Berufspraktika für Flüchtlinge

Nur 2 von 19 Ministerien geben Flüchtlingen die geplante Chance

Dominik Dose
Dominik Dose Online-Redaktion
Kopenhagen
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Foto: Scanpix

Die 19 dänischen Ministerien hatten sich das Ziel gesetzt, bis zu 312 ungelernte Flüchtlinge zu beschäftigen. Lediglich 65 sind es bis heute. Ein Experte ist entsetzt und sieht die Glaubwürdigkeit der Politik in Gefahr.

Eines der Ergebnisse der Dreier-Verhandlungen (trepartsaftalen) zwischen der Regierung und Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern war im vergangenen Jahr die sogenannte IGU-Ordnung (Integrationsgrunduddannelsen). Diese Versuchsordnung soll ungelernten Flüchtlingen durch ein Berufspraktikum den Einstieg in den dänischen Arbeitsmarkt ermöglichen. Die Regierung fordert Kommunen und Arbeitgeber in ihr auf, mehr Flüchtlinge einzustellen.

Auch die 19 Ministerien des Landes hatten sich im Zuge der IGU-Ordnung im vergangenen Jahr das Ziel gesetzt, innerhalb von kürzester Zeit 266 bis 312 Flüchtlinge zu beschäftigen. Von diesem Ziel sind die Ministerien allerdings weit entfernt. Insgesamt wurden nur 65 IGU-Schüler eingestellt.

Das zeigt eine gesammelte Übersicht des Finanzministeriums, in die die Nachrichtenagentur Ritzau Einsicht hatte.

Dies ist ein richtig schlechtes Signal nach außen, meint Professor Henning Jørgensen vom Center für Arbeitsmarktforschung an der Universität Aalborg. „Das ist ein Ziel, das sich gesetzt wurde. Für die Gesellschaft entsteht nun der Eindruck, dass diese nicht ernstgenommen wird“, so Jørgensen zu Ritzau.

Nur 2 von 19 Ministerien haben ihre Zielsetzung eingehalten – das Beschäftigungs- und das Ausländer- und Integrationsministerium. Letzteres hat mit 8 IGU-Schülern sogar mehr, als die angestrebten 6 eingestellt. Alle anderen Ministerien liegen deutlich hinter ihren selbst gesteckten Vorgaben zurück. Das Kirchenministerium, das angekündigt hatte 50 bis 60 Flüchtlinge einzustellen hat bis heute nicht einen einzigen beschäftigt. Das Ausbildungs- und Forschungsministerium, das die gleichen Ambitionen hatte, liegt derzeit bei 2 IGU-Schülern.

Mehrere Ministerien haben ihre Zahl nun heruntergestuft, sodass das Ziel aller Ministerien nun bei 254 bis 299 liegt.

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