Meinungsfreiheit

Nach Karikatur: China pocht auf Entschuldigung

Nach Karikatur: China pocht auf Entschuldigung

Nach Karikatur: China pocht auf Entschuldigung

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup
Kopenhagen
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Jacob Nybroe, Chefredakteur der Tageszeitung „Jyllands-Posten“ Foto: Uffe Weng/Ritzau Scanpix

Die chinesische Regierung ist mit einer Karikatur in der dänischen Tageszeitung „Jyllands-Posten“ nicht zufrieden und verlangt eine öffentliche Entschuldigung. Die Zeitung werde sich aber nicht entschuldigen, unterstreicht der Chefredakteur und nennt dabei einen ausschlaggebenden Grund.

„Der jüngste Virusausbruch hat bislang 81 Menschenleben in China gefordert. Während die chinesische Regierung und das Volk alles Mögliche unternehmen, um diesen gesundheitlichen Notstand zu lösen, hat Jyllands-Posten eine Karikatur von Niels Bo Bojesen veröffentlicht, die die Gefühle der Chinesen verletzt“. So lauten die Anfangsworte in einem offiziellen Kommentar der chinesischen Botschaft in Dänemark am Dienstag. Die Botschaft verlangt im Schreiben weiter, dass die Zeitung sich öffentlich beim chinesischen Volk entschuldigt und ihren Fehler zugibt.

Die Karikatur Bojesens in der Montagszeitung zeigt die chinesische Flagge. Die charakteristischen fünf gelben Sterne wurden jedoch mit dem Coronavirus ersetzt.

Beim Chefredakteur der Zeitung, Jacob Nybroe, stößt das Schreiben der Botschaft nicht auf Verständnis. „Die Zeichnung hatte nicht die Absicht, die Chinesen in jeglicher Form zu verspotten. Wir können uns nicht für etwas entschuldigen, was wir nicht als falsch empfinden“, betont Nybroe gegenüber dem Nachrichtensender TV2. „Die Flagge mit dem Coronavirus zu zeichnen, zeigt lediglich, dass das Land mit dem Virus kämpft. Mehr ist da nicht drin“, unterstreicht er.

Debatte

In den sozialen Medien wird derweil über die Karikatur teilweise heftig debattiert. Unter anderem schreibt Meyling Song: „Ärzte und Krankenpfleger kämpfen Tag und Nacht gegen das Virus. Es ist in Ordnung, wenn man nicht helfen möchte, aber es ist unakzeptabel, wenn man mit dieser Karikatur die Chinesen verhöhnt.“ Darauf antwortet Yi Yat Chuck: „Es ist nicht das erste Mal, dass ein Virus in China wütet. Im Dezember 2019 wurden Personen verhaftet, weil sie `Gerüchte´ über das Coronavirus verbreiteten. Ich glaube nicht, dass die Karikatur die Chinesen verspotten möchte, sondern eher darauf hinweist, dass die chinesische Regierung die Verantwortung trägt.“

Auch die chinesische Handelskammer in Dänemark (CCCD) kritisiert die Karikatur. „Wir respektieren die Meinungsfreiheit. Die Zeichnung von Niels Bo Bojesen zeigt aber, dass es diesen an Allgemeinwissen und Mitgefühl fehlt. Das chinesische Volk, das derzeit die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft braucht, wird lächerlich gemacht“, erklärt der Generalsekretär der Handelskammer, John Liu in einer Pressemitteilung.

Frederiksen: „Wir haben Meinungsfreiheit“

„In Dänemark herrscht die freie Meinungsäußerung.“ So lautet die kurze und direkte Antwort der dänischen Regierungschefin Mette Frederiksen (Sozialdemokraten) zur Forderung der chinesischen Regierung. „Und diese Meinungsfreiheit gilt auch für Karikaturen und Zeichnungen“, ergänzt sie.

Auch der dänische Außenminister, Jeppe Kofod (Sozialdemokraten), wollte die Karikatur nicht weiter kommentieren und verwies ebenfalls laut Ritzau auf die freie Meinungsäußerung in Dänemark. „Und darüber ist sich auch die chinesische Regierung im Klaren“, so Kofod.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Mutiges Museum“