Autos haben Vorrang

Minister verbietet größtes Jedermann-Radrennen – will aber Millionen für die Tour de France ausgeben

Minister verbietet größtes Jedermann-Radrennen – will aber Millionen für die Tour de France ausgeben

Minister verbietet größtes Jedermann-Radrennen – will aber Millionen für die Tour de France ausgeben

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Kopenhagen
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Radrennen für Jedermann sind laut Transportminister ein Verkehrshindernis. Foto: Scanpix

Nicht nur die Läufer – auch die Radfahrer dürfen jetzt nicht mehr über die Großer-Belt-Brücke. Der Verkehr werde über die Maßen belastet, sagt Dänemarks Transportminister, der zugleich die Tour de France über die Brücke laufen lassen will.

Nicht nur die Läufer – auch die Radfahrer dürfen jetzt nicht mehr über die Großer-Belt-Brücke. Der Verkehr werde über die Maßen belastet, sagt Dänemarks Transportminister, der zugleich die Tour de France über die Brücke laufen lassen will.

Die Genehmigung für 2018 liegt vor. Und dennoch soll das größte dänische Amateur-Radrennen Aarhus-Kopenhagen jetzt abgesagt werden. Rund 7.000 Teilnehmer sind betroffen – und Veranstalter Jens Veggerby ist sauer. „Ich habe eine kurze telefonische Orientierung von Sund & Bælt (Brückenbetreiber, Red.) erhalten, dass unser Rennen im kommenden Jahr nicht durchgeführt werden kann, obwohl wir bereits die Genehmigung bekommen haben“, sagt er zu DR P4 Fyn.

Transportminister Ole Birk Olesen (Liberale Allianz) hat beschlossen, dass die Brücke über den Großen Belt künftig weder für Radrennen noch für Marathons gesperrt wird. Hintergrund seien die Erfahrungen eines Halbmarathons aus dem Mai, der für stundenlange Staus für Autofahrer sorgte.

„Es ist wichtig, zwischen den Landesteilen und auf anderen zentralen Strecken freie Fahrt aufrechtzuerhalten“, schreibt der MInister in einem Kommentar an Danmarks Radio.

Die Laufveranstaltung „Broløbet Storebælt“ am 9. September dieses Jahres wird noch ausgetragen, doch für das Radrennen rund ein Jahr später gibt es kein grünes Licht mehr. „Ich bin unglaublich aufgebracht darüber, dass ein einzelner Mann einen Entschluss fassen kann, der so viele Menschen betrifft“, sagt Veranstalter Veggerby.

100 Millionen Kronen, um die Tour de France anzulocken

Die Regierung arbeitet derzeit mit den Regionen und den Kommunen daran, der Prolog und zwei Etappen der Tour de France 2020 und 2021 nach Dänemark zu holen. Der Preis für den Tour-Start würde rund 100 Millionen Kronen kosten. Eine der Etappen soll zwischen Roskilde und Odense verflaufen – also über die Großer-Belt-Brücke. Jens Veggerby wundert sich deshalb über die Doppelmoral des Ministers.

„Es ist ziemlich widersprüchlich, 100 Millionen Kronen für das größte professionelle Radrennen der Welt abzusetzen und gleichzeitig ein Rennen dichtzumachen, das der breiten Bevölkerung zugute kommt“, sagt er. Er will mit seiner Firma Veggerby Sport & Kultur jetzt notfalls vor Gericht ziehen, um seine Ausgaben erstattet zu bekommen. „Wir werden einige kluge Köpfe zu Rate ziehen um herauszufinden, wie wir Verluste vermeiden. Irgendeine Form der Entschädigung wollen wir in jedem Fall haben“, sagt er.

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