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Weltgesundheitsorganisation: Dänemark soll Schoko-Zigaretten für Kinder verbieten

WHO: Dänemark soll Schoko-Zigaretten für Kinder verbieten

WHO: Dänemark soll Schoko-Zigaretten für Kinder verbieten

cvt/Ritzau
Kopenhagen
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Schokozigaretten
„Genau wie Papa“ – so wirbt ein Hersteller in den USA für Schoko-Zigaretten (Archivfoto). Auch in Dänemark und Deutschland werden solche Zigaretten bis heute verkauft. Foto: Angela Loria/unsplash

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Suchtprävention: Produkte wie Süßigkeitenzigaretten können Kindern ein positives Bild vom Rauchen vermitteln, so die WHO. Sie fordert die dänische Regierung dazu auf, sie zu verbieten. Jährlich werden zehntausende Päckchen verkauft.

Obwohl Süßigkeiten-Zigaretten nicht mehr von Supermarktketten-Konzernen wie Coop und der Salling Group verkauft werden, kann man sie in Dänemark immer noch in vielen Kiosken und auf Campingplätzen kaufen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert Dänemark nun auf, sie zu verbieten.

Das sagt Kremlin Wickramasinghe, Leiter der europäischen Abteilung der WHO für die Prävention nichtübertragbarer Krankheiten, dem Dänischen Rundfunk „DR“. Er sei „beunruhigt“ über die Verkäufe in Dänemark.

WHO: Regierungs-Einsatz gegen das Rauchen sollte bei Kindern beginnen

„Die Forschung zeigt, dass ein Produkt wie Süßigkeiten-Zigaretten dazu beitragen kann, dass Kinder eine positive Einstellung zum Rauchen entwickeln. Sie kann dazu beitragen, dass das Rauchen gesellschaftlich akzeptiert und zu einem normalen Verhalten wird“, so Wickramasinghe.

„Der Vorschlag der dänischen Regierung für eine tabakfreie Generation würde näherrücken, wenn diese Produkte abgeschafft würden“, glaubt er.

Wickramasinghe bezieht sich auf einen Vorschlag von Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Soz.), der im März ein Verkaufsverbot für Tabak- und Nikotinprodukte für Menschen vorgeschlagen hat, die nach 2010 geboren wurden.

Der Vorschlag konnte jedoch nicht umgesetzt werden, weil er gegen die EU-Tabakvorschriften verstieß.

Laut „DR“ gibt es in 87 Ländern ein Verbot von Süßigkeiten, die wie Tabak-Produkte aussehen. Dänemark und Deutschland gehören nicht dazu (Archivfoto). Foto: Jeff Wheeler/Ritzau Scanpix

Hersteller glaubt den Aussagen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht

„DR“ hat mit der Firma Candinavia A/S gesprochen, die süße Zigaretten liefert. Das Unternehmen sagt, dass es vom 1. Mai vergangenen Jahres bis zum 1. Mai dieses Jahres 71.500 Pakete auf dem dänischen Markt verkauft hat.

Das ist ein Anstieg von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Direktor von Candinavia A/S, Benny Ebsen, glaubt nicht, dass Zigaretten an sich junge Menschen zum Rauchen verleiten. Sie fangen aus anderen Gründen an, sagt er zu „DR“.

Die Dänische Krebsgesellschaft Kræftens Bekæmpelse ist gegen das Produkt, weil es nach Ansicht der Organisation einer Art Marketing für Zigaretten ähnelt.

Da die Auswirkungen eines konkreten Verbots jedoch nicht bekannt sind, möchte der Verband, dass die Hersteller und Kioske selbst entscheiden, ob sie die Süßigkeiten aus den Regalen nehmen. Das sagt Projektleiter Niels Them Kjær gegenüber „DR“.

Mehrere Forscherinnen und Forscher und Fachleute, die sich mit der Tabakprävention auskennen, sagten dem Sender, dass es ein falsches Signal sei, wenn Kinder die Möglichkeit haben, mit etwas zu spielen, das sie zum Rauchen animieren könnte.

Doch bei Candinavia glaubt Direktor Ebsen, dass die Süßigkeiten-Zigaretten nur eine breitere Palette von Spaßprodukten schaffen. Er weist auch darauf hin, dass Süßigkeiten-Zigaretten alles andere als ein neues Produkt sind.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Ein Leck in unserer Gesellschaft“