Hochschulausbildung

Immer weniger junge Menschen möchten studieren

Immer weniger junge Menschen möchten studieren

Immer weniger junge Menschen möchten studieren

Ritzau/nb
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Ausbildungs- und Forschungsminister Jesper Petersen (Soz.) hatte zwar bereits mit einer niedrigeren Zahl an Studienbewerberinnen und -bewerbern gerechnet, war aber dennoch überrascht über die stark gesunkene Zahl an Menschen, die sich für einen Studienplatz beworben haben. Foto: Philip Davali/Ritzau Scanpix

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So wenige junge Menschen wie seit zehn Jahren nicht mehr haben sich auf einen Studienplatz beworben. Nach zwei Jahren Corona-Lockdown gönnen sich viele Jugendliche vermutlich eine Auszeit, mutmaßt der zuständige Minister. Einen starken Rückgang gibt es bei den Bewerberinnen und Bewerbern für eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Ausbildungs- und Forschungsminister Jesper Petersen (Soz.) staunte nicht schlecht, als er die Zahl der Studienbewerberinnen und -bewerber sah.

Diese liegt nämlich auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren.

Insgesamt haben sich 79.737 Menschen um eine weiterführende Ausbildung beworben, wie das Ausbildungs- und Forschungsministerium mitteilt.

Die Zahl enthält sowohl Bewerbungen über die Quote 1 als auch die Quote 2.

Quote 1 und 2

Am Dienstag um 12 Uhr endete die Bewerbungsfrist für eine weiterführende Ausbildung. Interessierte können sich über zwei verschiedene Quoten um einen Studienplatz bewerben.

Quote 1

Bewerbungsfrist: 5. Juli 12 Uhr.

Bewerberinnen und Bewerber werden ausschließlich anhand ihrer Abiturnote bewertet. Personen mit einem hohen Notendurchschnitt bekommen somit als erste einen Studienplatz zugeteilt.

Für einzelne Studienfächer kann es bestimmte Notenanforderungen geben.

Quote 2

Bewerbungsfrist: 15. März 12 Uhr.

Bewerberinnen und Bewerber, die nicht über Quote-1-Bewerbungen aufgenommen werden können, oder solche, die anhand von Qualifikationen jenseits der Abiturnote bewertet werden möchten, haben die Möglichkeit, sich über die Quote 2 auf einen Studienplatz zu bewerben.

Die Kriterien beruhen in diesem Fall auf verschiedenen fachlichen und allgemeinen Aktivitäten, die zusammen mit der Abiturnote die Grundlage für eine Zulassung bilden. Dies kann beispielsweise die Berücksichtigung einer zweiten Ausbildung neben dem Abitur sein, ein Aufenthalt an einer Heimvolkshochschule über mindestens 16 Wochen oder ein Auslandsaufenthalt zwischen mindestens drei und sechs Monaten. Auch die Arbeit in einem Verein, politische Arbeit oder die Beschäftigung mit Kindern, Jugendlichen oder Menschen mit Behinderungen wird berücksichtigt.

Daneben müssen potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten eine begründete Bewerbung schreiben, in der sie ihre Motivation darlegen.

Reisen statt Lesen

„Ich wünsche den vielen Bewerberinnen und Bewerbern viel Glück. Es sind weniger als früher, aber in einer Welt, die sich nach Corona wieder geöffnet hat und die von einer Hochkonjunktur geprägt ist, machen viele junge Menschen eine Pause vom Lesen“, sagt Ausbildungs- und Forschungsminister Jesper Petersen.

Er verweist insbesondere darauf, dass viele von ihnen jetzt wieder die Möglichkeit des Reisens haben.

„Dennoch kann ich verstehen, dass man über die wesentlich geringere Zahl an Bewerberinnen und Bewerbern überrascht ist. Das bin ich selbst auch. Aber zum Glück gibt es eine Reihe glaubhafter Erklärungen hierfür“, sagt er.

Rekordaufnahme in den beiden Jahren zuvor

Bereits im Vorfeld war mit einem Rückgang der Bewerberzahlen gerechnet worden.

Dies ist unter anderem dem Umstand geschuldet, dass viele im vergangenen und im vorigen Jahr ihre Bewerbung vorgezogen haben, weil der coronabedingte Lockdown weniger Reise- und Arbeitsmöglichkeiten bot.

„Das hat zu einer Rekordaufnahme in den Jahren 2020 und 2021 geführt, was umgekehrt bedeutet, dass die Bewerberinnen und Bewerber bei der diesjährigen Bewerbungsrunde nicht dabei sind. Eine Art Corona-Effekt, der uns unter anderem auch in den kommenden Jahren noch begleiten wird“, sagt Mikkel Leihardt, stellvertretender Direktor der Ausbildungs- und Forschungsbehörde.

Ärgerlich, dass der Rückgang so deutlich ausfällt

Obwohl der Rückgang der Bewerberzahlen in diesem Jahr erwartet worden war, bedauert Mikkel Haarder, Abteilungsleiter bei Dansk Industri, den Trend dennoch.

„Wir hatten zwar mit fallenden Zahlen gerechnet aufgrund von Corona, aber es ist sowohl überraschend als auch ärgerlich, dass der Rückgang so kräftig ausfällt“, sagt er. Seiner Einschätzung nach könnte dies das Wachstum und die Innovationskraft von Unternehmen in der Zukunft einschränken.

Erheblicher Rückgang bei Wohlfahrtsausbildungen

Vor allem die Wohlfahrtsausbildungen müssen einen erheblichen Rückgang in den Bewerberzahlen hinnehmen.

Im Gesundheitswesen fehlt es bereits seit Längerem an Krankenschwestern und -pflegern, und dieser Mangel dürfte sich künftig noch weiter verschärfen. So haben sich in diesem Jahr mit 3.373 Bewerberinnen und Bewerbern 28 Prozent weniger Menschen um einen Ausbildungsplatz hierfür beworben. Im Vergleich zu 2019 ist die Zahl sogar um 32 Prozent zurückgegangen.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den pädagogischen Ausbildungsgängen. Hier haben 18 Prozent weniger Menschen eine pädagogische Ausbildung als ihren ersten Studienwunsch angegeben. Verglichen mit dem Jahr 2019 ein Rückgang um 23 Prozent. Insgesamt haben sich 4.608 Personen für dieses Fach beworben.

Besorgniserregende Entwicklung

Ausbildungs- und Forschungsminister Jesper Petersen nennt die Entwicklung besorgniserregend.

„Das müssen wir ernst nehmen. Es geht um Menschen, die wichtig sind für Kinder, Jugendliche, Patientinnen und Patienten und für sozial am Rand der Gesellschaft stehende Personen – ja, für uns alle zusammen. Es herrscht derzeit eine Tendenz vor, die besagt, dass eine Ausbildung umso anerkannter ist, je akademischer sie ausfällt. Da müssen wir gegensteuern“, so Petersen.

Antwort auf Studienwunsch am 28. Juli

Die Studienbewerberinnen und -bewerber erhalten am 28. Juli eine Antwort auf ihre Bewerbung und wissen dann, ob ihr Studienwunsch in Erfüllung geht oder nicht.

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