Gesundheitspolitik

Mehr Zeit für die Pflege statt für Bürokratie

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Kopenhagen
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Beim Seniorenverband „Ældresagen“bemüht man sich seit Jahren um Verbesserungen der Bedingungen in der Seniorenbetreuung. Dort begrüßt man alle Initiativen, die Kernaufgaben Pflege und Betreuung oder die Qualität der Ernährung zu verbessern. Foto: Ældresagen

Die dänische Innovationsministerin will Personal in Altenbetreuung und Gesundheitssektor entlasten. Die Gewerkschaft sind skeptisch.

Den Mitarbeitern in der Betreuung und Pflege älterer Menschen soll künftig wieder mehr Zeit für ihre Kernaufgaben, den direkten Einsatz für die Hilfebedürftigen, zur Verfügung stehen. Das verspricht Innovationsministerin Sophie Løhde (Venstre) in ihrem Konzept zur Entbürokratisierung des Pflege- und Gesundheitssektors. Nach ihren Berechnungen könnte durch Streichung von, ihrer Meinung nach ausufernder Dokumentationspflicht, die Arbeitskraft entsprechend 2.000 Mitarbeitern freigesetzt werden.
„Immer mehr Mitarbeiter in der Seniorenpflege erleben, dass sie immer mehr Zeit für Tabellen und Registrierung brauchen“, so Sophie Løhde. Sie erklärt, dass nur die Hälfte der Arbeitszeit des Pflegepersonals für Einsatz der Kategorie „von Angesicht zur Angesicht“ zur Verfügung steht.

Die Ministerin betont aber auch, dass die wichtigen Dokumentationspflichten nicht prinzipiell in Frage gestellt werden. „Das gilt zum Beispiel für krankenpflegerische Dokumentation, die eine zentrale Rolle bei der Arbeit mit älteren Menschen spielt, und die die erforderliche Pflege und Behandlung der Senioren sichert“, so Sophie Løhde. Sie werde sich bemühen, überflüssige Dinge zu streichen. Die Vorsitzende der Gewerkschaft FOA, Mona Striib, die besonders viele Pflegemitarbeiter vertritt, reagiert skeptisch auf Sophie Løhdes Konzept. „Wir begrüßen es, in den Vorschriften aufzuräumen und die Bürokratie zu verkleinern, das wünschen sich unsere Mitglieder seit Jahren. Aber ich habe große Zweifel, dass damit so viele Mitarbeiterstellen freigesetzt werden können“, so Mona Striip. Sie erinnert daran, dass heute viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Altenpflege Aufgaben nach Ende ihrer bezahlten Arbeitszeit erledigen.

„Gute Vision"

Die Ministerin stützt ihren Optimismus, mehr Personal für die Pflege freisetzen zu können, auf ein Gutachten, das in Zusammenarbeit mit mehreren Kommunen erarbeitet worden ist.
Der finanzpolitische Sprecher der Sozialdemokraten, Benny Engelbrecht, befürchtet, dass die Regierung mit ihrem neuen Konzept eine verdeckte Sparmaßnahme inszenieren will. Er erinnert daran, dass in den kommenden Jahren die Gruppe der älteren Menschen in Dänemark größer wird. Es müsse deshalb mehr Geld in die Altenpflege investiert werden.

Der Chefforscher an der Medien- und Journalistenhochschule, Roger Buch, nennt das Konzept der Regierung eine „gute Vision“. Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte zeigten jedoch, dass es bei vielen Initiativen zur Entbürokratisierung nicht die angepeilten Ergebnisse gebracht hat. Das Folketing produziere jährlich 200 neue Gesetze, die für Bürokratie sorgten.

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