Sozialpolitik

Millionen für Ältere – aber das Geld bleibt liegen

Sara Wasmund
Sara Wasmund Hauptredaktion
Kopenhagen
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Die Heimhilfe soll auch mal Sonderwünsche erfüllen – dafür setzt der Staat Gelder ab. Foto: Casper Christoffersen / Ritzau Scanpix

Der Staat stellt Millionen Kronen zur Verfügung, um Senioren das Leben schöner zu machen. Doch die Kommunen nutzen das Geld nicht. Was läuft schief?

  • 2015 führte die Regierung ein Bonussystem ein, das Heimhilfeempfängern Sonderwünsche ermöglicht.

2015: 75 Millionen (39 Mio. nicht genutzt)
2016: 186 Millionen (73 Mio. nicht genutzt)
2017: 163 Mio. (75 Mio. nicht genutzt)

Ein Spaziergang mit der Heimhelferin, ein Gespräch, ein Frisörbesuch – mit der sogenannten Bonuskarte für Ältere („Ældreklippekort“) will die Regierung hilfsbedürftigen Senioren Sonderwünsche ermöglichen.

Doch nach einer Aktendurchsicht meldet DR Nyheder: Einige Kommunen nutzen das zur Verfügung gestellte Geld gar nicht, andere verwenden die Mittel nur teilweise.

Kommunen fordern: Lieber mehr Personal

Jene Kommunen, die das System innerhalb der Heimhilfe nicht weiternutzen, begründen ihre Entscheidung damit, dass es administrativ zu anstrengend sei, die Mittel zu verwenden. Sie fordern stattdessen mehr Personal für die Heimhilfe.

Jette Skive (DF), Vorsitzende des Gesundheits- und Älterenausschusses vom Landesverein der Kommunen (LF) spricht von Anfangsschwierigkeiten. „Es ist ja eine ganz neue Regelung, die erst seit wenigen Jahren läuft. Sie ist für alle Pflegeheime und alle Heimpfleger – und das sind richtig viele Menschen – daher braucht es einfach Zeit, um anzukommen“, so Skive zu DR.

Seit 2017 können die Kommunen selbst entscheiden, ob sie das Bonussystem für Heimhilfeempfänger mit Geldern aus dem Blockzuschuss oder mit Geld aus dem Topf weiterführen wollten.

11 Kommunen lassen es ganz sein

Das Ergebnis: 11 Kommunen haben die Regelung ganz fallengelassen, 48 Kommunen verwendeten nur einen Teil des Geldes. Nur 28 Kommunen nutzen alle zur Verfügung gestellten Mittel, um Senioren das Leben schöner zu machen.

Seit 2017 gibt es ein entsprechendes Bonussystem für Pflegeheimbewohner. 383 Millionen Kronen stellte der Staat zur Verfügung. 106 Millionen Kronen wurden nicht genutzt.

Wir brauchen Gesetzte die sicherstellen, dass alle die Möglichkeit haben, raus an die frische Luft zu kommen, Menschen zu treffen und einen Kaffee mit dem Heimhilfemitarbeiter zu trinken.

Per Tostenæs

Beim Seniorenverband Ældre Sagen ärgert man sich darüber, dass die Kommunen nicht alle Mittel nutzen. „Wir sprechen von Menschen, die beispielsweise ihr Haus nicht mehr alleine verlassen können, deren einziger Kontakt der Fernseher ist.

Wir brauchen Gesetzte die sicherstellen, dass alle die Möglichkeit haben, raus an die frische Luft zu kommen, Menschen zu treffen und einen Kaffee mit dem Heimhilfemitarbeiter zu trinken“, sagt Ældre-Sagen-Berater Per Tostenæs.

Genutzte Mittel in Nordschleswig 2017

Sonderburg: 65 Prozent für Heimhilfeempfänger, 47 Prozent für Pflegeheimbewohner

Apenrade: Über 100 Prozent für Heimhilfeempfänger, 80 Prozent für Pflegeheimbewohner

Tondern: KeineBonuskarte für Heimhilfeempfänger, 73 Prozent für Pflegeheimbewohner

Hadersleben: Keine Bonuskarte für Heimhilfeempfänger, 86 Prozent für Pflegeheimbewohner

Jane Heitmann, Venstre-Sprecherin für Seniorenpolitik, ärgert sich über den Unwillen mancher Kommunen. „Es ist unglaublich ärgerlich, wenn wir auf Christiansborg Gelder zur Verfügung stellen, damit Ältere sich Sonderwünsche wie einen Frisörbesuch oder einen Waldspaziergang erfüllen können.“

Die Herausforderungen mit verschiedenen Töpfen seien aber bekannt. „Daher hat sich das Folketing einstimmig darauf geeinigt, die Anzahl der Fördertöpfe zu halbieren.“


2017 stellte die Regierung 383 Millionen Kronen für Sonderwünsche von Pflegeheimbewohner zur Verfügung, davon wurden 106 Millionen Kronen nicht genutzt. 2016 waren es 75 Millionen, die nicht verwendet wurden.

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