Saubere Luft

„Man müsste eine dauerhafte Verschrottungsprämie einführen“

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Tondern/Kopenhagen
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Öfen sorgen in Dänemark für 70 Prozent der Feinstaubbelastung. Foto: dpa

Ab sofort gibt es eine Prämie für den Einbau umweltfreundlicherer neuer Öfen für Heizanlagen des Baujahrs 1995 und älter. Bei Schornsteinfegermeister Karl Otto Pilgaard aus Tondern hält sich die Begeisterung für die Verschrottungsprämie in Grenzen.

Seit Mittwoch können alle Besitzer von Öfen des Baujahrs 1995 und älter eine Prämie in Höhe von 2.000 Kronen kassieren, wenn sie ihre mit festem Brennstoff befeuerte Heizanlage verschrotten. Hintergrund sind Erkenntnisse, dass 70 Prozent der Feinstaubbelastung in Dänemark auf das Konto meist alter Öfen geht. „Die Regierung hat 46 Millionen Kronen bereitgestellt, um die schlimmsten der Verschrottung zuzuführen“, so Umwelt- und Nahrungsmittelminister Jakob Ellemann-Jensen (Venstre).

Er erklärt, dass die ältesten Öfen einen unverhältnismäßig hohen Anteil zur Luftverunreinigung in Dänemark beitragen. „Sie geben bis zu fünfmal mehr Partikel ab als ein neuer Ofen“, so Ellemann-Jensen.

Schornsteinfeger: Geld reicht nicht

Bei Schornsteinfegermeister Karl Otto Pilgaard aus Tondern hält sich die Begeisterung für die Verschrottungsprämie in Grenzen. „Man müsste eine dauerhafte Verschrottungsprämie einführen“, so sein Vorschlag. Die jetzt zur Verfügung stehenden 46 Millionen Kronen reichen für die Außerdienststellung von gerade einmal 19.000 Altöfen. Er hält allein schon die Antragsstellung über die Homepage der staatlichen Umweltbehörde Miljøstyrelsen, mst.dk, für beschwerlich.

Vor allem für ältere Bürger, die seiner Erfahrung nach am häufigsten ältere Öfen in ihren Häusern haben. Bevor die Verschrottungsprämie ausgezahlt wird, muss der zuständige Schornsteinfeger die Außerdienststellung des Altgerätes bestätigen. Für diesen Einsatz erhält er 215 Kronen, die vom Staat zusammen mit der 2.000-Kronen-Prämie überwiesen werden.„Wir helfen den Bürgern gerne, ihre Feuerungsanlage zu modernisieren“, so Pilgaard und betont, dass er und seine Kollegen beim Fegen der Schornsteine feststellen können, ob der Ofen umweltfreundlich für Wärme sorgt. Pilgaard erklärt, dass auch neuere Öfen, mindestens bis Baujahr 1998 auf den Schrott gehörten.

Neue Öfen sind effizienter

„Vorteil der neuesten Öfen ist, dass sie bei verbesserter Verbrennung mit weniger Feinstaub mehr Energie liefern“, so der Schornsteinfeger, der aber auch darauf hinweist, dass ein moderner Ofen nichts nützt, wenn z. B. feuchtes Holz oder Abfälle verbrannt werden. Wichtig ist es auch, dass in die Brennkammer immer genügend Luft kommt“, so Pilgaard, der aus seinem Fegebezirk berichten kann, dass die Öfen durchweg umweltverträglicher betrieben werden, was er in den Schornsteinen sehen kann.

Minister: Kein Verbot

Umwelt- und Nahrungsmittelminister Jakob Ellemann-Jensen unterstreicht, dass er Forderungen nach Verbot von Öfen nicht nachkommen werde. Laut Berechnungen von Umweltmedizinern ist der Ofen-Feinstaub in Dänemark verantwortlich für 400 vorzeitige Sterbefälle jährlich.


Neue Vorschriften bremsen Feinstaub

  • In Dänemark gibt es rund 700.000 Öfen zum Verheizen von Festbrennstoffen.Die neuesten Vorschriften in Dänemark erlauben seit 2017 nur noch 4 Gramm Feinstaub bei Verbrennung eines Kilogramms Brennstoff.Das Umweltsiegel Svanemærket erlaubt nur 2 Gramm Feinstaub pro Kilogramm Brennstoff.
  • EU-weit gilt ab 2022 ein Grenzwert von 5 Gramm Feinstaub pro Kilogramm Brennstoff – immerhin werden Feinstäube sehr weit per Wind weitergetragen.
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