Politik

Sexuelle Schikane: „Alle tragen Verantwortung“

hee/hm
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: Mihai Surdu/Unsplash

Beschäftigungsminister Troels Lund Poulsen (Venstre) kündigt einen Gesetzentwurf für höhere Entschädigungen bei Belästigung an.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Unternehmen soll künftig eine deutlich höhere Entschädigung gezahlt werden, wenn sie Opfer sexueller Schikane oder Belästigung geworden sind. Darauf zielt ein Gesetzesentwurf ab, den der zuständige Minister Troels Lund Poulsen (Venstre) gestern vorgestellt hat. Bevor das Folketing über die neue gesetzliche Regelung entscheidet, geht der Entwurf aber noch in die Anhörung, wo Interessenorganisationen und alle Bürger Stellungnahmen einreichen können.

Das Beschäftigungsministerium erklärt, dass man mit der Initiative auf die weltweite MeToo-Kampagne reagiere. Die Regierung will die Regeln für sexuelle Belästigung insbesondere im Bereich der Entschädigungsbeträge verschärfen, berichtet Politiken. Statt bisher 25.000 Kronen können die Personen, die Opfer sexueller Belästigung oder Diskriminierung geworden sind, nach einem Gerichtsverfahren künftig einen Betrag von 33.000 Kronen erhalten.

Künftig soll es nicht mehr möglich sein, dass die Urheber sexueller Belästigung sich herausreden können. In der Vergangenen hatten Männer auf Belästigungsklagen mit dem Hinweis auf einen dort üblichen lockeren Ton am Arbeitsplatz juristische Verfahren abzuschmettern versucht.

Studie: Hälfte aller Klagen wurden abgewiesen

Politiken berichtet über eine Studie zum Umgang mit sexueller Schikane und Diskriminierung an Arbeitsplätzen während der vergangenen 30 Jahre. Daraus geht hervor, dass in diesem Zeitraum die Hälfte aller Klagen wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung von den zuständigen Gerichten abgewiesen worden sind.

In einem Drittel der Fälle waren Chefs vom Vorwurf der sexuellen Schikane freigesprochen worden. Meist hatten die Beklagten angegeben, im berührten Betrieb sei ein frecher oder anzüglicher Umgangston üblich gewesen
Wissenschaftler der Universität Aalborg hatten 2017 in einem Bericht festgestellt, dass Freisprüche der Chefetage von den Richtern unter Hinweis darauf, dass die Anzüglichkeiten in dem Betrieb „mit dazu“ gehört hätten, gefällt worden sind. Meist habe es sich dabei um Arbeitsplätze mit männlicher Dominanz gehandelt, wo sexuelle Themen in unangemessener Weise ausgesprochen worden seien.

„Es darf kein Zweifel herrschen, dass sexuelle Schikane gesetzeswidrig ist“

Im Kopenhagener Stadtgericht waren Frauen mit Klagen wegen sexueller Belästigung gescheitert, weil der Richter darauf verwiesen hatte, dass diese sich im Umfeld der Kollegen nicht ausreichend von den diskriminierenden Umgangsformen distanziert hätten.

Die Regierung strebt zudem an, im Gleichstellungsgesetz festzusetzen, dass gleiche Arbeitsbedingungen für Männer und Frauen auch ein Verbot von sexueller Belästigung bedeuten. Die Dänische Volkspartei (DF) unterstützt den Vorstoß, die Sozialdemokraten fordern eine höhere Entschädigung. Auch SF sind die angekündigten Entschädigungsanhebungen nicht ausreichend. Auch die Gewerkschaft Djøf signalisiert Unterstützung, regt aber auch eine höhere Zahlung an.

Troels Lund Poulsen unterstrich, dass ein Umdenken in den Betrieben bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern stattfinden müsse.

„Es darf kein Zweifel herrschen, dass sexuelle Schikane gesetzeswidrig ist“, so der Minister.
Die Anhörung läuft nur bis zum 21. September dieses Jahres.

Mehr lesen