatz zum dänisch-deutschen Verständnis geehrt: Lykke Friis.

Sie habe nie eine Gelegenheit versäumt, den Dänen die Politik und das Alltagsleben im Nachbarland zu erläutern. „Mit ihrer analytischen Begeisterung hat sie in Interviews, Vorträgen, Büchern und Artikeln ein differenziertes Bild des großen, europäischen Kernlandes in Veränderung vermittelt“, würdigte Bille die frühere Venstre-Ministerin und heutige Deutschland-Korrespondentin von Berlingske.
Lykke Friis Foto: Th. Lekfeldt/ Ritzau Scanpix
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